Dienstag, 21. Dezember 2004

Österreichs Wirtschaft legt kräftig zu! BIP- Zuwachs von 2,7 Prozent im dritten Quartal

  • Verglichen mit dem Vorquartal ein Plus von 0,8 Prozent
  • Wachstumsimpulse dank hoher Exportnachfrage

Österreichs Wirtschaft ist auch im dritten Quartal 2004 kräftig gewachsen. Wie schon im zweiten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im abgelaufenen Vierteljahr gegenüber der Vorperiode saisonbereinigt um 0,8 Prozent. Im Jahresabstand stieg das reale BIP um 2,7 Prozent, nach plus 1,8 Prozent im zweiten Quartal, teilte das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) Dienstag mit. Wie es hieß, seien die Wachstumsimpulse nach wie vor von der regen Exportnachfrage gekommen.

Während die Konjunkturerholung im Euro-Raum im dritten Quartal mit einem BIP-Plus von 0,3 Prozent wieder an Kraft verlor, blieb die Entwicklung in Österreich dynamisch: Das um Saison- und Arbeitstagseffekte bereinigte reale BIP erhöhte sich gegenüber dem zweiten Quartal um 0,8 Prozent und damit ebenso stark wie in der Vorperiode.

Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich kumuliert für die ersten drei Quartale laut Wifo ein Wachstum von 1,8 Prozent, da das erste Quartal besonders schwach ausgefallen war. Für das Gesamtjahr 2004 rechnet das Wifo mit einem realen Wachstum von 1,9 Prozent, das Institut für Höhere Studien (IHS) prognostiziert einen BIP-Anstieg um 2,1 Prozent.

Wachstum dank Export
Im dritten Quartal ging die Dynamik abermals hauptsächlich von der Exportwirtschaft aus, aber auch die Investitionsnachfrage expandierte anhaltend. Wie das Wifo anmerkt, dürften hier auch fiskalische Maßnahmen unterstützend gewirkt haben. Der private Konsum erhöhte sich weiterhin mäßig, aber stärker als im Jahr zuvor. Auch der öffentliche Konsum entwickelte sich nur gedämpft.

Laut Wifo war auf der Entstehungsseite im dritten Quartal im Jahresvergleich der stärkste Zuwachs der realen Wertschöpfung in der Sachgütererzeugung (plus 4,2 Prozent), im Handel (plus 4,6 Prozent) - beide Sektoren profitierten von der starken Exportnachfrage - und im Bauwesen (plus 4,5 Prozent) zu beobachten. Im Dienstleistungsbereich hingegen blieb die Konjunktur noch schwach.

Private Nachfrage nur wenig gewachsen
Die Nachfrage der privaten Haushalte nach Konsumgütern wuchs im Vorjahresvergleich nur mäßig, real um 1,6 Prozent. Im gleichen Ausmaß nahm der öffentliche Konsum zu.

Nachdem die Investitionstätigkeit bereits 2003 lebhaft gewesen war, weitete die heimische Wirtschaft ihre Ausgaben für Ausrüstungsinvestitionen im dritten Quartal abermals deutlich aus. Dem Wifo zufolge ist unklar, wieweit dafür die Konjunkturbelebung oder die Verlängerung der Investitionszuwachsprämie bis Ende 2004 ausschlaggebend war. Im dritten Quartal sind die Ausrüstungsinvestitionen real gegenüber dem Vorjahr um 4,9 Prozent gestiegen. Sowohl die Nachfrage nach Investitionen in Maschinen und Elektrogeräte (plus 5,1 Prozent) als auch jene nach Fahrzeugen (plus 4,5 Prozent) expandierte deutlich.

Nach einem schwachen ersten Halbjahr erholten sich im dritten Quartal 2004 auch die Bauinvestitionen (real plus 2,6 Prozent). Die Dynamik, so das Wifo, sei aber ausschließlich vom Nichtwohnbau ausgegangen (plus 3,9 Prozent). Die Wohnbauinvestitionen (plus 0,1 Prozent) stagnierten dagegen im Vorjahresvergleich.

Auch die österreichische Wirtschaft profitierte von der kräftigen internationalen Nachfrage. Der Warenexport lag im dritten Quartal real um 12,4 Prozent über dem Vorjahr, seit Anfang 2004 ergab sich kumuliert ein Anstieg um 11,4 Prozent. Die Ausfuhr von Dienstleistungen stagnierte in realer Rechnung nahezu (plus 0,7 Prozent). Primär sei dies auf die ungünstige Entwicklung im Reiseverkehrsexport zurückzuführen (minus 0,4 Prozent). Der Anstieg der Gesamtausfuhr betrug im dritten Quartal 9,1 Prozent.

Zunehmend belebte sich seit Jahresanfang auch die Einfuhr. Dies sei weniger von der Konsumnachfrage ausgegangen als von der regen Investitionstätigkeit; zudem bedinge der kräftige Export auch eine Steigerung des Imports, so das Wifo. Die Wareneinfuhr wuchs im dritten. Quartal real um 8,1 Prozent, während der Dienstleistungsimport stagnierte (plus 0,2 Prozent). Sowohl der Reiseverkehrsimport (plus 0,5 Prozent) als auch der Import der übrigen Dienstleistungen (minus 0,2 Prozent) blieben im Wesentlichen auf Vorjahresniveau.
(apa/red)

21.12.2004 18:36