Heeres-Opfer packen aus: Das Folterprotokoll - Wie vertuscht wurde
- Die neuen Fotos. Die Geheim-Akten der Ermittler.

Michael Kortas, 24 Jahre alt, war Grundwehrdiener in der 2. Kompanie, 1. Zug des Jägerbataillons 15 in Freistadt. Er ist eines der 64 Opfer des Freistädter Folterskandals vom 8. Oktober 2003. Seine acht Monate in der Tilly-Kaserne wird er nie vergessen.
Kortas, gebürtiger türkischer Zypriote mit griechischer Mutter und österreichischer Staatsbürgerschaft, geriet gleich zu Beginn ins Visier der Ausbildner. Sei doch froh, dass du deinen Grundwehrdienst in Österreich machen kannst und nicht in deiner Heimat. Da würds dir noch viel schlimmer gehen. Oder: Wie Sie tachinieren, so machens nur die Türken.
Kortas war Schütze am Maschinengewehr. Eine Ehre, wie sein Ausbildner, A.*, ihm immer wieder versicherte: Unter dem Führer waren die Jungs so tapfer, dass nur richtigen Ariern zugetraut wurde, das Maschinengewehr zu bedienen.
Kortas war immer einer jener Rekruten, die sich gegen das straffe Freistädter Regiment auflehnten. Was aus heutiger Sicht ein schmerzhafter Fehler war:
Am 30. April 2003, am Tag des Abrüstens, bekam er die Quittung dafür präsentiert. Zwei Kameraden, einer davon Bruder eines Ausbildners, lauerten ihm direkt vor der Kaserne auf. Jeder mit einer Gotcha-Pistole Marke Marauder bewaffnet. Wie aus dem NEWS exklusiv vorliegenden Akt 11 St 320/04 der Staatsanwaltschaft Linz hervorgeht, bekam Kortas acht bis zehn Schüsse ab: Ein Geschoss schlug knapp unter dem rechten Auge ein, sechs offene Wunden im Gesichtsbereich und am Rücken waren das Ergebnis für das Zitat nach Aktenlage und Aussage eines Täters so genannte Kameradenschwein mit miesem Charakter.
Eine Nachschau der Polizei bei einem der Täter brachte freilich noch mehr Missstände ans Tageslicht. Die Fahnder beschlagnahmten nachgeführtes Heereseigentum: ein Feldmesser 78, zwei Handgranatenbügel, 139 Patronen für das Sturmgewehr StG 77, Kaliber 5,56 mm, Knallpatronen für das Maschinengewehr 74 und eine Gewehrpatrone, Kaliber 7.62.
Warum griff das Militär nicht durch? Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte den Behörden dämmern müssen, was in Freistadt abgeht. Denn das Militärkommando wurde von der Gendarmerie verständigt, die Munition dem Heer ausgefolgt, die beiden Täter wegen Verdunkelungsgefahr vorübergehend in Verwahrung genommen, einer fasste sogar ein vorläufiges Waffenverbot aus.
Trotzdem ist nichts von den Missständen in Freistadt an die Öffentlichkeit gelangt. Kortas: Hätte ich das Video gehabt, wäre ich schon vor einem Jahr damit an die Öffentlichkeit gegangen. Aber ohne einen derartigen Beweis gab es keine Chance.
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