Dienstag, 14. Dezember 2004

Mit Jahresende soll es perfekt sein: China wird drittgrößte Handelsmacht der Welt

  • Bei Energie und Transport stößt China an die Grenzen
  • Nach USA bereits zweitgrößte Ölverbraucher der Welt

China rückt zur drittgrößten Handelsmacht der Erde auf. Schon bis November überschritt die Summe der Exporte und Importe in diesem Jahr die Rekordmarke von einer Billion US-Dollar. Das Außenhandelsministerium in Peking ist zuversichtlich, dass die heute schon sechstgrößte Volkswirtschaft der Erde am Jahresende nach den USA und Deutschland auf Platz drei der großen Handelsnationen stehen und damit sogar Japan überholt haben wird.

Vor allem im Energiebereich und im Transport stößt China an die Grenzen seines Wachstums. China ist nach den USA der zweitgrößte Ölverbraucher und hat mit den hohen Preisen zu kämpfen, die den Inflationsdruck verstärken. Unverändert drohen Überinvestitionen. Die Anlageinvestitionen sind mit 26 Prozent in den ersten zehn Monaten noch nicht unter die Zielmarke 20 Prozent gedrückt. Der engste Führungszirkel, das Politbüro, gab jetzt den Kurs einer "aktiven bis vorsichtigen" Finanzpolitik für das neue Jahr vor.

Chinesische Währung wird nicht aufgewertet
Eine Lockerung der Bremspolitik wird es damit nicht geben. Neuverschuldung und Staatsausgaben in Infrastrukturprojekte werden weiter gekürzt. Die Kredite bleiben knapp, doch will die Führung neben administrativen Methoden zunehmend marktwirtschaftliche Mittel wie die Zinspolitik zur makroökonomischen Kontrolle heranziehen. Forderungen der USA, die fest an den US-Dollar gebundene chinesische Währung aufzuwerten oder eine größere Handelsspanne einzurichten, erteilte Peking eine klare Absage.

Experten zeigten auch auf, dass es eher die Dollarschwäche und die billigen chinesischen Arbeitskräfte seien, die Chinas Importe in die USA so günstig machten. Vor einer Neubewertung seiner Währung will China erst stabilere Marktmechanismen und ein gesundes Finanzsystem schaffen, das noch einen Berg fauler Kredite loswerden muss. Auf die Schlüsselfrage, ob es angesichts so vieler Unwägbarkeiten der chinesischen Wirtschaft eine "harte oder weiche Landung" geben werde, überraschte aber kürzlich ein hoher Finanzpolitiker mit der Antwort: "Vielleicht wird es auch gar keine Landung geben." (apa)

14.12.2004 10:42