Max Rauffer holt sich die Gröden-Abfahrt: Österreicher wurden vom Winde verweht
- Grugger als bester rot-weiß-roter Läufer Dritter
- Maier zwei Sekunden zurück - Miller auch abgeschlagen
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ABSTIMMEN: ÖSV-Stars gegen den Rest der Welt
Die fast 13 Jahre andauernde Durststrecke der deutschen Ski-Herren ist am Samstag zu Ende gegangen. Max Rauffer entschied den von starkem Wind geprägten Abfahrtsklassiker in Gröden sensationell für sich, das völlig überraschende Ergebnis machten der Schweizer Jürg Grünenfelder (+0,05 Sekunden) und der Salzburger Johann Grugger (0,13) mit den Plätzen zwei und drei perfekt. Olympiasieger Fritz Strobl (AUT) wurde Vierter.
Für Rauffer, der im Laufe seiner Karriere von zahlreichen Verletzungen aus der Bahn geworfen worden war, war es der erste Weltcup-Sieg, für die deutschen Herren der erste seit 11. Jänner 1992 - damals hatte Markus Wasmeier in Garmisch-Partenkirchen eine Abfahrt gewonnen. Topfavorit Antoine Deneriaz (FRA/9.), Gesamt-Weltcup-Leader Bode Miller (USA/14.) und die ÖSV-Stars Michael Walchhofer (20.) und vor allem Hermann Maier (37.) wurden hingegen auf der auf Grund der starken Böen um rund 300 Meter verkürzten Strecke vom Winde verweht.
Sieg am Ort des Verletzung-Schreckens
"Ich habe versucht, im Rennen das zu geben, was in mir steckt, und das ist mir auch gelungen", meinte Sieger Rauffer, dessen bis dahin beste Weltcup-Platzierung ein dritter Platz bei der Abfahrt von Kvitfjell im März 2000 war. Dazwischen lagen mehrere Verletzungen (u.a. zwei Wirbelbrüche), genau vor einem Jahr hatte sich Rauffer ausgerechnet in Gröden das Kreuzband gerissen, damit schien die Karriere des 32-Jährigen schon vorbei zu sein. "Ich habe schwierige Jahre hinter mir", war Rauffer nach seinem Ritt mit der "Glücksnummer 13" und dem Comeback überglücklich.
Auch Hermann Maier beobachtete den deutschen Erfolg wohlwollend. "Ich hoffe, dass die Deutschen den neuen Boom ausnützen und 130.000 Zuschauer nach Kitzbühel kommen."
Grugger von drittem Platz überrascht
Über den zweiten Podestplatz seiner Karriere freute sich der Bad Hofgasteiner Grugger. "Das kam sehr, sehr überraschend. Ich hatte mir ein Top-20-Ergebnis zum Ziel gesetzt", so der 23-Jährige, der über ein "befreiendes, verfrühtes Weihnachtsgeschenk" jubelte. Dass Grugger auf der berüchtigten Saslong-Strecke vom Wind begünstigt wurde, ließ er nur teilweise gelten: "Sicher hatte ich Glück, aber unten, speziell auf der Ciaslat-Wiese, bin ich auch sehr sauber gefahren."
"Auf der glücklichen Seite der Windlotterie" wähnte sich auch Olympiasieger Strobl. "Ein spannendes Rennen, aber leider auch eine Lotterie. Für mich wäre mehr, aber auch sehr viel weniger möglich gewesen." Gesamt-Weltcup-Sieger Hermann Maier verteilte zwar im Zielraum Handküsschen ans zahlreich erschienene Publikum, war aber vom Rennen alles andere als angetan: "Das war irregulär, aber das waren schon viele Rennen."
Auch Rückenwind hat Maier in schlechter Erinnerung
Ein Rennen mit Rückenwind für den "Herminator" hat es laut eigenen Angaben erst ein Mal gegeben. "In Nagano. Und das hat fatal geendet", erinnert der Salzburger an seinen "Jahrhundersturz" bei Olympia 1998. Bode Miller nahm Rang 14 gelassen: "Ich wusste, dass die Würfel für einen so und für den anderen so fallen würden. Ich hatte heute keine Chance, der Wind hat extrem geblasen." Auch Abfahrtsweltmeister Michael Walchhofer, der sich beim Super-G-Sieg am Samstag das Kreuz verrissen hatte und deshalb Schmerztabletten schluckte, blieb gelassen: "Ich habe rasch gemerkt, dass nichts geht. Das passiert."
