Samstag, 25. Dezember 2004

Aus Sicherheitsgründen: Keine Mitternachtsmetten in irakischen Kirchen

  • Die Christen gehen nachts kaum aus dem Haus
  • Christtag: Auch nur spärlicher Besuch der Gotteshäuser

In Bagdad und anderen irakischen Städten haben keine Mitternachtsmetten in den Kirchen stattgefunden. Das meldete die Kathpress am Samstag. Angehörige der christlichen Minderheit im Irak vermeiden es aus Sicherheitsgründen, nach Einbruch der Dunkelheit kaum ihre Häuser verlassen.

Der chaldäisch-katholische Weihbischof Shlemon Warduni zeichnete im Gespräch mit Radio Vatikan ein düsteres Bild der Lage im Irak: "Es gibt keinen Frieden, keine Sicherheit. Wir sind alle in Gefahr. Deshalb beten wir um Frieden, um Sicherheit für unsere Kinder, wir sagen nein zu Feindschaft und Terrorismus. Wir hoffen auf die Wahlen und auf die Unterstützung des Papstes, der uns Mut gibt, indem er sich für Frieden und Menschenrechte in unserem Land einsetzt."

Unlängst hatte die "Gesellschaft für bedrohte Völker" (GfbV) wegen der ständig bedrohlicheren Lage für die Christen im Mittel- und Südirak Alarm geschlagen. Es sei davon auszugehen, dass rund 700.000 Christen von Flucht und Vertreibung bedroht seien, unabhängig davon, ob sie sich als irakische Araber fühlten oder für die assyrisch-christliche Nationalbewegung einträten, erklärte GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch. Ebenso gefährdet seien die noch rund 50.000 Mandäer im Südirak, eine konfessionelle Sondergruppe, die sich auf Johannes den Täufer zurückführt. Mehr als 25 Kirchen im Irak sind nach Angaben Zülchs seit der Invasion der von den USA geführten Truppen gezielt angegriffen und zerstört worden.

Die Christmetten im Irak wurden teilweise vom Heiligen Abend auf den Christtag verschoben worden. Doch auch am Samstag kamen nur wenige Gläubige wegen der kritischen Sicherheitslage im Land in die Kirchen.

Angst vor Angriffen trotz Schutz der US-Truppen
"Ich wollte in die Kirche gehen, die für mich praktisch um die Ecke liegt", meinte eine Pensionistin in Um Bashar am Samstag, "aber als ich dort amerikanische Soldaten sah, bekam ich Angst, dass die Kirche angegriffen werden könnte." Der 40-jährige Arzt Bassem Korchis hat schon vor längerer Zeit mit seiner Familie entschieden, "zu Weihnachten zu Hause zu beten und uns von öffentlichen Plätzen fern zu halten".

Insgesamt leben schätzungsweise 750.000 Christen im Irak. Die größte Gruppe davon bilden die assyrischen Chaldäer. (apa)

25.12.2004 13:47