Asfinag hat Europpass bereits gekauft: Expansion nach Zentral- und Osteuropa
- Über Weiterverkauf entscheidet Minister Gorbach
- Europpass-Komplettübernahme "Zwischenschritt"
Die österreichische Autobahngesellschaft Asfinag wird künftig selbst das heimische Lkw-Mautsystem betreiben. Wie Aufsichtsratspräsident Johann Quendler am Donnerstag erklärte, hat die Asfinag eine Kaufoption gezogen, wonach sie den Mautbetreiber Europpass vom derzeitigen italienischen Eigentümer Autostrade per Jahresende zu 100 Prozent übernimmt.
Laut Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) will Österreich die Kooperation mit der Autostrade zwar fortsetzen. Bei der gemeinsamen Expansionen im Ausland sollen aber auch österreichische Unternehmen stärker profitieren.
Die Asfinag ist zwar bereit, einen Teil der Anteile wieder an die Autostrade zurückzugeben. Gleichzeitig sprach sich Vizekanzler Gorbach am Donnerstag aber auch für eine "prominente Beteiligung der österreichischen Industrie" an der Europpass aus. Interesse hat vor allem die A-Way, ein Joint Venture des Kärntner Bauindustriellen Hans-Peter Haselsteiner (Bau Holding Strabag) und der Raiffeisen-Gruppe, angemeldet.
In Summe soll dem Vernehmen nach mehr als die Hälfte der Europpass in österreichischer Hand bleiben, wogegen sich die Italiener im vergangenen Jahr heftig gewehrt haben. Die Asfinag selbst soll künftig zumindest rund 25 Prozent an der Europpass behalten. Wird ein Teil der Transaktion mit der Autostrade rückabgewickelt und die Italiener verkaufen direkt an A-Way, würde sich die Asfinag die Ausschreibung sparen.
Vorstellbar ist aber auch, dass die Asfinag das heimische Mautsystem künftig tatsächlich zur Gänze selbst betreibt und gemeinsam mit A-Way und Autostrade eine neue Firma zur Expansion im Ausland gründet, bestätigte Quendler. Das Parlament wird morgen, Freitag, eine Gesetzesänderung beschließen, nach der die Asfinag tatsächlich im Ausland aktiv werden kann.
Den genauen Kaufpreis für die Komplettübernahme der Europpass wollte der Asfinag-Präsident am Donnerstag nicht nennen. Er orientiere sich aber der bereits zugesicherten Betreibervergütung für die nächsten zehn Jahre - in Summe 750 Mio. Euro fix - und am Unternehmenswert, der auf unter 80 Mio. Euro geschätzt wird.
Das österreichische Lkw-Mautsystem (inklusive Lkw-Sondermauten) hat unterdessen von Jänner bis November bereits über 700 Mio. Euro - exakt 702 Mio. Euro - eingebracht. Die Mauteinnahmen seien damit rund 4 Prozent über Plan gelegen.
Besonders stark über Plan lagen die Einnahmen nach Asfinag-internen Daten (bis Oktober), die der APA vorliegen, am Brenner und am Pyhrn. Am Brenner hat die Asfinag fast 10 Prozent mehr eingenommen als erwartet, am Pyhrn 7,6 Prozent. Hintergrund waren auf beiden Strecken extrem starke Verkehrszuwächse. Am Tauern hingegen, wo sich die Verkehrssituation heuer etwas entspannt hat, sind die Mauteinnahmen rund 5 Prozent unter Plan gelegen.
(apa)
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