Dienstag, 8. März 2005

JoWooD schrieb 2004 tiefrote Zahlen: Im letzten Jahr 21,3 Millionen Euro Verlust

  • Computerspiele-Hersteller schafft 18,4 Mio. € Umsatz
  • PLUS: Neuer Chef erwartet die Trendwende nach oben

Für jeden umgesetzten Euro musste die an der Wiener Börse gelistete JoWooD im Geschäftsjahr 2004 rund 1,15 Euro Verlust verbuchen. Insgesamt häufte sich dadurch bei dem steirischen Computerspiele-Hersteller ein Jahresfehlbetrag von 21,3 Mio. Euro bei Umsatzerlösen von 18,4 Mio. Euro an, wie JoWooD ad hoc mitteilte. Der Betriebsverlust (EBIT) vor Restrukturierungskosten wurde mit 6,9 Mio. Euro angegeben.

Nun will das JoWooD-Management mit einem Sanierungspaket das Ruder herumreißen. Ganz oben stehen Maßnahmen zur Liquiditätssicherung, etwa durch die Verkürzung von Zahlungszielen aus älteren Verträgen. Ein Projekt-Finanzierungsmodell soll noch für das laufende Geschäftsjahr 2005 eine Ausgabenersparnis von "mehreren Millionen Euro" bringen. Weitere Kostensenkungen bis zu 3,5 Mio. Euro erwartet sich JoWooD durch eine Verbesserung der Prozessorganisation.

Beim Vertrieb will JoWooD 2005 in bisher kaum bearbeiteten Märkte punkten. Eine Lizenz-Transaktion mit einem namentlich nicht genannten Publisher für den asiatisch-pazifischen Raum sei abgeschlossen worden, weitere seien im Gespräch. Im skandinavischen Raum werde für die nächsten Wochen ein Abschluss erwartet. Für die USA fänden derzeit Gespräche mit Co-Publishingpartnern statt. Einen Abschluss stellt JoWooD für April 2005 in Aussicht.

Neue Strategie
Insbesondere die US-Strategie soll auf Lizenz- und Co-Publishing-Deals umgestellt werden. Das bedeutet, dass JoWooD die Umsätze zwar mit einem Partner teilen muss, dafür aber weniger Vermarktungsrisiken sowie geringere Investitionen und Kapitalrisiken verglichen mit dem alten Modell "Finished Goods" erwartet. Im Jahr 2004 habe das alte "Finished Goods"-Modell zu Umsatzkorrekturen, Rückstellungen, Sonderwertberichtigungen und Ähnlichem in Höhe von rund 7,8 Mio. Euro geführt.

Als weitere Ursachen für den hohen Jahresverlust führt JoWooD zu starke Orientierung auf Umsatz statt Ergebnis im Vertrieb, was im vierten Quartal zu einem negativen Deckungsbeitrag von 0,6 Mio. Euro geführt habe. Ein strengeres Abschreibungsmodell auf aktivierte Spiele habe bei älteren Projekten zu Wertberichtigungen von 2,7 Mio. Euro geführt, bei Titeln aus 2004 fielen 1,7 Mio. Euro an. Wegen der KöSt-Senkung mussten latente Steuern im Ausmaß von 5,7 Mio. Euro abgeschrieben werden. Die allgemeinen Restrukturierungskosten bezifferte JoWooD mit einer Million Euro.

Flut an negativen Nachrichten
Bei dem Computerspiele-Erzeuger - 2002 nur knapp an einer Insolvenz vorbeigeschrammt - reihten sich seit dem Vorjahr die negativen Nachrichten. Wie berichtet floppte im Sommer 2004 eine Kapitalerhöhung und es konnte nur ein Drittel der Aktien abgesetzt werden. Der neue US-Partner Fluent stieg anders als angekündigt nur mit einer Mini-Tranche bei JoWooD ein. Es folgten der geschlossene Rücktritt des Aufsichtsrats, eine Umsatz- und Gewinnwarnung für 2004 und ein Wechsel an der Vorstandsspitze. Im Februar wurde nach nur sechs Monaten die Fluent-Partnerschaft wieder beendet.

Zuletzt fiel der Kurs der JoWooD-Aktien, im Zuge der Kapitalerhöhung 2004 noch zu 2,40 Euro an Investoren verkauft, unter die Marke von einem Euro. Am Dienstag zu Mittag notierten JoWooD an der Wiener Börse mit nur noch 87 Eurocent, einem Minus von 5,4 Prozent zum Montag-Schluss. (apa)

8.3.2005 15:02