Dienstag, 21. Dezember 2004

Erfolgsstory Jesus - Teil 2 der NEWS-Serie: Das Christentum – ein Megaerfolg

  • Jesus war kein Religionsgründer – aber sein Exeget Paulus ein famoser Missionar und Marketingmann

Ein Gottmensch, der niemals eine Religion gründen wollte, löste durch seinen Tod vor zwei Jahrtausenden einen Glaubensboom aus, der bis heute ohne Beispiel ist.
Jesus wollte das Judentum reformieren - Paulus erfand das Christentum – ein Megaerfolg.

Er trägt schwer an der Last seines Leides. Das Gesicht, dessen verschmitztes Lächeln die Welt einst kannte, ist zur Maske erstarrt. Zwei kräftig gebaute Jungpriester wuchten den bewegungsunfähigen Mann in Weiß vom Betschemel in den Rollsessel. Und die Kameras der italienischen Rundfunkanstalt RAI dokumentieren diese ergreifenden Szenen des Jammers mit gnadenloser Akribie.
Der 263. Nachfolger des Apostels Petrus ist am Ende seines irdischen Weges angelangt. Karol Wojtyla, seit dem Oktober 1978 als „Diener der Diener Gottes“ im Amt, zelebriert sein Leiden vor aller Welt.

Der 84-jährige Pontifex Maximus hat in der medizinischen Fünf-Punkte-Skala von Hoehn-Yahr die allerletzte Stufe der Parkinsonkrankheit, die ultimative Bewegungsunfähigkeit, erreicht. Er kann noch klar denken, aber nur noch undeutlich reden. Über den Rest des Körpers fehlt ihm jede Kontrolle.

Wo aber dieser Greis hingeschoben wird, mobilisiert er die Massen. Zigtausende auf dem Petersplatz in Rom. Weit über eine Million Jugendliche in Paris. Hunderte Millionen auf der ganzen Welt: Das Oberhaupt der römisch-katholischen Christen wirkt durch seine Gebrechlichkeit und durch sein spirituell motiviertes Abschiednehmen von der irdischen Welt wie ein Magnet.

Wann tritt der Papst ab? Wer in den vergangenen Jahren die immer wiederkehrende Diskussion belebte, ob ein handlungsunfähiger Papst zurücktreten dürfe – solle – müsse, hat den Sinn dieses öffentlichen Leidens nicht verstanden. Das medial bewusst dargebotene Martyrium von Johannes Paul II. ist Botschaft und Auftrag zugleich: das Zeugnis vom Wert des Lebens. Und Hoffnung auf das Diesseits.

Noch am Rande des Todes ist Papst Wojtyla Kommunikationsprofi und Mediengenie zugleich: Die Neuevangelisierung, die er vor Jahren als katholisches Zukunftsprogramm ausrief, lebt er in extremer Konsequenz vor.

Ein Boom. Der Islam steckt, bedingt durch regionalen Fundamentalismus, globalen Terrorismus und internationale Ideologiediskussionen, in einer Sinnkrise. Andere Religionen, etwa das Judentum, stagnieren.

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PLUS: Warum bekannte Christen an Jesus und an seine Religion glauben

21.12.2004 17:05