Freitag, 17. Dezember 2004

Skandal im ÖSV-Lager: Hans Knauß lieferte
Ende November positive Dopingprobe ab!

  • Zu hoher Nandrolonwert bei Kontrolle in Lake Louise
  • Österreichs Skiverband forderte nun eine B-Probe an

Wenige Stunden nach dem Dreifacherfolg der österreichischen Ski-Herren im Super G von Gröden hat es im ÖSV-Lager einen negativen Knalleffekt gegeben. Der ÖSV gab am Freitagabend bekannt, dass der Steirer Hans Knauß nach der Weltcup-Abfahrt am 27. November 2004 eine positive Dopingprobe abgeliefert hat. Der ÖSV hat nun eine B-Probe angefordert. Die Probe des Schladmingers wies einen Nandrolonwert von 4,2 Nanogramm auf, erlaubt sind lediglich 2,5.

Der ÖSV unter Alpinchef Hans Pum wurde bereits am Mittwoch von der positiven A-Probe des 33-Jährigen informiert. Knauß ließ daraufhin das Donnerstag-Training in Gröden aus, flog nach Wien und gab dort im Institut von Karl-Heinz Demel eine neuerliche Probe ab. Diese brachte im Gegensatz zur Lake-Louise-Probe ein negatives Ergebnis.

Knauß, Sieger von sieben Weltcup-Rennen, reagierte "wie vom Blitz getroffen", auch im ÖSV-Lager herrschte Ratlosigkeit. "Ich habe absolut keine Ahnung, wie das passieren konnte und wo das her kam. Jetzt gilt es zu recherchieren, warum und wieso das passieren konnte. Mein wichtigstes Ziel ist nun, zu erklären, dass ich nicht vorsätzlich gedopt habe", lautete die erste Reaktion des Olympia-Silbermedaillengewinners von 1998 (Super G).

Bakterien als Grund für überhöhten Wert?
Laut Knauß, der am Freitag im Gröden-Super-G Sechster war, gibt es zwei Möglichkeiten, wie es zu der positiven Probe kommen konnte. Knauß hatte in Lake Louise über starke Kiefer- und Zahnschmerzen geklagt, der überhöhte Wert könnte durch die Bakterien verursacht worden sein. Das bestätigt auch ÖSV-Ärztin Brigitte Auer: "Es könnte sein, dass das Hormon endogen produziert worden ist." Die zweite Variante ist ein verunreinigtes Nahrungsergänzungsmittel.

Außer Frage steht innerhalb des ÖSV, dass es sich lediglich um ein "Missgeschick" handeln kann. "Ich kenne Hans Knauß so lange, dass ich mit ruhigem Gewissen und hundertprozentiger Sicherheit behaupten kann, dass das keine Absicht war", legt sich Alpinchef Pum fest.

Knauß geschockt: "Extrem unangenehm"
Auch Knauß versichert, niemals wissentlich gedopt zu haben. "Das Ganze hat mir einen großen Schock versetzt. Mein wichtigstes Ziel ist nun, zu erklären, dass ich nicht vorsätzlich gedopt habe. Ich möchte klarstellen, dass es nur um meine Person geht und nichts mit der restlichen Mannschaft zu tun hat. Deswegen habe ich mich auch der Öffentlichkeit gestellt. Für mich ist das extrem unangenehm, aber ich muss damit leben."

Angesichts der geringen Überschreitung des erlaubten Wertes sei laut ÖSV-Ärztin Auer eine leistungssteigernde Wirkung auszuschließen. "Der Wert ist so wenig überhöht, dass wissenschaftlich nachgewiesen werden kann, dass es keinerlei leistungssteigernden Effekt gegeben hat. Es liegt mit Sicherheit kein bewusstes Doping vor, denn sonst wäre der Wert viel höher gewesen", so Auer. Ein vielsagendes Beispiel ist der positiv getestete US-amerikanische Kugelstoßer C.J. Hunter, der im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 2000 den Nandrolon-Grenzwert gleich um das Tausendfache überschritten hatte.

Bereits zweiter "Dopingfall" im Jahr 2004
Für die ÖSV-Alpinen ist es der zweite "Dopingfall" im Jahr 2004. Im April war ein positiver Dopingtest von Rainer Schönfelder aufgetaucht, der Kärntner hatte wegen einer Verkühlung ein vermeintlich erlaubtes Mittel eingenommen, das allerdings die verbotene (stimulierende) Substanz Etilefrin enthalten hatte. Der positive Test war nach den nationalen Slalom-Staatsmeisterschaften am 27. März abgegeben worden. Im Sommer war der regierenden Slalom-Weltcup-Sieger dann mit der geringstmöglichen Strafe davon gekommen, gegen den Kärntner wurde eine Verwarnung ausgesprochen.

Wie es nun im "Fall Knauß" weitergeht, ist offen. Fix ist nur, dass der Steirer am Samstag in der Abfahrt in Gröden nicht an den Start gehen wird. Danach wird man ÖSV-intern beraten und auf die B-Probe warten. "Die entsprechenden Gremien werden nun entscheiden, wie es weiter geht", stellte Pum klar. (apa/red)

17.12.2004 22:13