Sonntag, 26. Dezember 2004

Verdacht bestätigte sich jetzt: Jugend-bande verübte Bus-Massaker in Honduras

  • 23-jähriges Mitglied einer "Mara" hat nun gestanden
  • Problem mit Jugendbanden weitet sich immer mehr aus

In Honduras hat sich der Verdacht der Behörden bestätigt, dass hinter dem Bus-Massaker vom Donnerstag mafia -ähnliche Jugendbanden, die sogenannten Maras, stehen. Nach Angaben eines Polizeisprechers vom Samstag hat ein 23-jähriges Mara-Mitglied gestanden, an dem blutigen Anschlag am Donnerstag auf den Bus beteiligt gewesen zu sein, bei dem 28 Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden waren.

Alexis Ramirez sei kurz nach dem Angriff in Chamelecon rund 230 Kilometer nördlich der Hauptstadt Tegucigalpa in einem mit Munitionshülsen übersäten Wagen festgenommen worden. Er habe zugegeben, der Bandenvereinigung Mara Salvatrucha anzugehören, sagte der Sprecher weiter, der ungenannt bleiben wollte. Der Anschlag sei eine Antwort auf die scharfen Gesetze von Präsident Ricardo Maduro zum Kampf gegen die bewaffneten Jugendbanden gewesen. Dabei sei es aber auch um einen Wettkampf mit einer zweiten Gang namens Mara 18 gegangen, wer die größte Zahl von Anschlägen verüben könne.

Jugendbanden kontrollieren bereits einige Landstriche
Bei den Maras handelt es sich um straff organisierte kriminelle Jugendbanden, die bereits die Kontrolle über weite städtische und ländliche Bereiche übernommen haben. Die Mafia-ähnlichen Gangs sind ein wachsendes Problem in Honduras. Präsident Maduro, dessen Sohn von einer Jugendbande entführt und ermordet worden war, war Anfang 2002 mit dem Versprechen angetreten, dem zunehmenden Bandenkrieg in Honduras den Kampf anzusagen.

Die Angreifer hatten den Linienbus am Donnerstagabend mitten in Chamelecon zum Anhalten gezwungen und mit Sturmgewehren das Feuer auf die wehrlosen Insassen eröffnet. Am Tatort hinterließen sie einen Brief, in dem sie Maduro und andere Amtsträger, die mit dem Kampf der Regierung gegen das organisierte Verbrechen befasst sind, mit dem Tode bedrohten. Unterzeichnet war das Schreiben im Namen einer linksgerichteten Guerillagruppe, die vor allem in den 70er und 80er Jahren aktiv war. Doch von Anfang an glaubten weder die Ermittler noch die Regierung an deren Urheberschaft. (apa)

26.12.2004 21:25