Dienstag, 21. Dezember 2004

Stürmischer Start

Buhmann Bush: Nach Bush-Wiederwahl stürzt US-Image weltweit total ab.
Stehaufmann Bush: Wie der US-Präsident seine zweite Amtsperiode anlegt. Plus: Bill Clinton in NEWS über Bush & Bin Laden.

Am Ende blieb US-Präsident George W. Bush in Sachen weltweites Sympathiedefizit nur mehr Galgenhumor. „Ich danke den Kanadiern für ihr nettes Winken“, sagte er kürzlich beim Staatsbesuch in Ottawa. „Zumindest denen, die alle fünf Finger dabei verwendeten.“ Denn Minuten zuvor hatte ihm die Menschenmenge eher den Stinkefinger entgegengestreckt. Doch globales Naserümpfen hatte beim stets breitbeinig und mit rausgestreckter Brust marschierenden Bush noch nie Dellen im Selbstvertrauen hinterlassen. „Ich habe politisches Kapital verdient“, sagte er am Folgetag der historischen Wahlschlacht gegen Demokraten-Senator John F. Kerry, den er mit 60.608.582 zu 57.288.974 Stimmen sowie 286 zu 252 Wahlmännerstimmen abgehängt hatte. „Und ich habe vor, es auch auszugeben.“ Nach dem ersten Schock des urbanen Amerika (in Manhattan mit einem 82-Prozent-Kerry-Erdrutschergebnis wurden sogar Psychiatriepraxen gestürmt) und der Welt (in nur vier von 200 Staaten wird Bush von einer Bevölkerungsmehrheit unterstützt) wird bange gefragt: Was bedeuten „Four more years“?

Bush hat jedenfalls ein Kabinett der Ja-Sager um sich geschart: Der gefallene Rockstar des Kabinetts, Colin Powell, ein offener Kritiker der Irakinvasion, wird ersetzt durch die engste Bush-Vertraute Condoleezza Rice, deren Nähe zum Präsidenten einen „Mind Melt“, eine Verschmelzung der Ansichten, auslöste. Weiters macht Bush seinen Leibanwalt Alberto Gonzales zum Justizminister, eine enge Freundin aus Texas, Margaret Spellings, zur Bildungsministerin. Nur der durch Folterskandal und Irak-Fehlplanungen tatsächlich rücktrittsreife Pentagonchef und Minister Donald Rumsfeld bleibt im Amt.

Fortan will Bush offenbar im totalen Gleichschritt mit einem Kabinett voller freundlicher Texaner seine Visionen umsetzen:

  • Im Irakkrieg hält Bush eisern an dem „von neokonservativen Naiven“ (Starjournalist Seymour Hersh) verfassten Drehbuch zum „Aufbau einer Musterdemokratie in Nahost“ fest. Doch sollte sich nicht rasch eine Wende im immer brutaleren Kampf gegen die Aufständischen abzeichnen (mit 136 toten GIs war der November zum blutigsten Monat des ganzen Irakabenteuers geworden), könnte wegen auslaufender Geduld der US-Bürger und der durch die mit bisher 225 Milliarden Dollar horrenden Kriegskosten eskalierenden Budgetkrise rasch ein massives Zurückstecken der Ziele samt Truppenabzug diskutiert werden. Im Streit mit weiteren Nationen der „Achse des Bösen“, Iran und Nordkorea, bleiben Bush durch den Irakkrieg militärisch die Hände gebunden.

    „Im Iraksumpf ist auch die Bush-Doktrin der Präventivkriege versunken“, sagt „Newsweek“-Autor Michael Hirsch. Trotz gelegentlicher martialischer Rhetorik neokonservativer Hardliner rund um Vize Dick Cheney wird auf Diplomatie gesetzt.

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    PLUS: Bill Clinton in NEWS über Bush, Kerry und Bin Laden

    21.12.2004 15:41