Mittwoch, 8. Dezember 2004

Helden von Kiew: Das Viktor-&-Julia-Drama

  • NEWS-Exklusiv: Die Führer der Revolution in Orange im Interview

Der Machtkampf um die Ukraine geht ins Finale. Das neue Revolutions-Traumpaar im NEWS-Interview: „Wir gehen jetzt Hand in Hand den Weg zum Sieg.“

Bei der Großveranstaltung am Platz der Unabhängigkeit in Kiew stimmte die vierjährige Sophia am Samstag noch in den Jubel für ihren Vater Viktor Juschtschenko mit ein. Vierhunderttausend Menschen jubelten mit ihr dem Führer der Oppositionskoalition, „Macht des Volkes“, wie jeden Abend, frenetisch zu. Doch nun sind auch die Kleine und ihre vier Geschwister ins Fadenkreuz des Machtkampfes in der Ukraine geraten. „Meine Familie wurde während des Wahlkampfes massiv bedroht“, berichtet Oppositionsführer Viktor Juschtschenko im NEWS-Interview (siehe rechts): „Wir haben unsere Kinder in einem Haus
bei Freunden außerhalb Kiews untergebracht.“ Auch gegen Juschtschenko richteten sich die anonymen Drohanrufe. Der 50-jährige Held der orangen Revolution fürchtet um sein Leben. Dies schon seit langem.

Kandidat suchte Hilfe in Wien. Wenige Monate vor der Präsidentenwahl in der Ukraine wurde der Oppositionskandidat schwer krank. Binnen kurzer Zeit verwandelte sich der charismatische Politiker mit dem Auftreten eines Filmstars in einen von Narben zerfurchten Kranken. Die Hintergründe der dramatischen Verschlechterung seines Zustandes sind mysteriös. Er könne sich nur noch daran erinnern, dass er nach einem Abendessen mit Vertretern des ukrainischen Geheimdienstes zusammengebrochen sei. Vom 10. bis zum 18. September und auch wieder Ende des Monats wurde Juschtschenko in Wien im Rudolfinerhaus behandelt.

Was dem Oppositionskandidaten tatsächlich fehlt, blieb unklar. Sein aufgeschwollenes Gesicht, übersät von Ekzemen, bot und bietet aber Anlass für zahlreiche Spekulationen. Vor allem die Theorie, dass Juschtschenko vergiftet werden hätte sollen, wird angesichts der jüngsten Bedrohungen noch weiter genährt. Der ehemalige Chef der Nationalbank, Juschtschenko, und dessen zweite Frau Jekaterina, die dem Pass nach Amerikanerin ist, werden von ihren Gegnern als Spione des Westens diskreditiert. Auch die Unterstützung der einflussreichen Stiftung des US-Milliardärs George Soros für die Oppositionsbewegung wird als Beweis für Einmischungsversuche aus dem Ausland gewertet.

Machtkampf geht weiter. Der eindeutige Wahlfavorit Viktor Juschtschenko muss unterdessen einen zähen Nach-Wahl-Marathon durchstehen. Nachdem der Oberste Gerichtshof der Ukraine die Beschwerden wegen Wahlfälschung für bewiesen befunden hat, muss die Stichwahl ums Präsidentenamt vom 21. November wiederholt werden. Wieder soll der von Leonid Kutschma favorisierte Viktor Janukowitsch gegen Oppositionsführer Juschtschenko antreten.

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
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8.12.2004 18:36