Mittwoch, 15. Dezember 2004

"Pensionsharmonisierung" ist das "Wort des Jahres 2004": Entscheidung ist gefallen

  • Wort spricht den Österreichern aus der Seele
  • "Bubendummheiten" wurde zum Unwort gewählt

"Pensionsharmonisierung" wurde zum Wort des Jahres 2004 gekürt. Diese Wortzusammensetzung spreche - so die sechs Mitglieder der Fachjury rund um Univ.-Prof. Rudolf Muhr vom Institut für Germanistik der Universität Graz - wichtige Elemente der "österreichischen Seele" an. Zum Unwort des Jahres wurde der vom St. Pöltner Altbischof Kurt Krenn geprägte Ausdruck "Bubendummheiten" gewählt.

Eine Schlagzeile der "Kleinen Zeitung", nämlich "Der Glücksfall namens PISA: Endlich ist Bildung ein Thema", wurde "Ausspruch des Jahres".

"Ein einziges Wort verrät uns manchmal die Tiefe eines Gemüts, die Gewalt eines Geistes", so die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916). "Pensionsharmonisierung" verrate einiges aus der Tiefe des österreichischen Gemüts, weiß Muhr. "Gemütlichkeit, Harmonie und das Bedürfnis, früh in Pension zu gehen" seien den Österreichern zu tiefst eigene Wünsche, merkt der Germanistikprofessor an. Allerdings wäre das nicht der einzig ausschlaggebende Grund für die Wahl zum Wort des Jahres gewesen.

In ihrer Begründung gab die Jury folgende weitere Punkte an: Die Pensionsreform und die damit verbundene Angleichung der verschiedenen Pensionssysteme geisterte das ganze Jahr über durch öffentliche Diskussionen und Medien - die Bezeichnung "Pensionsharmonisierung" kam in 6.150 Artikeln österreichischer Tageszeitungen vor, wie Muhr in Kooperation mit der APA - Austria Presse Agentur ermittelte. Raffiniert und tückisch sei die Wortzusammensetzung insofern, weil sie positiv klinge und dadurch die eigentliche Aussage - die Kürzung der Pensionen - verschleiere. Überdies ist "Pension" ein Austriazismus, also ein österreichspezifisches Wort, dem in Deutschland und der Schweiz das Wort "Rente" gegenübersteht. Nicht zuletzt sei die "Pensionsharmonisierung" zum Wort des Jahres gekürt worden, weil sie als solche alle Berufstätigen betreffe und sie die meisten der rund 1.500 abgegebenen Internetstimmen erhalten habe.

Untrennbar mit der ehemaligen Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) verbunden ist das zweitbeliebteste österreichische Wort - das "Kampflächeln" - dicht gefolgt von "Tortung". Beim Unwort des Jahres fiel die Wahl mit großer Mehrheit auf die verniedlichende Bezeichnung "Bubendummheiten". Mit diesem durch Altbischof Krenn geprägten Ausdruck seien "in patriarchalischer Manier" und "in großväterlich wohlwollendem Ton" schwere Verfehlungen im Zusammenhang mit Kinderpornografie verharmlost worden, hieß es in der Begründung der Jury. Der Ausspruch des Jahres stammt aus der "Kleinen Zeitung" und stellt - nach Meinung der Jury völlig zu recht - fest, dass die schlechten Ergebnisse der PISA-Studie für das Land ein Glücksfall sind, da endlich wieder über Bildung und Schule gesprochen werde. (apa)

15.12.2004 14:00