Montag, 13. Dezember 2004

Kate Hudson als Mutter wider Willen zeigt Charakter - Ab 17. Juni im Kino!

Helen ist hübsch, Single und hat einen Traumjob als Assistentin einer eleganten New Yorker Model-Agentur. Da klopft plötzlich das Schicksal an ihre Tür: Schwester und Schwager sind bei einem Unfall ums Leben gekommen, drei Kinder haben die Eltern verloren. Helen und ihre ältere Schwester Jenny trauern, doch das Leben geht weiter. Eigentlich gibt es keine Zweifel, dass die verwaisten Kinder nun in die Familie von Jenny kommen, zumal diese ein richtiges Muttertier und dazu eine perfekte Hausfrau ist.

Doch zur Verblüffung aller hat die tödlich verunglückte Schwester eine hintersinnige Verfügung hinterlassen, die ausgerechnet der darauf überhaupt nicht vorbereiteten Helen das Sorgerecht für die Kinder überträgt. Auf einmal ist nichts mehr so im Leben der jungen Frau wie zuvor. Wie sie die Aufgabe meistert oder daran scheitert, gleich dreifache Mutter gegen Willen geworden zu sein, das erzählt der US-Film "Liebe auf Umwegen", der ab 17. Juni in die Kinos kommt.

Eigentlich verrät schon die Handlung, dass auf dem Regiestuhl einmal mehr der Hollywood-Routinier und Großmeister romantischer Liebeskomödien gesessen hat, nämlich Garry Marshall. Der ist seit seinem Welthit "Pretty Woman", mit dem 1989 die junge Julia Roberts zum Publikumsliebling avancierte, Garant für Kinomärchen, die für zwei Stunden Alltagssorgen vertreiben. Marshall ist schon sehr lange im Hollywood-Geschäft und hat mit den bekanntesten Stars gearbeitet, darunter auch Goldie Hawn. Nun ist es deren Tochter Kate Hudson, die als Helen im Mittelpunkt des turbulenten Geschehens steht.

Hudson hat allerdings nicht annähernd die Ausstrahlung einer Julia Roberts, was dem Film nicht gut bekommt. Denn inhaltlich ist das ganze Geschehen reichlich konstruiert und auch kitschig. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn familiäre Werte propagiert werden, zumal das Amerikanern unverkrampfter gelingt als Deutschen. Aber wenn es so penetrant geschieht wie in "Liebe auf Umwegen" wirkt das eher kontraproduktiv. Umso mehr wäre es darauf angekommen, in der Hauptfigur eine Schauspielerin zu haben, die es dem Publikum plausibel macht, sich am Ende gegen die Karriere und für die Waisenkinder entschieden zu haben. Doch Kate Hudsons Frauentyp traut man das gewiss nicht zu. Diese Schauspielerin mit der blonden Lockenpracht wirkt stets eindimensional und zuckersüß.

Von ganz anderem Kaliber ist da ihre Filmschwester Jenny, die von der großartigen Joan Cusack als resolut-warmherzige Familienorganisatorin gezeigt wird. Auch die britische Charakterdarstellerin Helen Mirren als eisenharte Agenturchefin zeigt eine souveräne Leistung und hinterlässt in ganz wenigen kurzen Auftritten als arrogante Zicke weit mehr Eindruck als Hudson.

Dass ihre Filmfigur Helen sich laut Drehbuch auch noch einen stattlichen Prediger angelt, dargestellt von John Corbett, macht den Kitsch erst richtig rund, wenngleich die Handlung noch etwas unglaubwürdiger. Aber Marshall liebt es eben so, und von Kitsch auf der Leinwand versteht er nun einmal mehr als fast jeder andere derzeit in Hollywood arbeitende Filmemacher.

Flott gemacht ist "Liebe auf Umwegen" allerdings zweifellos. Als harmlose Unterhaltungsware zwischen zwei Spielen der Fußball-Europameisterschaft mag die Geschichte einer überraschenden Berufung zur Mutterschaft akzeptabel sein. Aber ein Spaziergang in frischer Luft statt zwei Kinostunden mit Lockenköpfchen Helen sind eine echte Alternative. (APA)

13.12.2004 11:45