Samstag, 25. Dezember 2004

Anschlag mit Tankwagen in Bagdad:
Neun Todesopfer und 14 Verletzte

  • Selbstmordattentat mitten im Diplomatenviertel Mansur
  • Drei Iraker bei Autobombenexplosion getötet

Bei einem Selbstmordanschlag mit einem Tanklaster im Westen von Bagdad sind mindestens neun Menschen getötet worden. 14 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Der mit Butangas gefüllte Lastwagen flog am Freitagabend mitten im Diplomatenviertel Mansur in die Luft. Nach Angaben der Polizei wurde der Sprengsatz vom Fahrer gezündet. Der Anschlag ereignete sich nur wenige Stunden, nachdem US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Bagdad besucht hatte.

Seinen zwölfstündigen Aufenthalt im Irak am Heiligen Abend widmete Rumsfeld in erster Linie den US-Soldaten auf dem Stützpunkt Mares bei Mosul, auf den am Dienstag ein schwerer Anschlag mit 22 Toten verübt worden war. Vor den Soldaten gab sich Rumsfeld zuversichtlich, dass die Lage im Irak schon in absehbarer Zukunft stabilisiert werden könne.

Bei einem Besuch in Falluja erinnerte Rumsfeld daran, dass im Irak die Freiheit verwirklicht werden müsse. In der Rebellenhochburg, in der die US-Truppen im vergangenen Monat eine Großoffensive starteten, war die Lage bei Rumfelds Besuch weitgehend ruhig. Noch am Donnerstag waren dort neue Kämpfe ausgebrochen - gerade als die ersten Einwohner in ihre zerstörte Stadt zurückkehrten. Nach weiteren Abstechern zu den US-Truppen in Tikrit und Bagdad reiste Rumsfeld in die USA zurück.

Am Samstag kamen bei der Explosion einer Autobombe in der südirakischen Stadt Ein al-Nus drei Iraker ums Leben. Zwei weitere wurden verletzt, wie die Polizei mitteilte. Ziel des Anschlags war offenbar ein US-Militärkonvoi, der durch die Stadt fuhr.

Der Gouverneur der Provinz Diyala entging ebenfalls am Samstag nur knapp einem Bombenanschlag, vier seiner Leibwächter wurden verletzt. Gouverneur Abdullah Rashid al-Jburi war mit seinem Auto von Bakuba nach Bagdad unterwegs, als ein an der Straße versteckter Sprengsatz explodierte.

Wegen der anhaltenden Gewalt wagten sich am ersten Weihnachtstag nur wenige irakische Christen zum Gottesdienst. Bereits vorab hatten Vertreter der christlichen Minderheit angekündigt, dass die traditionelle Messe in diesem Jahr ausfallen und durch ein kurzes Morgengebet ersetzt werde. Mehrere irakische Kirchen waren in diesem Jahr Ziel von Anschlägen geworden. Die schwerste Bombenserie im August kostete zwölf Menschen das Leben.

Die US-Armee nahm nach eigenen Angaben zwei Verdächtige mit Verbindungen zu dem gesuchten Extremistenführer Abu Musab al-Zarqawi fest. Zwei ranghohe Mitglieder einer "Terrorgruppe", die nach eigenen Angaben zu Zarqawis Netzwerk gehöre, seien in Ramadi festgenommen worden, erklärte ein Armeesprecher am Samstag in Bagdad. Die US-Arme wirft der Gruppe vor, elf irakische Nationalgardisten ermordet und mehrere Bombenanschläge verübt zu haben. Zudem soll sie ausländische Kämpfer ins Land geschleust haben.

Ein prominenter türkischer Reeder wurde allem Anschein nach im Irak als Geisel genommen. Türkische Fernsehsender zeigten am Samstag eine Videoaufnahme von Kahraman Sadikoglu und einem Schiffskapitän, dessen Name nur mit Ahmet angegeben wurde. Sadikoglu datierte die Aufnahme selbst auf den 23. Dezember und erklärte, er und sein Kapitän seien vor vier oder fünf Tagen gekidnappt worden. Sie würden von ihren Entführern gut behandelt und hofften auf eine baldige Freilassung. Die Behörden in Ankara äußerten die Vermutung, dass die beiden Männer am 16. Dezember nahe der südirakischen Stadt Basra verschleppt wurden.

(apa)

25.12.2004 20:02