Dienstag, 21. Dezember 2004

Ernährungswissenschaftler: Diät ist in der kalten Jahreszeit nicht empfehlenswert

  • Schokolade ist wichtig für das psychische Wohlbefinden
  • PLUS: Wie man dem Heißhunger auf Süßes vorbeugt

Zur Weihnachtszeit lockt die süße Verführung: Stollen und Lebkuchen, Marzipan und Zimtsterne, Schokolade und Spekulatius. Das Angebot ist groß - der Heißhunger darauf auch. Dies kommt nicht von ungefähr: In der trüben Jahreszeit fehlt den Menschen das Licht, und diesen Mangel versuchen sie unter anderem mit Zucker auszugleichen.

"Lust auf Süßes ist etwas völlig Normales", sagt die Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Gonder. Dies hängt mit dem Serotonin zusammen - einem Botenstoff des Gehirns, der das menschliche Wohlbefinden beeinflusst. Sowohl Licht als auch Zucker wirken auf den Serotonin-Stoffwechsel ein. Fehlt es an Licht, ist der Heißhunger auf Süßes umso größer. Weihnachtskekse und Schokoladen-Nikoläuse kommen im Winter also gerade recht.

Lust auf Süßes nicht unterdrücken
Und Menschen mit einem normalen Essverhalten könnten dieser Lust auf Zucker auch ruhig mal nachgeben, meint Gonder. Es sei nichts Ungewöhnliches, in den Wintermonaten bis ein Kilo zuzunehmen. Dieses sei im Frühjahr meist schnell wieder weg. Außerdem: "Wer Lust auf Stollen oder Lebkuchen hat, dem hilft keine Karotte."

Ausgleich fürs Essen suchen
Problematischer sieht es bei Menschen aus, die kein normales Essverhalten haben, die also nach zwei Lebkuchen nicht aufhören können. Für sie ist die Weihnachtszeit, was die Ernährung angeht, in doppelter Hinsicht schwierig - zum einen wegen des Lichtmangels, der ihren Heißhunger auf Süßes noch verstärkt, zum anderen, weil diese Zeit des Jahres sehr gefühlsbeladen und oft mit sehr viel Stress verbunden ist. Aber auch ihnen rät Gonder, sich das Essen nicht zu verbieten. Sie sollten stattdessen versuchen herauszufinden, für welche anderen Gelüste ihr Körper im Essen einen Ausgleich suche und sollten neue Strategien entwickeln, ihr Wohlbefinden zu erhöhen. Das könne ein gemütliches Wannenbad sein, ein gutes Buch oder Ähnliches.

Wie man dem Süßhunger am besten vorbeugt
Wer dem Süßhunger vorbeugen will, dem empfiehlt die Ernährungsexpertin viel Bewegung an der frischen Luft. Auch an einem trüben Tag sei das Licht draußen immer noch besser als künstliches Licht, erklärt sie - auch wenn einem dies subjektiv nicht immer so vorkommt. Auf dem Weihnachtsteller sollte neben Süßigkeiten auch Obst liegen, rät sie außerdem. Und wer während der Feiertage auf Kaffee und Kuchen nicht verzichten will, könnte dafür eine andere Mahlzeit streichen - statt Frühstück und Mittagessen zum Beispiel reicht vielleicht auch ein gemütlicher Brunch. Sie empfiehlt auch, beim Festtagsessen lieber mehr Gans - also Fett - zu essen und weniger Knödel - Kohlenhydrate, denn "das hält länger satt". Bei Gemüse oder Salat sollte sich jeder reichlich bedienen. (apa/red)

21.12.2004 10:37