"Koubek geschieht unrecht": Heimischer Dopingfahnder verteidigt den Tennisspieler
- Koubek sollte ursprünglich zwei Jahre gesperrt werden
- PLUS: Die Reaktionen der Tennisszene zum Dopingfall
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Nach einer siebenstündigen Sitzung beim Hearing des Internationalen Tennisverbandes in London am vergangenen Dienstag lautete der Schlussantrag des Tribunals: "Zwei Jahre Sperre für Stefan Koubek." Der Kärntner, der am 2. Jänner 28 Jahre alt wird, hat es hauptsächlich dem Einsatz des bekanntesten Dopingfahnders in Österreich, Dr. Karl-Heinz Demel, zu verdanken, dass es "nur" zu einer dreimonatigen Sperre kam. Aber auch diese will Koubek anfechten, der Vorsitzende des Anti-Doping-Comites wird ihm dabei mit aller Kraft zur Seite stehen.
"Ich war 35 Jahre Richter und ich will Gerechtigkeit. Wenn einer was ausgefressen hat, dann soll er auch bestraft werden. Aber Koubek geschieht unrecht", stellte sich der 67-jährige Demel am Donnerstag im Gespräch mit der APA auf die Seite des ÖTV-Daviscuppers.
Demel war mit Koubek als dessen Verteidiger in London und wird ihm auch im weiteren Verfahren als Rechtsbeistand zur Verfügung stehen. Der behandelnde Arzt, der Koubek Mitte Mai mit dem Kortison-Präparat Volon am rechten Handgelenk behandelt hat, hat einen Formalfehler gemacht. Er verfügte möglicherweise auch nicht über die aktualisierte Liste verbotener Substanzen. Dr. Martin Leixnering versicherte Koubek, dass dieses Präparat (samt dem erst seit 2004 verbotenen Inhaltstoff Triamcinolon-Acetonid), unbedenklich sei. Koubek verließ sich auf den Rat eines aktiven Mitglieds des Sportärzteverbands.
Die Substanz, die zu den Glukocortikosteroiden zählt, ist ein entzündungshemmendes Mittel. Dr. Leixnering hätte die Behandlung zu therapeutischen Zwecken nur melden müssen, dann wäre der Fall nie zum Doping-Fall geworden.
Der Dopingfahnder hat auch bereits einen Bericht an das Bundeskanzleramt sowie den Staatssekretär geschickt und wird außerdem ÖEHV-Präsident Dieter Kalt kontaktieren. Leixnering ist für eine tragende ärztliche Rolle im Zuge der Eishockey-Weltmeisterschaft (30. April-15. Mai) in Wien und Innsbruck vorgesehen, wovon Demel dem ÖEHV-Präsident abraten wird. Außerdem wird Demel auch in Sachen Schadenersatzansprüche und Rufschädigung für Koubek tätig werden.
"Man will offenbar ein Exempel statuieren"
Für Koubek-Betreuer Günter Bresnik war von vorweihnachtlichem Frieden nichts zu spüren. "Ich habe seit gestern 18 Stunden lang nur herum gestritten, hab bis Mitternacht mit den USA telefoniert. Das ist ein Verfahrensfehler, der nach Schema F abgewickelt wurde. Man will offenbar ein Exempel statuieren", meinte Bresnik, der sich voll hinter seinen Schützling stellt. "Der Stefan hat sicher schon 100 Dopingproben abgegeben und war nicht einmal in der Nähe von irgendwas."
Auch die Vorgeschichte war alles andere als gentlemanlike: Dass der in London ansässige internationale Verband die Einladung zum Doping-Hearing dem Spieler ausgerechnet am Vortag des Daviscup-Duells Österreich-England zukommen ließ, lässt andere Zusammenhänge erahnen. "Ich habe Kapitän Thomas Muster damals auch darüber informiert", so Bresnik.
Das Koubek-Lager war aber davon ausgegangen, dass die Angelegenheit mit dem Hearing abgeschlossen sei. Doch Koubek fiel aus allen Wolken als er vor dem Tribunal saß. Und auf Grund der Ansetzung so kurz vor Weihnachten ist auch eine mögliche Einstweilige Verfügung erst ab Mitte Jänner möglich, weil die schriftliche Zustellung abgewartet werden muss.
Das Regulativ sieht übrigens auch vor, dass die Punkte jenes Turniers aus der Wertung genommen werden, bei dem die Dopingprobe genommen wurde. Da dies bei den French Open passiert ist, fallen dem Kärntner die Punkte für den Drittrundeneinzug weg. (apa/red)
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