Gehen die Autokonzerne vor Gericht? Fiat und GM erzielen wieder keine Einigung
- Turiner Autobauer will die Verkaufsoption ausüben
- General Motors reagiert verärgert auf das Scheitern
Das seit Mitte Dezember laufende Schlichtungsverfahren zwischen Fiat und seinem US-amerikanischen Partner General Motors (GM) ist gescheitert. Im Streit um die Zukunft der Autosparte des italienischen Pkw-Bauers kam es zu keiner Lösung im Tauziehen um die Verkaufsoption, die GM zum Aufkauf der Fiat-Autosparte zwingt, teilte Fiat am Mittwoch mit.
"Die Verkaufsoption ist gültig und kann in dem im Rahmen des Abkommens vorgesehenen Zeittermin ausgeübt werden", hieß es in einer Presseaussendung. Fiat unterstrich, dass die Verkaufsoption ab heute, Mittwoch, bis 24. Juli 2010 ausgeübt werden könne.
Fiat und GM hatten die Put-Option im Jahr 2000 verabredet, als der größte US-Autokonzern 20 Prozent des italienischen Herstellers übernahm. Mittlerweile ist die Autosparte von Fiat jedoch in die schwerste Krise ihrer Geschichte geschlittert. GM-Manager befürchten, die Italiener könnten den Sanierungsfall mittels der Option nun den Amerikanern aufhalsen - die in Europa jedoch mit Opel und Saab zwei eigene Problemfälle haben.
In der Presseaussendung unterstrich Fiat, dass der Verkauf einiger finanzieller Branchen von Fiat Auto und die Kapitalaufstockung der Fiat Auto Holding Bv kein Grund seien, um das im Jahr 2000 abgeschlossene Abkommen mit General Motors nicht mehr für gültig anzusehen. Vergebens hatten Fiat-Chef Sergio Marchionne und die Nummer eins von General Motors, Rick Wagoner, eine Lösung im Streit gesucht. GM hatte versucht, sich aus der Option "freizukaufen", über die genaue Summe konnte man sich jedoch nicht einigen. Medienberichten zufolge lag die Verhandlungszahl zwischen 1 und 1,5 Mrd. Euro, eine Summe, die sich GM in einer schwierigen Phase nicht leisten kann.
Da es zu keiner friedlichen Lösung für die vertrackte Vertragsklausel gekommen ist, könnten sich die beiden Parteien demnächst vor Gericht in New York wieder sehen. Das Risiko für General Motors ist groß: Sollte Fiat einen Prozess gewinnen, müsste GM sofort die Verbindlichkeiten der Autosparte im Umfang von acht Mrd. Euro übernehmen.
Tatsächlich sah die Lage bei den Fiat-Automobilen noch ganz anders aus, als vor fünf Jahren das so genannte "Master Agreement" unterzeichnet wurde. Heute schreibt die Sparte stetig rote Zahlen und die Schulden - die GM übernehmen müsste - werden auf sechs Mrd. Euro geschätzt. Für die Amerikaner kein gutes Geschäft. Deshalb pochen sie darauf, die Italiener hätten durch eine nicht vereinbarte Kapitalerhöhung und den Verkauf von wichtigen Unternehmensteilen den Vertrag gebrochen.
General Motors reagierte verärgert auf das Scheitern des Schlichtungsverfahrens mit dem italienischen Partner. "Wir sind der Ansicht, dass die Verkaufsoption ungültig ist, weil Fiat das Master Agreement verletzt hat", sagte GM-Sprecher Jerry Dubrowski. Die Gewerkschaften in Italien zeigten sich wegen des Streits zwischen GM und Fiat besorgt. "Die Ungewissheit um die Zukunft der Fiat-Autosparte hält an, und die Probleme sind immer dieselben. Solange die finanzielle Lage nicht geklärt ist, bleibt Fiats Lage auf gefährliche Weise prekär", betonte der Sprecher des Gewerkschaftsverbands FIM, Giorgio Caprioli.
Die Fiat-Aktien an der Mailänder Börse gerieten am Mittwoch arg unter Druck. Die Fiat-Aktie verlor zu Verhandlungsbeginn über fünf Prozent und sank auf 5,88 Euro. In den vergangenen Tagen hatten die Fiat-Aktien in der Hoffnung auf eine Einigung zwischen den beiden Autobauern kräftig zugelegt.
(apa)
Euro-Krise Spanien16:18
Spanien am AbgrundRettung einer maroden Großbank stößt Spanien tief in den Strudel der Euro-Krise
Steiermark19:54
Tödlicher TauchgangFrau fährt in einen Wasserkanal der Mur. Lenkerin wird nur noch tot geborgen.
EURO 2012 Deutschland19:32
EM ohne DraxlerLöw sortiert vier Spieler aus dem Teamkader aus. Auch Stürmer Cacau nur Zuseher.

