Sonntag, 19. Dezember 2004

Ski alpin: Deutscher Chefcoach Margreiter glaubt an Initialzündung für DSV-Herren

  • Rauffer-Sensation: "Wird uns ganz viel Auftrieb geben"
  • Markus Wasmeier zieht vor dem Gröden-Sieger den Hut

Der sensationelle Abfahrtssieg von Max Rauffer in der Weltcup-Abfahrt am Samstag in Gröden hat im deutschen Herren-Ski-Team für viel Erleichterung und Zuversicht gesorgt. Der Österreicher Werner Margreiter, als DSV-Herren-Cheftrainer seit Sommer 2003 als "Entwicklungshelfer" im Amt, glaubt an eine "Initialzündung" für sein Team. "Das wird uns ganz viel Auftrieb geben", freute sich der Tiroler.

Rauffer erhielt auch von seinem Vorgänger Markus Wasmeier großes Sonderlob, Wasmeier hatte vor fast 13 Jahren den bis Samstag letzten Weltcup-Erfolg der DSV-Herren eingefahren. "Ich ziehe vor ihm den Hut. Seine Leistung kann man nach all den Verletzungen gar nicht hoch genug bewerten", meinte Wasmeier. Rauffers Coup war erst der sechste deutsche Abfahrtssieg der Weltcup-Geschichte. Vor ihm hatten neben Wasmeier (zwei Siege) nur noch Sepp Ferstl (zwei Siege) und Franz Vogler (ein Sieg) in der alpinen "Königsdisziplin" gewonnen.

Dass der Wind auf der Saslong-Piste tatkräftig geholfen hatte, war dem 32-jährigen Überraschungssieger total egal: "Ich habe mich nur auf mein Rennen konzentriert. Ich wusste, dass ich gut Skifahren kann. Jetzt habe ich es allen gezeigt. Das ist ein wunderschönes Gefühl."

Wende zum Positiven oder Eintagsfliege?
Genau ein Jahr nach seinem Kreuzbandriss an gleicher Stelle wurde der schon als Bruchpilot abgeschriebene Rauffer zum Triumphator. Ob Rauffers bisher so bittere Karriere nun eine positive Wendung nimmt oder der Coup von Gröden ein einmaliger Glücksmoment war, bleibt abzuwarten. "Ich will mich an die ganzen Rückschläge nicht mehr erinnern. Was für mich zählt ist heute dieser Sieg", sagte der Oberbayer. "Ich kenne wenige, die im vierten Rennen nach einem Kreuzbandriss einen Sieg einfahren", lobte Cheftrainer Margreiter.

Vom doppelten Halswirbelbruch bis zu schwersten Knieverletzungen - alle Rückschläge hat Rauffer verdaut. Doch als Wasmeiers potenzieller Nachfolger sei der Druck oft zu groß gewesen. "Die letzten Jahre waren nicht immer einfach", sagte Rauffer, der wie einige Kollegen im Vorjahr eine Kaution von 10.000 Euro als Leistungsgarantie an den Deutschen Skiverband hatte zahlen müssen und einen Winter zuvor sogar in den Europacup zurückgestuft worden war.

Die 6 deutschen Herren-Abfahrts-Siege der Weltcup-Geschichte:
* 26. Februar 1972, Crystal Mountain: Franz Vogler
* 21. Jänner 1978, Kitzbühel: Sepp Ferstl
* 20. Jänner 1979, Kitzbühel: Sepp Ferstl
* 17. Jänner 1987, Wengen: Markus Wasmeier
* 11. Jänner 1992, Garmisch: Markus Wasmeier
* 18. Dezember 2004, Gröden: Max Rauffer

(apa/red)

19.12.2004 10:46