Reh hätte Ghedina beinahe gestoppt
Den fünften Sieg auf der Saslong klar verpasst hat der italienische Lokalmatador Kristian Ghedina als Zwölfter. Dafür hatte der Haudegen auf dem Zielhang beinahe ein unsanftes Zusammentreffen mit einem Reh, dass Minuten später von einem Streckenarbeiter eingefangen wurde. "Ich habe das Reh gesehen, das war ein Fan von mir. Ich habe schon überlegt, ob ich ihm nachfahre und fange", so Ghedina, der in Kitzbühel 2004 bei der Abfahrt für eine spektakuläre Grätsche bei 130 km/h gesorgt hatte. Mit dem verpassten Sieg hat Ghedina seine Wette mit Franz Klammer (ebenfalls vierfacher Gröden-Sieger) verloren, das fällige gemeinsame Eisverkaufen am Rande des Wörthersees wird an einem warmen Sommertag über die Bühne gehen.
| Ergebnisse Weltcup-Abfahrt der Herren am Samstag in Gröden: | ||||
| 1. | Max Rauffer | GER | 1:50,59 Min. | |
| 2. | Jürg Grünenfelder | SUI | 1:50,64 | +0,05 Sek. |
| 3. | Johann Grugger | AUT | 1:50,72 | +0,13 |
| 4. | Fritz Strobl | AUT | 1:51,03 | +0,44 |
| 5. | Kjetil-Andre Aamodt | NOR | 1:51,26 | +0,67 |
| 6. | Patrik Järbyn | SWE | 1:51,30 | +0,71 |
| 7. | Bryon Friedman | USA | 1:51,40 | +0,81 |
| 8. | Norbert Holzknecht | AUT | 1:51,58 | +0,99 |
| 9. | Antoine Deneriaz | FRA | 1:51,59 | +1,00 |
| 10. | Kurt Sulzenbacher | ITA | 1:51,70 | +1,11 |
| 11. | Erik Guay | CAN | 1:51,73 | +1,14 |
| 12. | Kristian Ghedina | ITA | 1:51,78 | +1,19 |
| 13. | Werner Franz | AUT | 1:51,84 | +1,25 |
| 14. | Bode Miller | USA | 1:51,85 | +1,26 |
| . | Daron Rahlves | USA | 1:51,85 | +1,26 |
| 16. | Didier Defago | SUI | 1:51,87 | +1,28 |
| 17. | Nicolas Burtin | FRA | 1:51,92 | +1,33 |
| 18. | Finlay Mickel | GBR | 1:51,98 | +1,39 |
| 19. | Marco Büchel | LIE | 1:51,99 | +1,40 |
| 20. | Michael Walchhofer | AUT | 1:52,07 | +1,48 |
| 21. | Christoph Kornberger | AUT | 1:52,08 | +1,49 |
| 22. | Didier Cuche | SUI | 1:52,15 | +1,56 |
| 23. | Aksel Lund Svindal | NOR | 1:52,18 | +1,59 |
| 24. | Justin J. Johnson | USA | 1:52,21 | +1,62 |
| 25. | David Poisson | FRA | 1:52,26 | +1,67 |
| 26. | Bruno Kernen | SUI | 1:52,27 | +1,68 |
| 27. | Mario Scheiber | AUT | 1:52,53 | +1,94 |
| 28. | Scott Macartney | USA | 1:52,63 | +2,04 |
| 29. | Florian Eckert | GER | 1:52,65 | +2,06 |
| 30. | Bjarne Solbakken | NOR | 1:52,68 | +2,09 |
| weiter: | ||||
| 37. | Hermann Maier | AUT | 1:52,82 | +2,23 |
| 40. | Christoph Gruber | AUT | 1:52,86 | +2,27 |
| 49. | Klaus Kröll | AUT | 1:53,56 | +2,97 |
| 50. | Thomas Graggaber | AUT | 1:53,59 | +3,00 |
(apa/red)
