Mittwoch, 15. Dezember 2004

Mode vs. Moral – die ewige Style-Debatte: Sind Pelze wieder erlaubt?

  • Die wichtigste Trendsetterfrage der Saison

NEWS-Woman vergleicht Wildtier-, Nutztier- und Kunstpelze. Plus: Die große Debatte: Darf frau Pelz tragen?

Frohe Weihnachten werden das heuer für die österreichischen Kürschner und jene Boutiquen, die mit echten Pelzen handeln. Denn es scheint fast so, als hätte es die Anti-Pelz-Bewegung der 80er und 90er Jahre nie gegeben. Vorbei die Zeiten, als man sich lieber im schlichten Jil-Sander-Kaschmir-Mantel zeigte, denn Glamour is back – und mit ihm der modische Hang zum Echtpelz. In nüchternen Zahlen ausgedrückt: Während vor ein paar Jahren nur mehr 20 weltweit operierende Marken den Pelzmarkt dominierten, beschäftigen sich heute etwa 400 Labels mit diesem haarigen Thema. Unter ihnen immer mehr Mode-Granden wie Jean Paul Gaultier, Michael Kors und Karl Lagerfeld. Aber auch der Verkauf von Nutztierfellen, also von solchen Tieren, die ohnedies geschlachtet werden, weil sie zur Nahrungsherstellung verwendet werden, nimmt stark zu – beides sehr zum Missfallen der meisten Tierschützer. Grund genug für NEWS Woman, die beiden Parteien an einen Tisch zu holen. Es diskutierten:

  • Der Salzburger Societylöwe, selbst ernannte „Tier-Diplomat“ und Hausherr auf dem Tierschutzgut Aiderbichl, Michael Aufhauser;

  • die Tierschützerin und „Kronen Zeitungs“-Journalistin Maggie Entenfellner;

  • und der Bundesinnungsmeister der heimischen Kürschner-Zunft, Hans Parzer.

    Fazit des Round-Table-Gesprächs vorweg: Ein Kompromiss zwischen den Lagern scheint derzeit weiter entfernt denn je …

    NEWS: Pelzmode beherrscht heuer die Modemagazine und das Straßenbild, als hätte es nie eine Gegenbewegung gegeben. Daher zuerst die Frage an Frau Entenfellner und Herrn Aufhauser: Hat der Tierschutz versagt?
    Entenfellner: Ich komme gerade aus New York und habe dort Naomi Campbell, die sich früher gegen Pelze engagierte, in einem Nerzmantel gesehen. Ich finde es traurig, dass es Menschen gibt, die immer nur auf den Zug aufspringen, der hip ist.
    Aufhauser: Der Tierschutz hat nicht versagt, aber wir leben in einer Zeit der Trends. Die Menschen wollen gar nicht hinterfragen. Pelz ordnet die Frauenwelt in Hierarchien. Die eine hat ein Karnickel, die andere etwas Teureres. Obwohl wir eine Entwicklung durchgemacht haben, die Pelz überflüssig machen würde, es gibt viele Alternativen, sich warm zu halten. Der Pelz hat nicht mehr diese Notwendigkeit.
    NEWS: Herr Parzer, wie sehen Sie das als Bundesinnungsmeister der Kürschner?
    Parzer: Der Tierschutz hat überhaupt nicht versagt, das Gegenteil ist der Fall. Die Tierschützer haben vor zwanzig Jahren begonnen, mit der Pelzwirtschaft zusammenzuarbeiten, und haben in der EU Verhaltensmaßregeln und Zuchtbedingungen festgelegt, die jedes Jahr überarbeitet werden. Jede Pelztierzucht ist stärker kontrolliert als etwa eine Hühner- oder Schweinezucht. Es gibt maximal 25 Mio. Pelztiere, aber allein 400 Mio. Schweine in der EU! Das ist von einer Regierungskommission erhoben worden. Diese Kommission hat festgestellt, dass es den Pelzzuchttieren besser geht als allen anderen.

    Das komplette Gespräch lesen Sie im neuen NEWS

    15.12.2004 16:41