Dienstag, 7. Dezember 2004

Verbund: Neuer Versuch zu Stromlösung - Vorstand sieht bald mehr Streubesitz

  • Vorstand Pistauer erwartet Entscheidung für Beginn '05
  • Für 2004 sind drei Euro an Dividende geplant

Der Verbund-Vorstand, der Bedenken hat gegen die heimische Stromehe "ÖSL", setzt sich trotz seiner Zweifel gegenüber der Stromlösung mit der EnergieAllianz zu finalen Verhandlungen zusammen: "Wir werden selbstverständlich noch einmal einen Versuch starten", sagt Verbund-Finanzvorstand Michael Pistauer. Er erwartet im übrigen, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren der Verbund-Streubesitz weiter steigt. Zumal auch die Eigner der beteiligten Landesversorger einmal Kasse machen könnten.

"Es ist noch offen", meinte Pistauer vor österreichischen Journalisten bei einer von der Erste Bank organisierten Investorenkonferenz in New York zur Causa ÖSL. Ob sich die Verhandlungsrunde vor Weihnachten noch ausgeht, sei fraglich. Sicher werde das aber spätestens Anfang des Jahres der Fall sein. "Es müsste im Frühjahr entschieden werden", im ersten Quartal, so Pistauer.

Kostenvorteile nicht realisierbar?
Einer der Knackpunkte, der öffentlich kommuniziert wird, ist, dass der Verbund bezweifelt, dass die früher angesetzten Kostenvorteile realisierbar sind. Ursprünglich lautete das Ziel, allein für den Verbund pro Jahr 39 Mio. Euro an Synergien zu heben, jetzt sei man bei 34 Mio. Euro. "Momentan sehen wir es als sehr schwierig an, das so abzusichern. Wenn es nicht gelingt, dass das nachhaltige Synergien sind, so dass der Zug drüber fährt, können wir nicht in die ÖSL gehen", stellte Pistauer klar. Die Synergien stellten eine Art "Kaufpreis" dar.

ÖSL bedeutet Teilfusion
Und für die von der ÖSL erfassten Kooperationssparten müsse zudem "die industrielle Führung jeweils ganz klar sein, hundertprozentig rein", betont Pistauer. Die ÖSL bedeutet eine Teilfusion. Klar sei, dass es innerhalb der Partnerschaft keinen Wettbewerb mehr gebe, heißt es im Verbund in Richtung Kritiker. ÖSL und interne Konkurrenz passen für den Verbund-Vorstand auch nicht zusammen. Der Verbund hat vor Monaten von der EU Grünes Licht bekommen für die ÖSL, nachdem er seine Großkundentochter APC verkauft hatte. Sollte die Stromlösung platzen, seinen freilich "keine Rückabwicklungen vorgesehen" sagte Pistauer zu den erbrachten Vorleistungen.

Streubesitz von 15,7 auf 22 Prozent gestiegen
Der Ausstieg der deutschen Energie Baden Württemberg (EnBW, sie verkaufte Mitte November binnen dreier Stunden ihr 6,3-Prozent-Paket) habe gezeigt, wie wohl ein höherer Streubesitz der Aktie tat. Damit stieg der Streubesitz von zuvor 15,7 um 40 Prozent auf gut 22 Prozent. "Ich kann mir vorstellen, dass der free float in den nächsten zwei bis drei Jahren weiter steigt, wo immer er herkommt", sagte Pistauer. Derzeit halten etwa Wienstrom und EVN je 10 Prozent und Tiwag rund 7 Prozent am Verbund. Von hier könnte sich irgendwann was tun, "bei der notorischen Geldnot der öffentlichen Hände", wie Pistauer mutmaßt.

Aufrecht ist der Ausblick für das zu Ende gehende Geschäftsjahr 2004, man erwartet weiterhin 20 Prozent Zuwachs beim EBIT und Nettogewinn. Als Dividende sieht der Vorstand eine 50-prozentige Erhöhung, also eine Anhebung von 2 auf 3 Euro.(apa)

7.12.2004 10:06