Mittwoch, 15. Dezember 2004

„Boot musste kentern ...“

Sieben Monate nach dem Boots-Unglück scheinen die Unfallgründe geklärt. Ein Gutachten belastet nun Seegrottenbetreiber und Behörden schwer. War „totale Fahrlässigkeit“ die Ursache für die Tragödie?

Ein soeben fertig gestelltes Gutachten zu dem Bootsunglück in der Seegrotte Hinterbrühl sorgt nun für Aufregung: Waren Kripo und Staatsanwaltschaft bislang davon ausgegangen, dass ein „technischer Defekt“ im Mai 2004 zu dem tragischen Unfall, der fünf Todesopfer forderte, geführt hat, so zeigt die jetzt vorliegende Expertise, die NEWS exklusiv vorliegt, neue brisante Fakten.

Mehrere Unglücksursachen. DI Richard Kuchar kam bei seinen Untersuchungen nämlich zu dem Schluss: „Der Kenterunfall ist auf zu geringe Stabilitätswerte sowie stark unsymmetrische Beladung und erhebliche Überladung zurückzuführen. Auslöser war letztlich eine scharfe Linkskurve, in der das Fahrzeug über Steuerbord kenterte ...“

Das vernichtende Urteil des Gerichtssachverständigen lässt auch im Detail nichts offen:

  • Das Boot sei eine Fehlkonstruktion – und lediglich auf eine Beladung mit 7 Personen getestet – gewesen. Was die Seegrottenbetreiber bereits lange vor dem Drama bemerkt und die Schiffsbauer daraufhin veranlasst hätten, den Katamaran in einen Trimaran umzubauen. „Leider“, ist in dem Gutachten zu lesen, „war diese Verbesserung nicht ausreichend, um 29 Personen mit der nötigen Sicherheit transportieren zu können.“

  • Hinzu kommt: Auch nach dem Umbau „gab es keinerlei Berechnungen bezüglich der Stabilität“. Und: „Die Zulassungsbehörde (Amt der Niederösterreichischen Landesregierung) wurde vom Verfügungsberechtigten über den (grundsätzlich möglichen) Umbau 1993 vermutlich nicht informiert.“ Das gekenterte Schiff (Trimaran) hätte sich demnach wesentlich vom zugelassenen (Katamaran) unterschieden.

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    PLUS: Die Vorwürfe im Detail

    15.12.2004 16:19