Fiat-Konzernchef: Komplett-Verkauf von Fiat Auto an GM ist möglich!
- Bisher deutlichste Aussagen von Marchionne zu Verkaufsidee
- Option kann ab dem 24. Jänner ausgeübt werden
Das italienische Traditionsunternehmen Fiat hält sich nach Worten seines Chefs für die Zukunft seiner Autosparte alle Möglichkeiten offen, darunter auch einen vollständigen Verkauf von Fiat Auto an den US-Partner General Motors (GM). Auch die "real existierende Möglichkeit" eines Verkaufs an GM werde erwogen, sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne in einem am Freitag veröffentlichten Interview der "New York Times".
Marchionne hatte zwar in der Vergangenheit stets betont, die Verkaufsoption von Fiat Auto an GM sei gültig und könne ausgeübt werden. Seine Äußerungen in dem Interview sind aber die bislang deutlichsten zu diesem Thema. Die Option kann ab dem 24. Januar ausgeübt werden. Fiat-Aktien reagierten mit Kursaufschlägen auf den Bericht. Ein Fiat-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.
Fiat hatte 20 Prozent seiner Anteile an Fiat Auto im Jahr 2000 an GM verkauft und eine Option zum Verkauf der restlichen 80 Prozent an den US-Konzern vereinbart. Durch eine Kapitalerhöhung hat sich die Beteiligung von GM an Fiat Auto aber mittlerweile auf zehn Prozent verwässert. Zwischen den beiden angeschlagenen Autohersteller besteht mittlerweile Uneinigkeit über die Gültigkeit der Vereinbarung.
Marchionne hat diesbezüglich eine weitaus härtere Position bezogen als seine Vorgänger. Der weltgrößte Autokonzern GM, der in Europa etwa bei der Tochter Opel selbst rote Zahlen schreibt und in den USA mit steigenden Kosten konfrontiert ist, argumentiert, die Verkaufsoption sei wegen der Kapitalmaßnahmen bei Fiat Auto nicht mehr gültig. Vergangenes Jahr hatten sich Fiat und GM zunächst darauf geeinigt, den frühesten Termin für die Ausübung der Option um ein Jahr auf den 24. Januar 2005 zu verschieben. Zudem wurde vereinbart bis 15. Dezember, also nächsten Mittwoch, auf rechtliche Schritte zu verzichten.
Marchionne sagte der Zeitung, er verstehe die schwierige Lage von GM, Fiat müsse aber "das Beste für seine Auto-Sparte tun und (...) den größtmöglichen Wert für die Aktionäre von Fiat schaffen". Eines der Schreckgespenster in den Planungen von Marchionne ist es, dass die Partnerschaft mit GM, die im Zuge der Verkaufsoption geschlossen wurde, Fiat von der Zusammenarbeit mit anderen Autoherstellern abhält. Wie die "New York Times" Marchionne weiter zitierte, war die Vereinbarung der Verkaufsoption für Fiat Auto einer der Hauptgründe dafür, dem Verzicht auf Kooperationen mit anderen Autoherstellern zuzustimmen. "Nun muss Fiat aber seine strategische Freiheit zurückbekommen", zitierte ihn die Zeitung.
Die Führung von GM und Fiat soll am Dienstag zu einem regulären Treffen zusammenkommen, um über zwei Gemeinschaftsunternehmen zu beraten. