Augenzeuge schildert vom Seebeben: "In Sekunden stand uns Wasser bis zum Hals"
- Schockierend: "Überall waren schreiende Menschen"
- Oberösterreicher flüchteten auf das Hoteldach
Die Urlaubsidylle wurde binnen Sekunden zum Albtraum: Der Österreicher Kurt Jost saß gerade im neu renovierten "Friendship Beach Resort" an der Ostküste Phukets rund 20 Meter vom Strand entfernt bei Spiegeleiern und Schinken beim Frühstück, als völlig unvermittelt die Flut über das Freizeitparadies hereinbrach. "In Sekunden trieben wir mit dem Wasser bis zum Hals", so Jost.
"Wir hatten weder eine Welle gehört noch gesehen", schilderte Jost. Im nächsten Augenblick fand sich der Urlauber etwa 30 bis 40 Meter weiter auf einem Billardtisch wieder: "Überall waren schreiende Menschen, Stühle, Tische, Eimer, jede Menge Plastik, Kisten, Flaschen schwammen vorbei in Richtung Meer. Alles wurde in diesem kurzen Moment vollkommen verdreckt und mit Holzstücken und Müll zugedeckt."
"Nach einem kurzen Moment der Verwirrung suchte und fand ich meine Frühstückspartner. Zwar völlig verdreckt von unten bis oben wie auch ich selbst, aber heil", so Jost. Im Ort bot sich ein chaotisch Bild: "Überall sahen wir rennende Thais, so liefen wir auch los auf den rettenden Hang zur Hauptstraße. Innerhalb weniger Minuten sammelte sich dort eine große Menschenmenge, auf das ablaufende braune Wasser starrend. In diesem allgemeinen Geschrei verstand ich nur Bruchstücke. Man sprach von 'zerstörten Hütten, vermissten Freunden und gekenterten Longtails (Holzbooten).'"
"Viele der Einwohner hier sitzen auf den Anhöhen und schauen aufs Meer, warten auf die Nachbeben. Man spürt die Trauer der Menschen, in ihren Bewusstsein der vielen Toten, der großen Zerstörung, des Leid, des riesigen materiellen Schadens. Es ist eine furchtbare Stimmung greifbar", sagte Jost.
Oberösterreicher konnten sich auf Hoteldach flüchten
Unbeschadet überstanden haben sechs Oberösterreicher das Seebeben in Südostasien. Die Urlauber, die in Phuket in Thailand und auf den Malediven weilten, konnten sich auf ein Dach ihres Hotels bzw. auf einen Hügel flüchten, bevor die Flutwelle kam. Das sagten die Angehörigen Franz Priewasser aus Uttendorf (Bez. Braunau) und Ernst Soukop aus Linz gegenüber dem ORF-Radio Oberösterreich am Sonntagmittag.
Gute Nachrichten hat am Sonntagvormittag Franz Priewasser erhalten, dessen Tochter mit ihrem Freund derzeit auf den Malediven Urlaub macht. Die beiden lagen gerade am Swimmingpool, als plötzlich das Wasser immer weiter stieg. Sie konnten sich auf das Dach des Hotels flüchten, wo sie am Sonntagvormittag auf die Bergung warteten, so Priewasser.
Nach Stunden des Wartens hat auch Ernst Soukop aus Linz erfahren, wie es seinem Schwager, der Nichte und einem befreundeten Ehepaar in Phuket geht: "Es geht ihnen gut. Sie wurden gewarnt und auf einen Hügel geschickt, bevor die Welle kam", so Soukop. Dass ihnen nicht mehr passiert ist, verdanken sie vermutlich nur dem Umstand, dass sie verschlafen haben, so Soukop. Eigentlich wollten sie frühmorgens schwimmen gehen, dabei wären sie vermutlich von der Flutwelle überrascht worden. (apa)
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