Haders Wandlung: Das neue Programm des Kabarett-Stars

Hader muss weg: Im neuen Programm spielt Hader einen sehr bösen Kabarettisten und eine Hand voll Durchschnittsmenschen.
Dass ein Wiener Kulturkonsument mit Neid statt mit wasserköpfiger Präpotenz nach Tirol blicken könnte, erscheint unvorstellbar. In diesen Tagen aber wird das Unvorstellbare Wirklichkeit. Während man sich in der Bundeshauptstadt
mit Existenziellem wie Ist die Punschhütten-Vergabe verfassungswidrig?, Ist Alfred Gusenbauer startklar? oder Wissen Österreichs Schüler, wo Pisa liegt? martert, wissen die Tiroler, worum es wirklich geht. Nämlich: was im neuen Programm von Josef Hader passiert.
Endlich neu. Ein paar Privilegienritter durften ES dort vorab in Augenschein nehmen, das neue, lang erwartete Kabarettprogramm mit dem radikalen Titel Hader muss weg. Denn es ist Tradition, dass Hader seine neuen Programme in kleinen Kulturvereinen außerhalb Wiens ausprobiert. Darauf musste das menschliche Laborgetier lang warten, hat doch der vorherige Wurf Privat schon zehn Jahre auf dem Buckel. Selbst das Best of Hader spielt Hader wurde schon 2001 zusammengestellt.
Wer also vor der Premiere am 8. 12. im überschaubaren Theater am Alsergrund ungeduldig wurde, musste sich auf die Reise machen.
Toter Kabarettist. Hader muss weg ist mehr theatralisches Nachtstück als Kabarettprogramm. Der Kabarettist segnet nach 30 Minuten das Zeitliche. Das ist allerdings insofern verkraftbar, als es sich um ein Mehrpersonenstück handelt, in dem eine nachtschwarze Vorstadtstraße voller Gebrauchtwagenhändler, eine heruntergekommene Tankstelle, ein grindiges Lokal, ein Kuvert mit 10.000 Euro, eine Schusswaffe und zirka sieben verpfuschte Leben vorkommen. Gut die Hälfte dieser Personen geht gleichfalls über den Jordan.
Außerdem ist Haders Alter Ego auf der Bühne nicht wirklich nett. Der echte Hader ist zwar durch beharrliches Touren und Kinoerfolge wie zuletzt in den Wolf-Haas-Verfilmungen Komm, süßer Tod und Silentium zum Lieblingsschwiegersohn der Österreicher avanciert, er selbst tendiert allerdings eher Richtung Monster denn Darling. Diese älteren Herren jenseits der 40 sind alle oft sehr negativ drauf, da ist der Kabarettist keine Ausnahme. Und jetzt, mit 42 Jahren, denke ich mir, ich darf schon hie und da tun, was ich will, gibt er sich kryptisch.
Übrig bleiben in Hader muss weg zum Beispiel ein zerstrittenes Liebespaar und ein Barpianist. Alle gespielt von Hader, der sich nun in Dialogen zersprageln muss, wo er doch als Kabarettist eher auf den feinsinnigen Monolog konditioniert war. Sicher nicht einfach für einen, der von sich behauptete: Kabarettisten sind ja eher schlechte Prober, wir sind eher faule Menschen. Darum sind wir ja auch Kabarettisten geworden und nicht Theaterschauspieler.
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