Weihnachtswünsche für die Truppe: Rumsfeld bei US-Truppen in Mossul!
- Besuch bei Soldaten, die bei Anschlag verletzt wurden
- Keine internationalen Beobachter bei Wahl im Jänner?
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat am Freitag überraschend amerikanische Truppen im Irak besucht. Die Visite am Heiligen Abend führte ihn nach Mossul, wo drei Tage zuvor bei einem verheerenden Anschlag in einem US-Camp 22 Soldaten und Vertragsarbeiter getötet worden waren, sowie nach Tikrit und Falluja. Die "New York Times" berichtete unterdessen, dass die am 30. Jänner geplanten ersten freien Wahlen im Irak wegen der extremen Sicherheitslage möglicherweise ohne internationale Beobachter stattfinden werden.
In Mossul traf Rumsfeld auch Soldaten, die bei dem Attentat am Dienstag verletzt worden waren. Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen hatte sich der Attentäter, der sich zur Mittagszeit in einem voll besetzten Kantinenzelt in die Luft sprengte, mit hoher Wahrscheinlichkeit als irakischer Nationalgardist getarnt. Nach US-Medienberichten wollte der Minister mit seinem Weihnachtsbesuch die Moral der Truppe stärken. In Tikrit sagt er vor den angetretenen Soldaten: "Ihre Aufgabe ist es nicht, ein Land zu kreieren, sondern ein Umfeld zu schaffen, so dass sie (die Iraker) es selbst tun können."
Rumsfeld war zuletzt wegen unsensibler Äußerungen gegenüber Soldaten, die sich über eine unzureichende Ausrüstung beim Irak- Einsatz beschwerten, sogar bei republikanischen Parteifreunden in die Kritik geraten. US-Präsident George W. Bush stellte aber klar, dass er weiter zu seinem Verteidigungsminister steht.
Wahlen ohne internationale Beobachter?
Wegen der hohen Gefährdung von Ausländern werden zu den Wahlen im Jänner möglicherweise keine internationalen Wahlbeobachter in den Irak kommen. Wie die "New York Times" am Donnerstag berichtete, erwägt die kanadische Wahlbehörde, die die ausländischen Beobachter koordiniert, diese von der jordanischen Hauptstadt Amman aus arbeiten zu lassen. Carina Perelli, die Leiterin der Wahlabteilung bei den Vereinten Nationen, sagte der Zeitung, sie könne lediglich "inständig darum bitten", dass ausländische Wahlbeobachter entsandt werden.
Am 30. Jänner sollen erstmals ein 275-sitziges Übergangsparlament, 18 Provinzräte sowie ein Regionalparlament für die drei kurdischen Nordprovinzen gewählt werden. Die unabhängige Wahlkommission wolle insgesamt 200.000 irakische Wahlhelfer in 6500 Wahllokalen einsetzen und vorher entsprechend schulen, sagte ein Mitglied der Kommission am Freitag in Bagdad.
Wieder Entführungen und tödliche Anschläge
Im Nordirak wurden Freitag Früh drei kurdische Wasserbauingenieure und ein kurdischer Arbeiter aus Kirkuk von Unbekannten entführt. Sie hatten sich auf der Fahrt von Kirkuk nach Bagdad befunden, wie ein Funktionär der Kurden-Partei PUK (Patriotische Union Kurdistans) in Kirkuk bestätigte. Drei US- Marineinfanteristen kamen am Donnerstag bei Einsätzen in der sunnitischen Aufstandsprovinz Anbar ums Leben, teilte das US- Militärkommando am Freitag in Bagdad mit.
Aufständische griffen am Freitag Augenzeugen zufolge zwei Polizeiwachen bei Bakuba nordöstlich der Hauptstadt Bagdad mit Granaten an. Berichte über Verletzte lagen zunächst nicht vor. Die beiden Wachen waren von US-Soldaten gesichert. Bakuba gilt als Widerstandshochburg gegen die US-Truppen.
Kein Ende der Kämpfe in Falluja
Anhaltende Kämpfe erschwerten unterdessen die Rückkehr von Einwohnern nach Falluja. Freitag Früh waren Explosionen aus der Richtung der Stadt zu hören, Rauchwolken stiegen auf. Mehrere der 25 an einer Kontrollstelle wartenden Autos mit Rückkehrwilligen kehrten daraufhin um und entschieden sich gegen die Heimkehr. Die US-Armee hatte am 8. November eine Großoffensive auf die sunnitische Widerstandshochburg begonnen, die meisten der 300.000 Bewohner flohen aus der Stadt. Am Donnerstag hatten die irakische Regierung und die US-Armee den ersten Bewohnern des südwestlichen Stadtteils al-Andalus die Rückkehr erlaubt. 900 Menschen machten am ersten Tag von dem Angebot Gebrauch.
Die Stadt ist durch die wochenlangen Kämpfe in weiten Teilen schwer zerstört, ein Wiederaufbau wird nach Einschätzung eines US-Offiziers Jahre dauern. Die irakische Regierung hatte am Montag allen nach Falluja heimkehrenden Familien eine Soforthilfe von umgerechnet 100 Dollar (74 Euro) zugesagt und für Eigentumsverlust jeweils weitere 10.000 Dollar in Aussicht gestellt.
(apa/red)
