Dienstag, 21. Dezember 2004

Slalom-Krimi in Flachau: Italiener Rocca schnappt Schönfelder Sieg vor Nase weg

  • ÖSV-Team stark, Überraschung durch Alois Vogl
  • PLUS: Alle Infos zur Ski-Weltcup-Saison 2004/2005!

Giorgio Rocca hat am Mittwoch in Flachau das letzte vorweihnachtliche Weltcup-Rennen gewonnen, der 29-jährige Italiener feierte im Flachau-Slalom den vierten Erfolg seiner Weltcup-Karriere. Der zweitplatzierte Slalom-Weltcup-Sieger Rainer Schönfelder führte als Zweiter die mannschaftlich starke ÖSV-Truppe an, Dritter wurde völlig überraschend der Deutsche Alois Vogl. der den Aufwärtstrend der deutschen Herren fortsetzte und erstmals in seiner Weltcup-Laufbahn auf dem Podest landete.

Österreichs Slalom-Truppe präsentierte sich im dritten Saison-Bewerb vor neuerlich 15.000 Zuschauern mannschaftlich top. Mit Schönfelder (2.), Mario Matt (5.), Benjamin Raich (6.) - der Pitztaler verteidigte das "Rote Trikot" des Slalom-Weltcup-Leaders erfolgreich -, Kurt Engl (8.) und Manfred Pranger (11.) schafften gleich fünf ÖSV-ler den Sprung ins Spitzenfeld. Gesamt-Weltcup-Leader Bode Miller (USA) stürzte im ersten Durchgang nach toller Zwischenzeit und wurde nur 65. und Letzter, damit verkürzte der erste Verfolger Raich den Rückstand auf Miller auf 310 Punkte.

"Ich habe mir heute das schönste Weihnachtsgeschenk selbst gemacht"; strahlte Rocca, dem sein erster Sieg auf österreichischem Schnee ganz besonders viel bedeutet. "In Österreich zu gewinnen ist das Größte, denn hier hat Skifahren den selben Stellenwert wie Fußball in Italien", so der Mann aus Livigno, der dafür sorgte, dass der ÖSV Flachau ohne vollen Erfolg verließ.

Schönfelder verspielt Halbzeitführung
Um 0,24 Sekunden verpasste der Kärntner Schönfelder seinen ersten Saisonerfolg, trotz Führung nach dem ersten Durchgang. "Leider ist es sich heute nicht ganz ausgegangen. Aber es war ein Wahnsinn, bei diesen Bedingungen und bei diesem Publikum Ski zu fahren", freute sich Schönfelder trotz der aus der Hand gegeben Halbzeitführung. Leichte Materialprobleme haben beim Kampf um den Sieg ebenfalls mitgespielt.

"Ich hab im ersten Durchgang den Ski kaputt gemacht und musste ihn wechseln. Deshalb war ich im oberen Teil des zweiten Durchgangs zu verhalten." Die Laune ließ sich "Schöni" kurz vor dem Weihnachtsfest keinesfalls verderben, am Abend stand in Murau eine Weihnachtsfeier mit ehemaligen Stams-Kollegen (u.a. mit Reinhard Schwarzenberger) auf dem Programm. "Da werde ich das heute im Rennen verpasste i-Tüpfelchen nachholen."

Matt im Aufwind
Die beste Saisonplatzierung fuhr der Tiroler Matt ein, der in Flachau auf einen neuen Fischer-Ski vertraut hat. "Der Aufbau des Skis war neu. Die Leistung war o.k., ich habe voll attackiert", meinte der Flirscher Ex-Weltmeister, der sich langsam Richtung WM in Bormio arbeitet. Benni Raich ließ Rang vier im Riesentorlauf Rang sechs im Slalom folgen und sammelte so wichtige Zähler. "Zufrieden bin aber trotzdem nicht ganz, ich hatte heute meine Probleme."

Einen "Husarenritt mit einem Hackler" legte der Salzburger Kurt Engl im zweiten Durchgang hin. "Momentan mache ich in jedem Lauf einen Fehler. Wenn ich das abstellen kann, ist noch mehr drinnen", weiß Engl. Nicht zur tollen Form der vergangenen Saison findet Manfred Pranger; "Im Moment will es nicht sein. Ich habe alles riskiert und alles verloren", so der enttäuschte Tiroler.

Jubeln durften hingegen wieder die Deutschen mit ihren österreichischen Chefs Werner Margreiter und Sepp Hanser (Technik). Der drittplatzierte Vogl, der vor zwei Jahren aus dem deutschen Kader geflogen war, wurde vom ausgeschiedenen Teamkollegen Felix Neureuther auf den Schultern durch den Zielraum getragen und war überglücklich: "Ich war vor diesem Rennen wahnsinnig nervös. Denn ich wusste, dass es eisig ist und dass heute einiges möglich ist. Auf dem Podest zu stehen, ist ein Gefühl, an das man sich gewonnen könnte." (apa)

Endstand des Weltcup-Slaloms in Flachau:

1.Giorgio RoccaITA1:34,86
2.Rainer SchönfelderAUT1:35,10+0,24
3.Alois VoglGER1:35,17+0,31
4.Mitja DragsicSLO1:35,36+0,50
5.Mario MattAUT1:35,39+0,53
6.Benjamin RaichAUT1:36,05+1,19
7.Ivica KostelicCRO1:36,08+1,22
8.Kurt EnglAUT1:36,11+1,25
9.Truls Ove KarlsenNOR1:36,29+1,43
10.Akira SasakiJPN1:36,30+1,44
11.Manfred PrangerAUT1:36,34+1,48
12.Thomas GrandiCAN1:36,43+1,57
13.Lucas SenonerITA1:36,54+1,68
14.Daniel AlbrechtSUI1:36,71+1,85
15.Johan BroleniusSWE1:36,73+1,87
16.Ryan SempleCAN1:36,83+1,97
17.Giancarlo BergamelliITA1:36,85+1,99
18.Jure KosirSLO1:36,86+2,00
19.Patrick ThalerITA1:36,93+2,07
20.Jean-Pierre VidalFRA1:37,21+2,35
21.Pierrick BourgeatFRA1:37,27+2,41
22.Michael JanykCAN1:37,32+2,46
23.Tom StiansenNOR1:37,42+2,56
24.Rishu OkadaJPN1:37,78+2,92
25.Michael WalchhoferAUT1:37,90+3,04
26.Kjetil JansrudNOR1:38,04+3,18
27.Aksel Lund SvindalNOR1:38,53+3,67


Im 2. Durchgang ausgeschieden: Kalle Palander (FIN), Hans-Petter Buraas (NOR), Martin Marinac (AUT)
Nicht für den 2. Durchgang qualifiziert u. a.: 33. Reinfried Herbst, 36. Kilian Albrecht (beide AUT) - 65. Bode Miller (USA)

Im 1. Durchgang ausgeschieden u.a.: Manfred Mölgg (ITA), Felix Neureuther (GER)
Nach dem 1. Durchgang disqualifiziert: Naoki Yuasa (JPN), Patrick Bechter (AUT)

21.12.2004 16:00