Mittwoch, 15. Dezember 2004

Rassismusvorwurf gegen Linzer Polizei: Mann als "Scheißneger" beschimpft

  • Beamte sollen sich auf 20-Jährigen gekniet haben
  • Pilzeidirektor verteidigt: Nicht brutal vorgegangen

Rassismusvorwürfe erhebt ein 20-jähriger dunkelhäutiger Linzer gegen die Polizei. Wie eine Zeitung am Mittwoch berichtet, soll der Mann nach eigenen Angaben von Beamten beschimpft und verletzt worden sein.

Polizeidirektor Walter Widholm erklärte, der Mann habe sich in eine Schlägerei eingemischt, bei der Amtshandlung sei man nicht brutal vorgegangen, "auch die rassistischen Beschimpfungen haben die Beamten stets bestritten". Im Vormonat wurde der 20-Jährige u.a. wegen schwerer Körperverletzung verurteilt.

Im April sei in einem Linzer Lokal eine Schlägerei im Gang gewesen, woraufhin er es sofort verlassen hätte, erzählte der 20-Jährige im "Standard". Wenige Meter weiter seien er und sein Freund jedoch von der Polizei gestoppt worden. Ein Beamter hätte seinen Begleiter am Arm gepackt, als sich dieser vor Schmerzen wand, hätten sie Verstärkung angefordert. "Obwohl uns Zeugen entlasteten, wurden wir verhaftet", erklärte der Linzer. Auf dem jungen Mann seien fünf Beamte gekniet, als er sagte, er bekomme keine Luft, habe es geheißen "Wennst no deppert reden kannst, kriegst auch Luft" und "ich 'Scheißneger' soll mich wieder 'in den Kongo schleichen'", sagte der 20-Jährige. Dann seien die beiden Männer über Nacht inhaftiert gewesen. Ihr Sohn hätte Hämatome, Würgemale und Unterhautblutungen erlitten, so die Mutter des Linzers.

In einem Gerichtsverfahren im November sei der Mann in erster Instanz wegen schwerer Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt verurteilt worden. Weil sich ein beteiligter Polizist einen Daumen verstaucht habe, sei er zudem zu einem Schmerzensgeld von 150 Euro verurteilt worden, berichtete die Mutter. Eine Berufung gegen das Urteil sei "bereits fix".

"Es hat in dieser besagten Nacht eine Massenschlägerei gegeben, in die sich der junge Mann eingemischt hat", so Polizeidirektor Widholm. Trotz mehrmaliger Aufforderung hätte er sich nicht entfernt, dann sei es zur Amtshandlung gekommen. Diese sei laut Widholm mit Sicherheit "nicht so brutal" gewesen. Eine Prüfung des Unabhängigen Verwaltungssenats (UVS) hätte die Amtshandlung ebenfalls als gerechtfertigt angesehen.
(apa)

15.12.2004 10:44