Dramatische Wende im Fall um mehrfache Vergewaltigung: Martyirum nur erfunden?
- Kosovo-Albaner & Familie wohl zu Unrecht beschuldigt!
- Sechs Verdächtige sind wieder auf freiem Fuß
Die Meldung, wonach eine 30-jährige Wienerin nach der Scheidung auf grausame Art angeblich serienweise von ihrem Ex-Mann und Mitgliedern seiner Familie vergewaltigt worden sei, schockierte am Dienstag die Öffentlichkeit. Keine 24 Stunden später gab es in dem Aufsehen erregenden Fall eine brisante Wende: Die Staatsanwaltschaft Wien zweifelt an der Glaubwürdigkeit des vermeintlichen Opfers. Die sechs in U-Haft sitzenden Verdächtigen wurden bereits am Dienstagnachmittag auf freien Fuß gesetzt.
"Die Anschuldigungen sind wie ein Kartenhaus zusammengebrochen", meinte Friedrich Forsthuber, Sprecher des Wiener Landesgerichts, am Mittwochnachmittag im Gespräch mit der APA. Die Verdächtigen seien auf Antrag der Anklagebehörde enthaftet worden: "Der dringende Tatverdacht war nach sehr umfangreichen kontradiktorischen Einvernahmen und weiteren Erhebungen nicht mehr aufrecht zu erhalten."
Der Gerichtssprecher verwies auf "massivste Widersprüche der Anzeigerin". Vieles deute darauf hin, dass das Verfahren in Kürze formal eingestellt wird. Diesfalls muss die 30-jährige Frau mit einer Anzeige und einem möglichen Prozess wegen Verleumdung rechnen. Strafrahmen: sechs Monate bis fünf Jahre Haft.
Die Staatsanwaltschaft will die Frau aber dem Vernehmen nach vorerst psychiatrisch untersuchen lassen, um eine allfällige Zurechnungsunfähigkeit abzuklären. Wäre eine solche gegeben, könnte sie mangels der Fähigkeit, das Unrecht ihres Tuns zu erkennen oder dieser Einsicht gemäß zu handeln, strafrechtlich gar nicht zur Verantwortung gezogen werden.
Die Mutter zweier kleinen Mädchen war im vergangenen Februar nach sechsjähriger Ehe von einem 30-jährigen Kosovo-Albaner geschieden worden. Am 6. Oktober wanderte der Mann in U-Haft: Die Frau beschuldigte ihn, er habe sich nach der Trennung mehrfach an ihr vergangen.
Danach - so jedenfalls die Behauptung der gelernten Verkäuferin - habe aber erst ihr Martyrium begonnen: Angehörige und Freunde ihres Ex-Mannes hätten sie verschleppt, mit einem Butterflymesser, einer Rohrzange oder einem Bolzenschneider missbraucht. Fünf weitere Männer landeten darauf hin zwischen 7. und 10. Dezember im Gefängnis.
Diese beteuerten ebenso wie der Ex-Mann, der immerhin zweieinhalb Monate U-Haft hinter sich hat, ihre Schuldlosigkeit. Allmählich bekam die Glaubwürdigkeit der angeblich Missbrauchten tatsächlich Risse: Mittels Rufdaten-Rückerfassung wurde festgestellt, dass sie immer wieder selbst telefonischen Kontakt zu den angeblichen Tätern gesucht hatte, was nicht zu ihrer Darstellung passte, sie wäre von diesen "abgepasst" worden.
Einer der offensichtlich zu Unrecht Bezichtigten konnte schließlich mit einem hieb- und stichfesten Alibi punkten: Zum Zeitpunkt eines angeblichen Übergriffs war der Bauarbeiter in Wahrheit auf einer Baustelle im Einsatz.
Auch die Behauptung der Frau, sie wäre im Zuge der Vergewaltigungen mehrmals geschwängert worden und hätte in einem bestimmten Spital abgetrieben, erwies sich als falsch: Die 30-Jährige wurde in besagtem Krankenhaus niemals behandelt.
(apa)
