Wegen Hochverrat angeklagt: Der "Kalif von Köln" steht in der Türkei vor Gericht
- Kaplan soll 1998 Sprengstoffanschlag geplant haben
- Deutsche Anwältin äußert Zweifel an Rechtsstaatlichkeit
Gut zwei Monate nach seiner Abschiebung aus Deutschland muss sich der Islamistenführer Metin Kaplan in der Türkei vor Gericht verantworten. Der selbst ernannte "Kalif von Köln" ist wegen Hochverrats angeklagt, ihm droht eine lebenslange Haftstrafe. Kaplan soll im Oktober 1998 einen Sprengstoffanschlag auf das Mausoleum von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk in Ankara geplant haben.
Der Islamistenführer wurde nach jahrelangem Rechtsstreit Mitte Oktober in die Türkei abgeschoben. Nur wenige Stunden zuvor hatte das Verwaltungsgericht Köln entschieden, Kaplan könne trotz eines noch laufenden Revisionsverfahrens beim deutschen Bundesverwaltungsgericht den türkischen Behörden überstellt werden. Kaplan war der Kopf des inzwischen vom Innenministerium verbotenen radikalislamischen "Kalifatstaats". Er saß in Deutschland eine vierjährige Haftstrafe wegen Aufrufs zum Mord an einem Konkurrenten ab.
Der "Kalif" leidet an Prostatakrebs
Die deutsche Anwältin des Islamistenführers Kaplan hat unterdessen Zweifel an der Rechtstaatlichkeit des Verfahrens gegen ihren Mandanten in der Türkei geäußert. "Wir wissen seit Jahren, dass in der Türkei gefoltert wird", sagte Ingeborg Naumann kurz vor Beginn des Terror-Prozesses gegen Kaplan am Montag in Istanbul. Naumann sagte weiter, sie habe Bedenken hinsichtlich des Gesundheitszustandes des so genannten Kalifen von Köln. Kaplan leide an Prostatakrebs, und es sei die Frage, ob er in einem türkischen Hochsicherheitsgefängnis angemessen behandelt werden könne.
Zum heiligen Krieg aufgerufen
Sicherheitsbehörden zufolge strebt Kaplans Kalifatstaat die Beseitigung der Staatsordnung in der Türkei und die Einführung einer islamischen Ordnung auf der Grundlage der Scharia an. Gegenüber dem säkularen System der Türkei hat Kaplan zum Dschihad, dem Heiligen Krieg, aufgerufen.
Der Anklage in Istanbul zufolge wollte Kaplan während einer Feier zum 75. Jahrestag der Republikgründung ein mit Sprengstoff beladenes Flugzeug in Atatürks Mausoleum stürzen lassen. Am Tag vor dem Fest wurden 23 mutmaßliche Anhänger Kaplans verhaftet. Der "Kalif von Köln" hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Formell wird ihm ein "bewaffneter Versuch zum Umsturz der verfassungsmäßigen Ordnung" vorgeworfen.
Naumann nimmt an dem am Montag beginnenden Verfahren als Beobachterin teil. Kaplan war im Oktober aus Deutschland in die Türkei abgeschoben worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm einen terroristischen Umsturzversuch vor. Kaplan habe von Deutschland aus versucht, die Verfassungsordnung der türkischen Republik mit gewaltsamen Mitteln zu ändern. (apa)
