Freitag, 24. Dezember 2004

Mehr Geld für internationale Hilfe: Appelle von Fischer und Schönborn am Hl. Abend

  • Präsident Fischer: "Auch Armut im Inland bekämpfen"
  • Kardinal Schönborn fordert mehr Friedens-Engagement

Bundespräsident Heinz Fischer regte wie zuvor auch Kardinal Christoph Schönborn anlässlich des Weihnachtsfests an, mehr Mittel für internationale Hilfe zur Verfügung zu stellen. Das Ziel müssten 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sein. "Als reiches Land haben wir die Verpflichtung, es so ähnlich zu machen wie andere reiche Länder", so Fischer in der Spendensendung "Licht ins Dunkel". Als Beispiele nannte der Präsident Staaten wie Dänemark oder Norwegen.

Doch auch im Inland müsse man sich sozial engagieren. Die Wettbewerbsgesellschaft habe viele Vorteile, aber immer wieder würden Menschen auch auf der Strecke bleiben. Er sei sich bewusst, dass man die perfekte Welt nicht schaffen könne, auch nicht im sozialen Bereich. Aber er sei überzeugt, dass es gegenüber dem jetzigen Zustand noch Verbesserungsmöglichkeiten gebe, Armut zu bekämpfen.

Schönborn-Appell an Europa, mehr für Frieden zu tun
Kardinal Erzbischof Christoph Schönborn appellierte in der ORF-Sendung "Licht ins Dunkel" an Europa und die Europäer, sich mehr für den Frieden zu engagieren. "Es tut einem wirklich weh, wenn man sieht, was im Nahen und Mittleren Osten geschieht, was in afrikanischen Ländern geschieht". Europa helfe mit nicht einmal 0,3 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts, so Schönborn vor Entzünden des diesjährigen Weihnachtslichts. Europa müsse sich in diesen Regionen mehr engagieren, denn "wir sind eine Wohlstandsinsel".

Doch Schönborn stellte auch theologische Überlegungen an: so sei die Frage zu stellen, ob Jesus den Frieden gebracht habe und ob sein Leben von der Wiege, in Armut, bis zum Tod am Kreuz, ob das "die Story des großen Friedens in der Welt" gewesen sei. Wenn er, Schönborn, sich diese Frage stelle, "wird mir selber etwas schwindlig". Doch, so Schönborn: den absoluten Frieden werde es in der Welt niemals geben, deshalb sei die christliche Grundbotschaft, dass es ein Jenseits, ein Leben nach dem Tod gebe.

Haupt hätte gern Erhöhungen für Mindestrentner gehabt
Sozialminister Herbert Haupt (F) bedauerte am Freitag in der ORF-Sendung "Licht ins Dunkel", dass es in Österreich 200.000 Mindestrentner mit ihrem Bezug unter der Armutsgrenze liegen. Er hätte sich gewünscht, hier Erhöhungen vorzusehen, sei damit aber beim Finanzminister nicht durchgekommen, so Haupt. Der Minister wies aber darauf hin, dass sein Ressort bereits ein Drittel der Steuereinnahmen ausgebe und dass es in seinem Haus eine ganze Reihe von Soforthilfetöpfen gebe.

Rauch-Kallat sieht mehr Gerechtigkeit durch Pensionsharmonisierung
Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) betonte, dass mit der Pensionsharmonisierung mehr Gerechtigkeit geschaffen werde. So würden Kindererziehungszeiten besser bewertet. Medizinische Versorgung sei in Österreich für Menschen jeden Alters kostenlos.

Gusenbauer für Erhöhung der Pensionen
SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer meinte, es müsse möglich sein, Menschen, die derzeit unter der Armutsgrenze leben, zu helfen. Jeder müsste eine Pension bekommen, von der er leben könne. Österreich sei ein reiches Land und das wäre auch finanzierbar - wenn der Finanzminister bei anderen Dingen, wie etwa den Abfangjägern, knausriger wäre, "und nicht bei den Pensionen".

Vassilakou für mindestens 700 Euro
Und die Wiener Grüne Landtagsabgeordnete Maria Vassilakou betonte, Bund und Länder müssten im Sozialbereich ihre Anstrengungen vereinen. Es solle niemand mit weniger als 700 Euro im Monat leben müssen. (apa/red)

24.12.2004 18:46