Strafprozess auf Kurs: Chiles Ex-Diktator Pinochet formell unter Hausarrest gestellt
- "amnesty" begrüßt Entscheidung für Prozess
- Entführung in neun Fällen und ein Mord vorgeworfen
Der frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet ist im Rahmen des Strafprozesses gegen ihn unter Hausarrest gestellt worden. Das ordnete der Richter Juan Guzman an, der dem 89-Jährigen Mord und Entführung im Zusammenhang mit der Aktion Condor während der Diktatur (1973-1990) vorwirft. Pinochet, dessen Einspruch gegen die Anklage am Vortag vom Obersten Gericht zurückgewiesen worden war, darf seinen Landsitz in Los Boldos 130 Kilometer nordwestlich von Santiago nun nicht mehr verlassen.
Pinochet hatte bereits vom 31. Jänner bis zum 12. März 2001 unter Hausarrest gestanden, als Guzman ihn wegen der Ermordung inhaftierter Regimegegner durch die so genannte Todeskarawane unter Anklage gestellt hatte. Damals wurde das Verfahren jedoch wegen Verhandlungsunfähigkeit Pinochets eingestellt. Ob es dieses Mal zu einem Prozess kommt, ist wegen angekündigter Rechtsmittel der Verteidigung und angesichts des hohen Alters Pinochets völlig offen.
Die Menschenrechtsorganisation "amnesty international" hält es für vorbildlich, dass sich Pinochet nun doch noch vor Gericht verantworten soll. Amnesty bezeichnete Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in London als einen "entscheidenden Schritt in Richtung Gerechtigkeit". Die strafrechtliche Verfolgung Pinochets sei ein Vorbild für andere Regierungen Südamerikas, die sich in den 70-er und 80-er Jahren ebenfalls "schrecklichster Menschenrechtsverletzungen" schuldig gemacht hätten.
Untersuchungsrichter Guzman wirft Pinochet Entführung in neun Fällen und einen Mord im Rahmen der "Aktion Condor" vor. Mit ihr hatten mehrere Militärdiktaturen Südamerikas in den 70er Jahren unter Führung Chiles den Staatsterror gegen Regimegegner grenzübergreifend organisiert und zahlreiche Menschen verschleppt und später umgebracht. (apa/red)
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