Montag, 20. Dezember 2004

Die Wall Street lief 2004 nur bescheiden: Für 2005 liegen ähnliche Prognosen vor

  • Es wird kein neuer Höhenflug wie im Jahr 2003 erwartet
  • Im kommenden Jahr selektivere Aktienauswahl

Die Wall Street hat 2004 nur relativ bescheidene Kursgewinne verbucht. Das abgelaufene Börsenjahr hat angesichts des aufregenden politischen und wirtschaftlichen Umfelds keinen neuen Höhenflug wie im Vorjahr gebracht. 2005 dürfte nach Ansicht der meisten Experten ähnlich laufen, doch müsse man bei der Aktienauswahl noch selektiver vorgehen.

Der Dow-Jones-Index mit seinen 30 Großkonzern-Werten musste sich seit Jahresbeginn mit einem bescheidenen Gewinn von 1,87 Prozent begnügen und notiert momentan bei 10.649,92 Punkten. Der breiter gefasste Standard & Poor's-500-Index, der die Kursentwicklung der 500 wichtigsten US-Unternehmen widerspiegelt, hat um 7,40 Prozent auf 1.194,20 Punkte zugelegt. Der technologielastige NASDAQ-Index ist auf 2135,20 Punkte gestiegen oder um 6,58 Prozent.

Der Dow und der S&P-500-Index waren aber 2003 jeweils um mehr als 25 Prozent und der NASDAQ-Index sogar um 50 Prozent in die Höhe geschossen. Die Hausse hat sich somit stark abgeschwächt.

Rohstoff-Unternehmen mit starken Gewinnen
Hinter dem nur noch bescheidenen Aufwärtstrend der führenden US-Börsenbarometer verbargen sich 2004 stark unterschiedliche Entwicklungen. Angesichts der weltweiten Rohstoffhausse waren die Aktien der Bergwerksunternehmen um 93 Prozent und die Stahlaktien um 67 Prozent in die Höhe geschossen. Die Kurse von Mineralölfirmen stiegen um 28 Prozent und der Kohleanbieter um 57 Prozent.

Pharma-Aktien stark unter Druck
Halbleiterwerte verloren im Schnitt 24 Prozent an Wert, während sich Computeraktien um etwa 15 Prozent festigten. Pharmaaktien standen angesichts der Vioxx- und Celebrex-Debakel bei Merck und Pfizer und wegen anderer Probleme unter Druck. Sie verloren im Schnitt zwölf Prozent an Wert. Aktien kleinerer Gesellschaften glänzten mit durchschnittlichen Kursgewinnen von rund 20 Prozent.

Viele Gründe für bescheidenen Verlauf
Steigende US-Zinsen, der Höhenflug der Ölpreise, der Dollar- Kursverfall, die monumentalen Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite in den USA, die Irak-Probleme und die US-Präsidentschaftswahlen hatten das Geschehen an der Wall Street überschattet und drückten zeitweise die Kauflust der Anleger.

Gut aufgenommen wurde der erneut starke Anstieg der amerikanischen Unternehmensgewinne. Das solide US-Wirtschaftswachstum, zahlreiche Dividendenerhöhungen und die vielen Börsengänge von Erfolgsunternehmen wie der Internetsuchmaschinen-Firma Google waren ebenfalls positive Börsenfaktoren. Die Wall Street belohnte den Wahlsieg von George W. Bush mit einer kräftigen Jahresende-Hausse.

Dow Jones wird im nächsten Jahr um 6,8 Prozent steigen
67 von "Business Week" befragte Marktstrategen gehen für 2005 für den Dow im Schnitt von einem Gewinn von 6,8 Prozent und einem Jahresschluss von 11.263 Punkten aus. Der S&P-500-Index dürfte ebenso stark zulegen, während sie beim NASDAQ-Index im Schnitt auf einen Anstieg auf 2264 Punkte tippen, plus 5,3 Prozent. Das US- Wirtschaftswachstum dürfte 2005 rund 3,5 Prozent erreichen, und die operativen Gewinne der Unternehmen um 6,7 Prozent steigen. Die Leitzinsen dürften von der Notenbank von derzeit 2,25 Prozent weiter auf etwa 3,5 Prozent angehoben werden. Die Arbeitslosenrate dürfte Ende 2005 bei 5,1 Prozent liegen. (apa)

20.12.2004 09:40