Sonntag, 26. Dezember 2004

Österreichische Augenzeugen berichten:
"Alles ist zerstört, da steht nichts mehr..."

  • Kärntner Touristen erlebten Flutwelle hautnah mit
  • Österreichischer Hotelbesitzer auf Phuket schockiert

Die Küstenregionen der thailändischen Ferieninsel Phuket sind nach Augenzeugenberichten von Kärntner Touristen völlig zerstört. "Alle Bauten, aber auch die Buchten wurden vernichtet", erklärte Margarethe Wachschütz, die sich mit ihrer Reisegruppe auf einen Berg flüchten konnte.

Wachschütz erklärte im Telefoninterview mit dem ORF-Radio Kärnten, sie hätte sich mit ihrer Gruppe gerade an der Küste befunden, als die verheerende Flutwelle auf sie zu raste. "Wir konnten im letzten Moment entkommen", schilderte sie die dramatischen Augenblicke. Die Zerstörungen in Küstennähe sind gewaltig, der Tsunami walzte alles nieder, was sich ihm in den Weg stellte.

Ganz ähnlich der Bericht der Kärntnerin Jennifer Hutter, die mit ihrem Freund nach Phuket auf Urlaub gefahren war. Die beiden flüchteten ins Landesinnere, ein Blick zurück ergab laut Hutter: "Am Meer steht überhaupt nichts mehr." Das Pärchen begab sich, ebenso wie Tausende andere Touristen, im Inselinneren auf die Suche nach Notunterkünften. Da sich die meisten Hotels auf Phuket in Küstennähe befinden und vielfach zerstört wurden, dürfte es sehr schwierig werden, ein Dach über dem Kopf zu finden.

Berichte über bei der Flutwelle vermisste oder getötete Kärntner lagen am späten Nachmittag noch nicht vor. Allerdings war es sehr schwierig, genaue Informationen zu erhalten, da die Infrastruktur in den von der Katastrophe betroffenen Regionen weitgehend zerstört wurde.

Österreichischer Hotelier: "Da steht nichts mehr"
Die riesige Welle sei in Phuket auf der Strandstraße gebrochen und habe dort "alle Hotels, Lokale und Geschäfte total zerstört. Da steht nichts mehr", teilte der Österreicher Werner Karasek der APA auf Anfrage mit. Der ehemalige Basketball-Internationale betreibt seit 20 Jahren das K-Hotel auf der thailändischen Ferieninsel. Die Situation auf der Strandstraße bezeichnete er als "absolute Katastrophe".

In seinem K-Hotel, das etwa 350 Meter vom Meer entfernt steht, sei "alles intakt", sagte Karasek am Telefon. Unter den Gästen habe er allerdings eine Schwerverletzte zu beklagen. Eine Niederösterreicherin habe einen offenen Oberarmbruch erlitten und zwölf Stunden auf die Operation warten müssen. "Die Krankenhäuser sind überfüllt."

Karasek berichtete auch von einem Erdbeben, das kurz nach 8.00 Uhr Ortszeit in Phuket zu verspüren gewesen sei. Er selbst habe die Erschütterungen im 19. Stockwerk erlebt und als "nicht so schlimm" empfunden. Etwa eineinhalb Stunden später sei dann die riesige Welle "völlig unerwartet und mit unglaublicher Gewalt" hereingebrochen. So seien etwa Autos 200 bis 300 Meter ins Landesinnere geschleudert worden, hieß es im Augenzeugenbericht des Hoteliers. Wie viele Tote es gebe, könne er nicht sagen.

Karasek teilte auch mit, dass es bereits zu Plünderungen gekommen sei. Die Polizei habe nicht nur hart durchgegriffen, sondern darüber hinaus - "Gott sei Dank" - die Zufahrten vom Landesinneren zu den Strandregionen gesperrt.

Touristen würden nur mit Badehosen bekleidet umherirren, so der weitere Augenzeugenbericht des österreichischen Hoteliers. Viele könnten ihre Reiseleitungen nicht finden, weil deren Büros ebenfalls von der Flutwelle zerstört seien.

Sein K-Hotel sei völlig ausgebucht, sagte Karasek. Er könne niemanden mehr unterbringen. Eines der Probleme nach der Flut sei auch, dass viele Thais "auf den Berg gelaufen" seien und "auf Nachbeben warten". Von seinen 70 Angestellten seien lediglich 20 zum Dienst erschienen.

(apa/red)

26.12.2004 18:06