Auktion der Yukos-Tochter: Gazprom wird hinter Käufer Baikalfinansgroup vermutet
- "Tarnfirma zum Schutz vor juristischen Konsequenzen"
- Weiter rätseln über Käufer des Yukos-Förderbetriebs
·Yukos-Tochter für 7 Mrd. versteigert!
Käufer "Baikalfinansgroup" bisher völlig unbekannt
·Yukos erklärt sich zahlungsunfähig
Damit Verhinderung der Zwangsversteigerung?
Die russische Presse hat am Montag weiter über die Hintergründe der Zwangsversteigerung einer wichtigen Yukos-Tochter spekuliert. Der staatlich kontrollierte Gazprom-Konzern habe sich mit der bisher völlig unbekannten Baikalfinansgroup, die für rund 7 Mrd. Euro den Zuschlag für den Yukos-Förderbetrieb erhalten hatte, "eines Dritten bedient, um Yuganskneftegas zu kaufen", titelte die Tageszeitung "Iswestija".
Damit schütze sich der Gasriese vor der US-Justiz, die vergangene Woche wegen des in Texas laufenden Yukos-Konkursverfahrens einen Aufschub der Versteigerung verfügt hatte. Die russische "Gaseta" kommentierte, auch der Zorn der Yukos-Aktionäre, deren Konzern nun zerschlagen sei, solle auf eine fremde Tarnfirma gelenkt werden.
Bisheriger Eigentümer will klagen
Der bisherige Mehrheitseigner des russischen Ölkonzerns Yukos, die Finanzholding Menatep, will sich weiter gegen die Zerschlagung des Unternehmens wehren. Menatep verklagte den Käufer des zwangsversteigerten Yukos-Hauptförderbetriebs Yuganskneftegas, den bis dahin unbekannten Investor Baikalfinanzgruppe. Das teilte Menatep am Montag in Moskau mit, wie die Nachrichtenagentur Itar-Tass meldete. Menatep werte das Vorgehen gegen den mit Steuerschulden in Milliardenhöhe belasteten Yukos-Konzern als ungesetzlich, hieß es.
Gazprom habe lange nach einem Weg gesucht, Yuganskneftegas zu kaufen und möglichen juristischen Konsequenzen aus dem Weg zu gehen, schrieb die Zeitung "Wremija Nowostej". Die Baikal-Finanzgruppe sei erst am vergangenen Mittwoch angemeldet worden, berichtete das Blatt. Die bisher unbekannte Firma hatte bei der Auktion am Sonntag in Moskau überraschend für umgerechnet 7,03 Mrd. Euro den Zuschlag für gut drei Viertel der wichtigsten Yukos-Tochter erhalten. Spekulationen über Verbindungen zu Gazprom wies ein Sprecher des Gaskonzerns zurück.
Keine Informationen über den Käufer
Über die Identität des Käufers von Yuganskneftegas, dem Hauptförderbetrieb des russischen Ölunternehmens Yukos, herrschte in der russischen Öffentlichkeit am Montag weiterhin völlige Unklarheit. "Es gibt im Moment keine Informationen darüber, wer hinter der Baikalfinansgroup stehen könnte", teilten Analysten der Investmentgruppe UFG am Montag in Moskau mit.
Geld der Gazprom, Konkurrent oder fusionierter Betrieb
Die Tageszeitung "Iswestija" präsentierte ihren Lesern am Montag drei Varianten. Demnach habe die Baikalfinansgroup möglicherweise mit Geld des Gazprom-Konzerns geboten. Als Beleg dafür wurde die juristische Adresse der Baikalfinansgroup in der Stadt Twer erwähnt. Vor Ort sei kein Hinweis auf die Finanzgruppe zu finden, aber immerhin sei ein Geschäftspartner von Gazprom unter der Adresse gemeldet.
Als zweites wurde die Möglichkeit genannt, dass der Yukos-Konkurrent Surgutneftegas hinter dem Auktionsgewinner steht. Es sei in diesem Fall zu erwarten, dass Surgutneftegas später Yuganskneftegas an Gazprom verkaufe. Als wenig wahrscheinlich galt die These, das vorübergehend mit Yukos fusionierte Ölunternehmen Sibneft könne gemeinsam mit der chinesischen Ölindustrie mitgeboten haben. Immerhin ging bislang ein Großteil der Yukos-Ölexporte an China.
Andere Analysten bezeichneten die Gazprom-Variante als unwahrscheinlich, da ein Unternehmen nicht mit mehr als einem Bieter bei einer Auktion vertreten sein dürfe. Die Versteigerung wäre damit ungültig.
Kommt kein Geld, ist der Staat wieder Eigentümer
Das russische Justizministerium verwies auf die Möglichkeit einer Renationalisierung des wichtigsten Yukos-Förderbetriebs. Wenn der Auktionsgewinner sein Gebot nicht zahlen könne, gehe das Objekt an den Staat zurück, betonte der für die Hauptstadt Moskau zuständige Ministerialbeamte Alexander Buksman. Nach russischem Auktionsrecht muss der Sieger innerhalb von 14 Tagen zahlen. Die Baikalfinansgroup hat nach offiziellen Angaben die Bietergarantie von 1,3 Mrd. Euro gezahlt. (apa/red)
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