Samstag, 18. Dezember 2004

Heftiger Sturm über Frankreich: Orkan zieht eine blutige Spur quer durchs Land

  • Mindestens sieben Tote - Schäden auch in der Schweiz

Beim schwersten Herbststurm in.Frankreich seit dem Jahrhundert-Orkan von 1999 sind mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. Fünf Autofahrer und Spaziergänger starben durch umstürzende Bäume, zahlreiche andere wurden verletzt. Ein Mann wurde bei Paris vom Dach geweht, ein weiterer erlitt einen Herzstillstand. Außerdem wurden drei Personen noch vermisst und könnten beim Schiffbruch eines Segelbootes ertrunken sein. Das war die Bilanz der französichen Rettungskräfte vom Samstag.

Zu Schäden kam es auch in der Schweiz. Auf dem Jungfrauenhjoch wurden beispielsweise Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 Stundenkilometer gemessen. Der Sturm war überraschend mit Windstärken bis 150 Stundenkilometer über Nordfrankreich hinweg gefegt. Beim Weihnachtssturm 1999 waren bei Windstärken bis 200 Stundenkilometer sogar 92 Menschen umgekommen.

Vor allem in der Picardie nördlich von Paris war die Lage am Samstag noch angespannt. Zahlreiche Einsatzkräfte waren unterwegs, um umgestürzte Bäume von Schienen und Straßen zu räumen und gekappte Stromverbindungen zu reparieren. Rund 63.000 der 400.000 Haushalte, für die am Freitag die Stromversorgung zusammengebrochen war, waren auch am frühen Nachmittag noch ohne Elektrizität. Auf der Brotonne-Brücke in der Normandie musste ein umgestürzter Sattelschlepper geborgen werden. Auch Wohnmobile wurden von Böen umgeworfen.

Zugverbindungen gestört
Während der Pariser Flugverkehr wieder reibungslos funktionierte, waren die Zugverbindungen Richtung Charleville und Metz noch stark beeinträchtigt. Selbst über Paris war der Wind am Freitag noch mit Tempo 110 gefegt; eine Autofahrerin wurde in der Stadt von einem umstürzenden Kastanienbaum erschlagen. Die Wetterwarte hatte am Freitag erst um 14.00 Uhr eine Sturmwarnung "Orange" für die Metropole ausgegeben.

Der Sturm, der am Freitag in Frankreich verheerende Schäden anrichtete, hat in der Nacht auf Samstag auch die Schweiz berührt. Auf dem Jungfraujoch wurde Böen bis 170 km/h gemessen. Im Kanton Basel-Land entwurzelte der Wind elf Bäume. Durch Leitungsschäden kam es in neun Gemeinden zu Stromausfällen. Auf für die Nacht auf Sonntag wurde mit Stürmen gerechnet.

In Deutschland ließ ein umgestürzter Baum bei Hagenbach in Rheinland-Pfalz Freitagabend einen Regionalzug entgleisen. Neun Personen wurden leicht verletzt. In Bayern kam es in der Nacht auf Samstag durch Schneefall und Glatteis zu zum Teil erheblichen Verkehrsbehinderungen.

In Österreich gab es Samstag Vormittag zum Teil starke Windböen. Im Burgenland - so ein Sprecher der Hohen Warte in Wien - wurden dabei Geschwindigkeiten von bis zu 94 Stundenkilometer registriert. (apa/red)

18.12.2004 13:23