Mittwoch, 15. Dezember 2004

Neue NEWS-Serie: Die Weltreligionen - Ihr Reiseführer zur weltweiten Sinnsuche

  • Woran glauben? Die Sehnsucht nach Sinn, Spiritualität und einer höheren Macht boomt auch in Europa

Welcher Gott, welcher Glaube? Fünf Milliarden glauben an Gott. Die Sehnsucht nach Sinn, Spiritualität und einer höheren Macht boomt auch in Europa.

Fünf Milliarden Menschen glauben an ein höheres Wesen, das ihr Schicksal bestimmt: Gott, Allah, der Unaussprechliche der Juden, Buddha. Zwei Jahrhunderte nach der Aufklärung, trotz des Siegeszuges von Wissenschaft samt Evolutionslehre und der gewachsenen Säkularisierung, hat die Spiritualität nicht bloß überlebt – sie erlebt am Beginn des 21. Jahrhunderts einen neuen Boom.

Darin unterscheidet sich der Mensch vom Tier: Er kennt mehr als Furcht und Schrecken. Auch Angst und Hoffnung prägen sein Leben. Der Homo sapiens sapiens ist vom Bedürfnis getrieben, Kontrolle zu erlangen – und einen tieferen Sinn zu finden. Dies ermöglicht der Glaube an eine Macht, die das persönliche Schicksal lenkt und die von Gebeten, Riten und Opfern beeinflusst werden kann. Vor kurzem wollen US-amerikanische Forscher im Gehirn auch jene Stelle lokalisiert haben, wo biochemische Reize „Gotteserfahrung“ erzeugen. Gott – so ihre These – liegt in unseren Genen.

In einer fünfteiligen Serie begibt sich NEWS auf die Spuren der Weltreligionen, auf die Suche nach den Bildern von Gott oder den Göttern, den Religionsgemeinschaften, die trotz aller Unterschiede eines verbindet: der Glaube oder das verzweifelten Hoffen, dass hinter dem Ablauf von Geburt, Leben und Tod mehr stecken muss.

Den Anfang unserer Serie macht der Islam. Keine der Weltreligionen hat in den vergangenen Jahren stärkeren Zulauf erhalten, aber auch heftigere Kontroversen ausgelöst. Pünktlich zu Weihnachten wird die größte Religionsgemeinschaft der Erde im Mittelpunkt stehen: das Christentum, zu dem sich ein Drittel der Menschheit bekennt. Der dritte Teil widmet sich der dritten monotheistischen Religion, dem Judentum, zu dem sich weltweit 14 Millionen bekennen, sozusagen der „Ahne“ von Christentum und Islam.

Die Wurzel der neuen, modernen Spiritualität, die auch immer mehr Europäer fasziniert, liegt in den fernöstlichen Religionen: Buddhismus, Hinduismus und Taoismus werden den Abschluss der großen NEWS-Serie bilden.

Im Durchschnitt hält in Europa nur jeder Zweite „Gott für wichtig“ in seinem Leben. Im Gegensatz dazu sind es fast 90 Prozent der Amerikaner und Afrikaner, die sich an einem höheren Wesen orientieren. Doch auch in Europa, wo die christlichen Kirchen seit Jahrzehnten in der Krise stecken, wächst der Glaube. Obwohl „nur“ mehr 5,7 Millionen der Österreicher amtlich der katholischen Kirche angehören, geben doch 80 Prozent an, an Gott zu glauben. 1990 bezeichneten sich knapp zwei Drittel der Österreicher als „religiöse Menschen“. Heute sind es bereits drei Viertel, wie eine Studie des Instituts für Pastoralsoziologie ergab. „Spiritualität erlebt einen nie da gewesenen Boom. Wir erleben einen immer stärkeren Trend hin zu Religion“, betont Studienautor Paul Zulehner. „Die Menschen beten, meditieren mehr.“

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PLUS: Teil 1 der Serie: Allahs Kinder - Der Islam im Kreuzfeuer

15.12.2004 16:14