Donnerstag, 16. Dezember 2004

"Der Ball liegt bei Toni": Polster muss für Rückkehr zur Austria nur noch abstauben

  • Keine Degradierung von Kronsteiner und Söndergaard
  • Stronach will Leute, "die vom Fußball was verstehen"

Was Toni Polster über seine mögliche Rückkehr zu FK Austria Magna aus Bischofshofen hatte wissen lassen, das bestätigte keine 24 Stunden später in Utrecht auch Andreas Rudas. "Es gibt noch keine Entscheidung, es ist nichts unterschrieben, die konkrete Funktion und der Arbeitsbeginn stehen auch noch nicht fest. Der Ball liegt bei Toni, er muss sein Okay geben", erklärte der Austria-Vize-Präsident vor dem finalen Gruppe-C-Spiel zum Fußball-UEFA-Cup gegen den niederländischen Tabellensechsten.

Austria-Mäzen Frank Stronach, der den einstigen Torjäger schon vor dem Schachner-Engagement vor zwei, drei Jahren zurückholen wollte, hat Polster ein Angebot unterbreitet und die Verhandlung jetzt zur Chefsache gemacht. "In dieser Phase der Verhandlungen ist niemand dabei, nur Frank und Toni reden darüber miteinander", sagte Rudas zu den Bemühungen seines Chefs, die Identitätsfigur für die violetten Gemeinde zu gewinnen. Sobald der Magna-Magnat, der sich derzeit wieder in Übersee befindet, und Polster Einigung erzielt hätten, würde der Abschluss bekannt gegeben.

"Frank will sein Geld im Verein effizienter einsetzen, die Zügel mehr in die Hand nehmen und Entscheidungen selbst treffen. Und dazu möchte er als Grundlage die Meinungen von mehren Fachexperten hören. Deshalb holte er Frenkie Schinkels als Chef-Scout und möchte er auch den Toni", so Rudas, der Kommunikationschef im Magna-Konzern. Stronach wolle das violette Herz stärken.

Stronach will Leute, "die vom Fußball was verstehen"
Der Multi-Millionär möchte einfach mehr Leute um sich haben, die vom Fußball etwas verstehen. "Wir sind personell nur scheinbar stark, in Wirklichkeit mit hauptamtlichen Mitarbeitern schwach besetzt. Toni hat in Gladbach, wo sie ihn weiter verpflichten wollten, viel Marketing-Erfahrung gesammelt und kennt sich im Fußball aus", meint der Austria-Vize zum Buhlen um den Ex-"Goalster". Rudas-Kollege Peter Pelinka merkte an, dass die Fans eine Polster-Rückkehr begrüßen, aber sich fragen, was der Toni in Favoriten genau machen soll.

Der zweite Vize-Präsident liefert die Antwort gleich mit und spricht aus, was sich viele denken: "Andere Leute dürften nicht ausgehebelt werden." In der Vorwoche hatte sich auch die Hauptversammlung einstimmig hinter die derzeitige sportliche Führung mit Sportdirektor Günter Kronsteiner und Trainer Lars Söndergaard gestellt und ihr auch das Vertrauen für die Zukunft ausgesprochen. Etwaige Befürchtungen, die Zwei würden die Austria verlassen müssen, wenn Toni kommt, räumte Rudas umgehend aus.

Kronsteiner und Söndergaard dürfen bleiben
"Sie werden nicht degradiert und es war auch nie ein Thema, sie nicht weiter zu verpflichtet", so der Magna-Angestellte. Die Verträge mit dem Steirer und dem Dänen laufen im Sommer aus, im Februar soll mit ihnen über eine Verlängerung geredet werden. "Frank ist mit ihnen sehr zufrieden, zollte ihnen Lob in allen Bereichen." Die Austria möchte aber noch erfolgreicher sein und benötigte daher eine noch größer Zahl an gleichwertigen Spielern. Dafür habe Kronsteiner aber zu wenig Zeit.

Darum sollen sich Schinkels als Chef-Scout für die Kampfmannschaft und Manfred Kern (jetzt für den Nachwuchs zuständig) verstärkt kümmern. Schinkels soll Kandidaten mit Charakter und Potenzial langfristig, intensiv beobachten, möglichst günstig und nicht über Manager für den Verein lukrieren. "Toni Polster wird dabei ein Wort mitzureden haben", skizzierte Rudas. Ob die Tage des derzeitigen Duos gezählt sind, wird die Zukunft weisen. (apa/red)

16.12.2004 13:54