Juschtschenko: "Ich kenne die Täter !"
- Gift-Anklage: Es war das Werk der jetzigen Regierung
- Ärzte als Detektive: Rettung im Rudolfinerhaus

Das NEWS-Interview: Ukrainischer Oppositionschef Viktor Juschtschenko klagt an: Die Täter sitzen in der Regierung!
Gift-Protokoll: So sollte der Politiker mit Dioxin ausgeschaltet werden. Wie ihn die Wiener Ärzte retten konnten.
Am Ende bleibt doch noch Zeit für große Gefühle: Jekaterina Juschtschenko nimmt ihren schwer gezeichneten Ehemann Viktor, 50, an der Hand, zieht ihn am Wiener Christkindlmarkt unter einen Mistelzweig: Das bringt Glück, lächelt sie zufrieden. Für einige Augenblicke bleiben sie so stehen: er, ein kräftiger Zweimetermann. Um den Hals den orangen Schal der ukrainischen Opposition. Darüber das Gesicht eines Märtyrers mit Pusteln und Blasen, dessen unwirkliches Grau aus der Nähe noch viel gespenstischer wirkt. Sie, eine zierliche, blonde Ukrainerin mit US-Pass. Ständig freundlich, immer ein Lächeln im Gesicht: Ich bin froh, sagt sie, während das Paar mit dem acht Monate alten Sohn Taraz im Kinderwagen über den Christlkindlmarkt flaniert, dass wir das überstanden haben. Jetzt hält Viktor nichts mehr auf, er ist ein starker Mann.
Entstellung kann bleiben. Passanten treten ehrfurchtsvoll und tuschelnd zur Seite, starren Viktor Juschtschenko staunend und ratlos an. Einige gehen auf ihn zu, reichen ihm die Hand, wünschen ihm viel Glück. Juschtschenko dankt nickend, scheint gerührt, so viel Anteilnahme hat er in Wien wohl nicht erwartet. Seine Mimik bleibt trotzdem starr er kann seine Mundwinkel nicht lächelnd nach oben ziehen, eine der Folgen der Dioxinvergiftung: Der Gesichtsnerv ist beeinträchtigt, in Finger- und Zehenspitzen hat er kaum Gefühl, erklären die Ärzte im Wiener Rudolfinerhaus, die Juschtschenko in den vergangenen Monaten dreimal behandelt und letztendlich den Giftnachweis erbracht haben: Die Chlorakne im Gesicht könnte für immer bleiben oder in den nächsten zwei Jahren zur Gänze verschwinden, sicher ist nichts.
Trotz der Entstellung im Gesicht ist Viktor Juschtschenko vollständig arbeitsfähig, konstatiert Michael Zimpfer, Klinikchef im Rudolfinerhaus: Er ist nicht ansteckend, kann mit ganzer Kraft weiter seinen Job tun, er ist wieder fit körperlich und geistig, das Gift hat keine Folgeschäden ausgelöst. Weder im Gehirn noch in anderen Organen. Die Werte der hauptbetroffenen Organe Bauchspeicheldrüse, Magen, Leber haben sich weitgehend normalisiert. Viktor Juschtschenko ergänzt im Hinblick auf die Wiederholung der Präsidentschaftswahl am 26. Dezember: Ich habe Kraft für zwei Amtsperioden. Die Welt wird nach der Wahl eine völlig neue Ukraine sehen.
Hoher Favorit für Stichwahl. Der ukrainische Oppositionspolitiker und hohe Favorit für die Stichwahl am 26. 12. verließ Wien am Sonntagabend mit der Gewissheit, dass man ihn während des Wahlkampfs hat umbringen wollen und dass seine Attentäter in Kiew noch immer frei herumlaufen. Die Dioxinvergiftung ist durch Gewebeproben eindeutig festgestellt worden, sagt Zimpfer. Wir haben im Blut und im Gewebe des Patienten eine Dioxinkonzentration gefunden, die mindestens das Tausendfache der Normalkonzentration betrug.
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