Freitag, 24. Dezember 2004

Fußball-Teamchef Krankl selbstkritisch:
"Ich habe mich ununterbrochen korrigiert"

  • Krankl bedauert österreichische Legionärs-Situation
  • "Ich kann mit den Vereinen nicht schimpfen"

ÖFB-Teamchef Hans Krankl nahm in einem Interview mit Schwerpunkt österreichischer Fußball, aber auch über andere grundsätzliche Schwächen (sogar eigene) Stellung. So gab er z.B. zu, sich bei seinen zahlreichen Teamberufungen - zunächst meist Junge und/oder Neue, später auch wieder Routiniers wie Vastic und Kühbauer ("der ist genauso stur wie ich") - "ununterbrochen korrigiert" zu haben. Und als Trainer komme er nicht wie als Spieler in die Weltspitze, "kein Mensch wartet auf Krankl", sagt er.

Im Sommer 2006 befinde er sich wahrscheinlich in Italien, die WM-Endrunde 2006 hätte er fast vergessen, aber zu den Spielen könne man anreisen, erklärte Krankl dem "Standard" (Freitag-Ausgabe). Als Trainer mit der österreichischen Nationalmannschaft dorthin zu kommen, wäre wünschenswert, aber nicht realistisch, auch wenn noch eine kleine Qualifikationsmöglichkeit bestünde. Was die EM-Endrunde 2008 in Österreich/Schweiz betreffe, so hätte er keine Ahnung, ob er dann noch Teamchef sei. "Dass ich es gerne wäre, habe ich schon oft dokumentiert. Der Job liegt mir am Herzen. Dass etwas weitergegangen ist, müssen auch die Kritiker einsehen", so Krankl. Er wisse, dass sich manche Menschen einen anderen Teamchef vorstellen könnten.

Dass die wenigen namhaften österreichischen Legionäre in ihren Vereinen kaum zum Zug kommen, bedauert der Teamchef, aber "das sind Probleme, mit denen ein österreichischer Teamchef fertig werden muss". Dass er sich auch nach schwächeren Leistungen immer hinter sein Team stelle, erklärt der bald 52-Jährige damit, dass "mein Verein, meine Mannschaft meine Familie sind" und über diese lasse er nichts kommen. Alle Probleme müssten intern geklärt werden. Das wäre seine absolute Stärke. Wenn er auch noch nicht Meister gewesen sei, eines habe er überall erreicht: Ein Gefühl der Stärke. Auch Kritik vertrage er, aber nur wenn sie berechtigt sei.

"Ich kann mit den Vereinen nicht schimpfen"
Seine Entscheidung, den blutjungen Andreas Ivanschitz zum Teamkapitän zu machen, verteidigt der Teamchef, eine Einbürgerung von Steffen Hofmann würde er begrüßen ("aber für ihn als Deutschen ist das eine schwierige Entscheidung"). Wenn man in Österreich etwas wolle, schreien alle gleich Nein, "aber ich kann mit den Vereinen nicht schimpfen, sonst zerstöre ich mir sämtlich Kontakte". Als Trainer komme er nicht wie als Spieler in die Weltspitze, "kein Mensch wartet auf Krankl". Fährt aber dennoch der Auslands-Zug vorbei, springe er auf.

Vielleicht das einzige offene Kapitel ist Rapid. "Das werde ich erledigen, egal in welcher Position. Als Jugendtrainer, Trainer der ersten Mannschaft, als Manager, Sportdirektor, Präsident. Oder als Zeugwart", so der Erz-Grün-Weiße, der sich als typischer Österreicher und Wiener fühlt. "Die einzige schlechte Wiener Eigenschaft, die ich übernommen habe, ist das Raunzen, ich schwelge in Selbstmitleid, wenn etwas schief geht. Dafür habe ich aber null Neid, ich bin nicht hinterlistig, sondern ein Gerader", charakterisiert sich der einstige Goleador. (apa)

24.12.2004 11:57