Dienstag, 21. Dezember 2004

Der Fischer wirft die Netze

Fischers Geheimnis: Wie der neue Bundespräsident das Jahr seines größten Karrieresprungs erlebte & warum er zum „Umfragekaiser“ aufstieg.
Wie der Präsident mit einer „Politik der Gefühle“ aufzeigen und es trotzdem schaffen will, nicht ins Parteien-Hickhack zu schlittern

Den 25. April wird Heinz Fischer, so sagt er selbst, „nie vergessen“. Er, der „ewige Nationalratspräsident“, den Freund und Feind eigentlich für viel zu fad für
einen Wahlkämpfer hielten, wusste spätestens, als Wiens Bürgermeister Michael Häupl um 17.00 Uhr mit den ersten Hauptstadt-Ergebnissen in der Wahlkampfzentrale eintraf, dass er den Job seines Lebens erreicht hatte.

Fischer, seit Bruno Kreisky immer treuester Diener des jeweiligen SP-Chefs, aber nie für die „Front“ vorgesehen, hatte erstmals in seinem Leben einen Wahlkampf als Spitzenkandidat hingelegt – und wie: Mit mehr als 51 Prozent der Stimmen holte er klarer als erwartet erstmals seit fast 20 Jahren (1986 hatte Kurt Waldheim Fischers Vorbild Rudolf Kirchschläger abgelöst) für die SPÖ das Amt des Bundespräsidenten.

Schwieriger Start. Nach einem erbitterten Wahlkampf – mit Untergriffen fast im Stil von US-Wahlkämpfen – dachte der neue Herr der Hofburg nun, dass er ab sofort seinen Plan, „nach den 51 Prozent, die mich gewählt haben, nun auch noch die anderen Österreicher zu überzeugen“, in die Tat umsetzen könnte. Der Tag der Angelobung rückt näher – Fischer feilt an seiner Rede vor der Bundesversammlung, stellt sein Kabinett zusammen, diskutiert mit Experten über die Tücken des Amts.
Und dann das „Unfassbare“: Vorgänger Thomas Klestil stirbt – alle Pläne vom Volksfest am Heldenplatz bis zur „offenen Hofburg“ sind Makulatur. Fischer „segelt gleich zu Beginn in tiefen Gewässern“. Und ist bis heute von der Witwe bis zu Politik und Kirche allen dankbar, dass sie mitgeholfen haben, diese schwierigen Tage mit Anstand zu bewältigen.

Nette-Leit-Show. Doch dann legt Fischer los: Zuerst werden hundert Wahlkampfversprechen in hundert Tagen umgesetzt – vom Verzicht auf die Dienstvilla bis hin zur Einhaltung des Versprechens, als Trauzeuge zu fungieren.

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PLUS: EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner über den Wahlsieger: „Fischer entstaubt Hofburg“
PLUS: Bundespräsident Heinz Fischer über das Jahr seines Wahlsiegs, Heeresskandal & ÖH

21.12.2004 17:08