Dienstag, 21. Dezember 2004

Österreichs Wirtschaft mit neuem Pleite- rekord: Mit 6.273 Insolvenzen neues Hoch

  • So viele Firmen wie noch nie in Insolvenz geschlittert
  • PLUS: Wirtschaft wächst im 3. Quartal um 2,7 Prozent

Trauriger Insolvenz-Rekord: Mit 6.273 Firmenpleiten wurde in Österreich heuer ein neuer Negativ-Rekord aufgestellt. Noch nie hat es in Österreich in der 2. Republik so viele Firmenzusammenbrüche gegeben, betonte Insolvenz-Spezialist Hans-Georg Kantner am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV). Das Jahr 2004 stelle für Österreich ein "Alltime-High" dar. 2005 sei mit keiner deutlichen Besserung zu rechnen. Mit insgesamt 5.613 Fällen hat auch die Zahl der Privatkonkurse einen Rekord erreicht.

m Detail kletterten die Firmenpleiten um 11,2 Prozent auf 6.273 Fälle. Besonders dramatisch gestiegen sind die mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge und zwar um 24,0 Prozent auf 3.331 Pleiten. Bei den eröffneten Verfahren gab es ein Plus um 0,5 Prozent auf 2.942 Insolvenzen, so Kantner. Die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten erhöhten sich im Jahresvergleich um 4,2 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro, die Zahl der betroffenen Dienstnehmer hingegen ging um 7,0 Prozent auf 21.300 Betroffene zurück. Dies bedeute, so Kantner, dass 2004 täglich 25 Firmen in die Pleiten geschlittert seien und davon 85 Arbeitsplätze betroffen waren.

Immer mehr Konkurse werden abgelehnt
Besonders dramatisch, so Kantner sei der kräftige Zuwachs bei den abgewiesenen Konkursen. Dabei handle es sich nach seiner Schätzung bei rund einem Drittel der mehr als 3.300 Fälle um betrügerische Krida, bei einem weiteren Drittel gebe es Unrechtmäßigkeiten bei der Liquidation. Für 2005 erwartet Kantner einen leichten Rückgang bei den eröffneten Verfahren, jedoch ein Gleichbleiben bei den mangels Masse abgewiesenen Konkursen.

Die Zahl der Privatkonkurse stieg 2004 um 25,9 Prozent auf 5.613 Fälle. Bei den eröffneten Verfahren gab es ein Plus um 24,8 Prozent auf 4.708 Pleiten, bei den mangels Masse abgewiesenen Konkursanträgen verzeichnete der KSV ein Plus um 32,1 Prozent auf 905 Fälle. Die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten stiegen um 20,9 Prozent auf 700 Mio. Euro. Für das kommende Jahr schätzt Kantner bei den Privaten einen Ansteig auf rund 6.000 Fälle. In Österreich gebe es derzeit rund 400.000 Menschen mit gravierenden Liquiditätsproblemen, davon gehen pro Jahr mittlerweile 5.500 in Konkurs.
(apa)

21.12.2004 17:14