Sonntag, 19. Dezember 2004

Der Heldenmacher: Raiffeisen-Werbechef setzt mit Maier und Rogan neue Standards

  • FORMAT: Leo Pruschak ist der König des Sponsoring
  • Leistungsbezogene Klauseln für den "Herminator"

Wäre Leo Pruschak, 48, nicht selbst ein begeisterter Sportler und überzeugter Patriot, so müsste er zurzeit die Schampuskorken knallen lassen. Denn durch die beinahe schon unheimliche Siegesserie des Amerikaners Bode Miller zum Auftakt des heurigen Ski-Weltcups erspart sich der umtriebige Chef der Raiffeisen Werbung eine schöne Stange Geld.

FORMAT-Recherchen fördern nämlich eine Überraschung zutage. Der im September um weitere drei Jahre verlängerte Sponsorvertrag zwischen Raiffeisen und Superstar Hermann Maier enthält eine Reihe von leistungsbezogenen Klauseln: Sollte der Herminator weiter hinter Miller herfahren und weder Weltcup-Gesamtsieg noch Einzelwertungen gewinnen, so wird er deutlich weniger verdienen als die Million Euro in den Jahren davor. Pruschak bestätigt: "Es ist richtig, dass wir auf Wunsch des Hermann eine stärker leistungsorientierte Bezahlung vereinbart haben."

Gleich im Jänner muss der im 22. Dienstjahr unter dem Giebelkreuz tätige Manager mit erfreulichen Terminkollisionen kämpfen. Die knifflige Frage lautet: Welchen seiner beiden Superstars soll sich Pruschak - sein jüngerer Bruder Wilfried managt die Informatik bei Raiffeisen - live anschauen?

"Pruschak antzipiert den Erfolg"
Zur Auswahl stehen der Saisonhöhepunkt mit Skikaiser Hermann Maier während des traditionellen Hahnenkamm-Wochenendes in Kitzbühel und Pruschaks neues Zugpferd Nummer zwei - Markus Rogan, der zur selben Zeit Weltcup-Events in Stockholm und Berlin bestreitet: Mit der Verpflichtung des Schwimm-Superstars ist dem "Leo, der Erfolg antizipiert und der mir wegen seiner menschlichen Qualitäten imponiert" (Paul Schauer, Präsident des Schwimmverbandes OSV und Chef der größten Media-Agentur Omni-Media) ein weiterer Glücksgriff gelungen, mit dem Raiffeisen seine herausragende Position im Sportsponsoring zementiert.

Geschafft hat das ein Mann, der nie als typischer Raiffeisen-Manager galt und sich seine heute unantastbare Position erst mühsam erarbeiten musste: Pruschak, der jeden Tag von Wiener Neustadt zur Arbeit anreist, wurde 1994 zum Chefwerber bestellt. In den zwölf Jahren davor hatte er für seine Chefs mit der Verpflichtung von Werbepartnern wie Niki Lauda, Gerhard Berger oder Thomas Muster das Fundament für den späteren Erfolg gelegt.

"Der Hermann ist eine Naturgewalt"
"Ohne meine Emotionen für den Sport", so Pruschak, "gäbe es diese Geschichten nicht." Sein Vater war Leichtathletik-Staatsmeister, Sohn Leo hat "auf hohem Niveau Basketball gespielt" und wäre gerne Tennisprofi geworden - "doch leider konnten wir uns keinen Tennisschläger leisten".

Anstatt einer eigenen Karriere ging der leidenschaftliche Marathonläufer daran, Dossiers über hoffnungsvolle Sportler anzulegen. Als Hermann Maier 1998 in Nagano bei der Olympia-Abfahrt seinen legendären Sturz hinlegte, hatte er ihn nach diversen Vorgesprächen bereits an der Angel. Pruschak: "Der Hermann, das ist eine Naturgewalt. Eine solche Story kann niemand erfinden."

Maier machte die Raiffeisen-Bank wieder flott
In den folgenden fünf Jahren, nach dem Motorradunfall des Herminators und seinem unglaublichen Comeback, schnellten die Imagewerte der Bank als Sportsponsor sprunghaft von 21 auf 33 Prozent - doppelt so hoch wie jene der Konkurrenz, "das war der Maier-Effekt: Mit ihm haben wir das Giebelkreuz wieder attraktiv gemacht."

Dass der Leo dem Hermann auch in den zwei Jahren nach seinem Unfall die Treue hielt ("In der Zeit war er als Werbeträger sogar noch wirkungsvoller als zuvor"), sollte sich heuer bezahlt machen. Für Peter Schröcksnadel, als Präsident des ÖSV auch Maiers Manager, war eine weitere Verlängerung des Vertrages zwischen Maier und Raiffeisen ursprünglich nur Formsache.

Schröcksnadel: : "Pruschak ist effizient und immer fair"
Doch plötzlich erhielt Pruschak einen Anruf des ÖSV-Chefs: Christian Baha, Chef des Hedgefonds Superfund, habe ein viel besser dotiertes Angebot deponiert. Pruschak erinnert sich: "Ich habe mich dann mit dem Hermann hingesetzt und ihn davon überzeugt, dass er bei uns besser aufgehoben ist." Schröcksnadel bilanziert zufrieden: "Pruschak ist effizient und war immer fair. Das geben wir trotz verlockender Angebote, die es immer wieder gibt, zurück."

Während es für die Banker von Raiffeisen nie einen Zweifel gab, dass der Herminator als Traumbesetzung gilt, musste Leodegar - so sein voller Vorname - Pruschak einige Monate lang um seinen zweiten Glücksgriff kämpfen. Auf der Suche nach einem rotweißroten Star für Olympia in Athen war der Werber bereits im Juni bei der Schwimm-WM in Madrid auf Markus Rogan gestoßen.

Geheimtipp Rogan ließ Preis in die Höhe schnellen
Über Vermittlung von OSV-Präsident Paul Schauer war man bald handelseins: Rogan sollte für 150.000 Euro Jahresgage unterm Giebelkreuz landen. Pruschak muss solche Entscheidungen aber mit allen Raiffeisenlandesbanken koordinieren - und fiel mit Rogan zwei zu sieben durch.

In Athen heimste Rogan zwei Olympia-Silbermedaillen ein, als eines Morgens der mächtige Raiffeisen-General Christian Konrad himself bei Pruschak anrief: "Da gibt's diesen Rogan. Kann man da was machen?" Pruschak konnte. Doch Rogans Vertrag (Laufzeit: vier Jahre) kostet nun 330.000 Euro pro Jahr.

Gut investiertes Geld, wie sich zeigt: Jetzt ist Rogan doppelter Europa- und Vizeeuropameister. OSV-Präsident Schauer: "Der Leo scheut sich nicht, hausintern Widerstand zu leisten. Er hat damit das Image der Bank sehr klug auf dynamisch, modern und jugendlich korrigiert."

19.12.2004 07:19