Mittwoch, 15. Dezember 2004

US-Telekom-Mammuthochzeit: Sprint und Nextel gründen neuen Branchenriesen

  • Unternehmen mit 40 Mrd. Umsatz und 40 Mio. Kunden
  • Das OK der Aufsichtsbehörden fehlt allerdings noch

Die US-Mobilfunkunternehmen Sprint und Nextel schließen sich zusammen und bilden als Sprint Nextel einen neuen Branchenriesen mit 40 Mrd. Dollar (29,9 Mrd. Euro) Umsatz und 40 Mio. Kunden. Die als "Fusion Gleicher" bezeichnete Transaktion hat ein Volumen von rund 35 Mrd. Dollar. Die Verwaltungsräte beider Gesellschaften haben die Transaktion einstimmig gebilligt, teilten die Unternehmen mit. Sprint Nextel deckt die USA flächendeckend ab und wird die unumstrittene Nummer drei im US-Mobilfunkmarkt.

Es handelt sich um die zweite Mammuthochzeit in der US-Mobilfunkbranche innerhalb weniger Wochen. Cingular Wireless hatte kürzlich die AT&T Wireless für 41 Mrd. Dollar gekauft. Damit war Cingular mit rund 47 Mio. Mobilfunkkunden zum Branchenführer geworden. Verizon Wireless ist mit 42 Mio. Handynutzern die Nummer zwei. T-Mobile USA, die amerikanische Mobilfunktochter der Deutsche Telekom, liegt jetzt mit 16,3 Mio. Kunden weit abgeschlagen auf Platz vier. Die Deutsche Telekom erwartet keine Belastung ihres US-Geschäfts durch den Zusammenschluss von Nextel und Sprint, wie ein Sprecher von T-Mobile in Bonn sagte.

Die Nextel-Aktionäre sollen Aktien der neuen Gesellschaft und eine kleine Barzahlung erhalten. Der Gesamtwert je Nextel-Aktie würde rund 1,3 Aktien der neuen Gesellschaft entsprechen. Zu derzeitigen Kursen würden die Nextel-Aktionäre rund 1,28 Sprint-Nextel-Aktien und 50 Cent je Aktie in bar erhalten. Die Barkomponente der Transaktion solle 2,8 Mrd. Dollar nicht übersteigen. Die Aktien der beiden Firmen haben momentan einen Gesamtwert von 70 Mrd. Dollar.

Sprint-Chef an der Spitze
Die beiden Firmen werden zu jeweils rund 50 Prozent an der neuen Gesellschaft beteiligt. Der zwölf Mitglieder zählende Verwaltungsrat von Sprint Nextel soll paritätisch besetzt werden. Unternehmenschef wird Gary D. Forsee, der derzeitige Sprint-Chef. Nextel-Konzernchef Timothy M. Donahue wird Vorsitzender des Verwaltungsrates. Das Hauptquartier wird in Reston (Bundesstaat Virginia) sein, der bisherigen Nextel-Zentrale.

Die zusammengeschlossene Gesellschaft werde erfolgreicher sein als dies die Firmen im Alleingang hätten schaffen können, betonte Forsee. Nextel sei die profitabelste Mobilfunkfirma und besonders stark im Geschäft mit Unternehmen. Sprint glänzt nach seinen Angaben hingegen im Verbrauchergeschäft und mit seinen Mobilfunk- und globalen Internet- und Datennetzen. Durch den Zusammenschluss sollen Kostenersparnisse von zwölf Mrd. Dollar verbucht werden.

OK der Aufsichtsbehörde fehlt noch
Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2005 über die Bühne gehen. Sie muss noch von den Aktionären beider Firmen und den Aufsichtsbehörden gebilligt werden.

Sprint ist auch die drittgrößte amerikanische Ferngesprächsfirma und ein kleinerer Mitspieler im lokalen Telefongeschäft. Das lokale Telefongeschäft von Sprint soll selbstständig werden und an die Aktionäre der neuen Gesellschaft abgegeben werden. Es hat einen Umsatz von sechs Mrd. Dollar und 7,7 Mio. Anschlüsse in 18 US-Bundesstaaten. (apa)

15.12.2004 15:31