Mittwoch, 29. Dezember 2004

Rückholaktion für Österreicher: Hunderte Verletzte sicher in Schwechat gelandet!

  • Tragödie: Einige kamen nur in Badehosen gekleidet an
  • Sonderflug aus Sri Lanka des Außenministeriums

Hoffnungsvoll warteten am Dienstagabend erneut zahlreiche Angehörige auf Urlauber, die mit einer AUA-Maschine aus vom Seebeben verwüsteten Gebieten in Thailand ausgeflogen worden waren. Das Flugzeug aus Phuket landete um 18.28 Uhr auf dem Wiener Flughafen in Schwechat. Laut Horst Lassnig vom Presseinformationsdienst der Stadt Wien kamen 250 Passagiere an. Rund 60 flogen weiter nach Graz und Linz sowie in die Schweiz und nach Süddeutschland.

Drei Personen waren schwer verletzt, sie wurden mit Hubschraubern in Krankenhäuser gebracht, sagte Lassnig. Eine Frau war während des Fluges zusammengebrochen. Es bestehe jedoch für keinen der Passagiere Lebensgefahr. Alle Heimkehrer wurden zunächst medizinisch untersucht und trafen in einem VIP-Raum mit ihren Verwandten zusammen. Sowohl Urlauber als auch Verwandte wurden psychologisch betreut.

"Die Passagiere sind in einem äußerst angespannten, ermüdeten Zustand", sagte Lassnig gegenüber Journalisten. Die meisten hätten drei Tage lang nicht geschlafen. Auch körperlich Unverletzte hätten psychisch einiges mitgemacht und seien traumatisiert. "Auch die müssen unbedingt psychosozial betreut werden", sagte Lassnig.

Insgesamt standen 85 Rettungsauto bereit, 20 davon waren gegen 19.00 Uhr bereits in Krankenhäusern. Einige leicht Verletzte wiesen Schnittwunden auf, die sich entzündet hatten.

Sonderflug zur Rückholung von Touristen aus Sri Lanka
Das Außenministerium organisiert heute in Zusammenarbeit mit Austrian Airlines einen Sonderflug zur Rückholung von ÖsterreicherInnen aus Sri Lanka. Diese Maschine wird heute um 23:50 Uhr Ortszeit in Colombo starten (Ankunft in Wien morgen um 04:45 Uhr). Dieser Sonderflug wird zusätzlich zum regulären Linienflug der AUA OS 9558 geführt.

Viele Passagiere kamen nur in Badehosen an!
Teilweise hatten die Passagier Gepäck bei sich, doch einige kamen nur in Badehose oder Badeschlapfen. Sie wurden sofort mit Decken und Winterkleidung versorgt. Auch die nicht Verletzten sollten überzeugt werden, sich betreuen zu lassen, sagte Lassnig. "Viele wollen aber sicher gleich heim."

Bei dem Flug war es zu einem Zwischenstopp in Istanbul gekommen. Laut AUA-Sprecher Johann Jurceka brauchte ein Patient dringend medizinische Betreuung. Laut Flughafensprecher Hans Maier sei diese Zwischenlandung geplant gewesen. Der Sauerstoff in der Kabine sei für die Patienten zu wenig geworden. Man habe zunächst gehofft gehabt, dass die Luft reiche.

AUA-Sprecher Johannes Davoras betonte, dass auf den Flügen noch genug Platz sei. Momentan fliege die AUA noch den regulären Plan. Auf die Frage, ob das Unternehmen die Verbindungen verstärken würde, sagte Davoras: "Wir hätten Kapazität." Es würden aber noch interne Gespräche laufen.

Am Mittwoch in der Früh kommen laut Davoras weitere 235 Passagiere, diesmal via Bangkok.

15 Kärntner aus Sri Lanka zurückgekehrt
Auch insgesamt 15 Kärntner Urlauber sind am Dienstagabend aus Sri Lanka in ihre Heimat zurückgekehrt. Sie waren mit dem Flugzeug von Colombo nach Prag geflogen, von dort brachte sie ein Ambulanzjet am Abend nach Klagenfurt. Fünf der Passagiere wurden vom Roten Kreuz ins Spital gebracht.

Um 18.30 Uhr landete die Maschine am Klagenfurter Flughafen. Erwartet wurden die Urlauber, die der Katastrophe auf Sri Lanka entkommen waren, von zahlreichen Angehörigen sowie von bereit stehenden Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes. Die Urlauber waren in erster Linie erleichtert, wieder daheim zu sein, auch wenn die meisten von ihren Habseligkeiten nur die Kleider, die sie zum Zeitpunkt des Unglücks am Leib getragen hatten, retten konnten.

Die zehn Jahre alte Lydia Kobau, die der verheerenden Flutwelle unversehrt entkommen war, zeigte sich vor allem beeindruckt von der großen Hilfsbereitschaft der Einheimischen. "Die Menschen haben ja selbst überhaupt nichts gehabt, aber sie haben uns alles gegeben, womit sie uns helfen haben können", erzählte das Mädchen den wartenden Journalisten. Ein 77-jähriger Mann berichtete, er hätte sich in letzter Sekunde auf einen Baum retten können.

Bei den fünf Verletzten, die ins Klagenfurter Unfallkrankenhaus gebracht wurden, handelt es sich um drei Frauen und zwei Männer. Wie Klaus Pabautz vom Roten Kreuz gegenüber der APA erklärte, waren alle fünf Patienten "den Umständen entsprechend in guter Verfassung". Die meisten hatten Schürfwunden und Quetschungen davongetragen, eine Person hat einen Knochenbruch erlitten.

Hotlines von Reiseveranstaltern:
Das Österreichische Verkehrsbüro hat eine Hotline unter 01/58800250 eingerichtet. Auch der Reiseveranstalter "World of TUI" hat für Angehörige von Touristen, die bei TUI und Gulet gebucht haben, eine Telefonhotline unter 01/98142140 eingerichtet. Der Veranstalter "Thomas Cook" ist unter 01/7007-32877 erreichbar.

(apa/red)

29.12.2004 10:49