Mittwoch, 22. Dezember 2004

Kärntner Exekutive gelang Schlag gegen das Rotlichtmilieu: Anschläge vor Klärung!

  • Sonderkommission verhaftete zwei Personen aus Szene
  • Waffenfunde auch in Salzburg und Oberösterreich

Mit einem Waffenfund und drei Verhaftungen ist der Kärntner Exekutive am Dienstag ein Schlag gegen die Rotlichtszene gelungen. Laut Staatsanwaltschaft Klagenfurt stehen nun mehrere Anschläge im Milieu vor der Klärung. Bereits vor einer Woche hatte die im September eingerichtete Sonderkommission "Rose am Wörthersee" zwei Personen aus der Szene verhaftet.

Erfolgsmeldungen gab es auch aus Salzburg und Oberösterreich. In Salzburg wurde ein Waffenlager ausgehoben, in Oberösterreich eine Bande geschnappt, die mit Waffen gehandelt hatte. Laut Innenministerium bestand kein Zusammenhang zwischen den Fällen.

Am 7. September dieses Jahres feuerten Unbekannte ein Panzerabwehrgeschoss auf ein Bordell in Feldkirchen. Der Anschlag, bei dem niemand verletzt wurde, war der vierte im Kärntner Rotlichtmilieu seit Juli 2003. Damals war in Klagenfurt im Schloss Freyenthurn im Nobelbordell "Babylon" ein Brand mit einem Schaden von 100.000 Euro gelegt worden. Mitte Dezember wurden mehrfach Schüsse auf nahe einem Klagenfurter Swinger-Club geparkte Autos abgegeben. Am 18. Jänner 2004 wurde auf den Club ein Brandanschlag mit einem Molotow-Cocktail verübt. Das Auto eines Kunden brannte dabei aus. Am 15. März wurde ein vor einem Club abgestellter Pkw eines Zuhälters durch eine detonierende Handgranate schwer beschädigt.

Nach dem Raketenanschlag von Feldkirchen wurde die Sonderkommission mit Beamten der Kriminalabteilung und der Polizeidirektionen Klagenfurt und Villach eingerichtet. Nach "umfangreichen Ermittlungen" schlugen die Beamten am Dienstag im Klagenfurter Stadtteil Waidmannsdorf zu.

Zwei Österreicher, einer davon bosnisch-kroatischer Herkunft, und ein kroatischer Staatsbürger wurden verhaftet. Der Kroate, der mit der Beschaffung der Waffen beauftragt worden war, reiste am Dienstag mit dem Auto von Slowenien nach Kärnten ein, im Reserverad hatte er drei Handgranaten und eine mit einem Sand-Sprengstoffgemisch gefüllte Bierdose versteckt. Als er die Ware an die Auftraggeber übergeben wollte, klickten die Handschellen. Das Kriegsmaterial wurde beschlagnahmt, bei der Hausdurchsuchung "zahlreiches belastendes Material" sichergestellt.

Wie Staatsanwalt Horst Pleschiutschnig am Mittwoch erklärte, stünden damit sowohl der Handgranatenanschlag vom März als auch der Anschlag vom September mit der Panzerabwehrrakete vor der Aufklärung.

Waffenfunde in Salzburg & Oberösterreich
In Salzburg beschlagnahmte die Polizei im Wohnhaus eines 57-jährigen beschäftigungslosen "Waffennarren" rund 50 Gewehre und Pistolen sowie mehrere tausend Schuss Munition. Eine Verbindung zu einer Terrororganisation wurde vom Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, Burghard Vouk, gegenüber der APA ausgeschlossen.

In Oberösterreich hob die Exekutive nach Angaben der Staatsanwaltschaft Steyr eine Bande aus, die illegalen Waffenhandel in den Bezirken Kirchdorf, Wels-Land und Wels betrieben hat. Mehr als 100 Waffen, darunter ein Maschinengewehr und sechs Maschinenpistolen, wurden beschlagnahmt, sechs Täter verhaftet. (apa/red)

22.12.2004 15:54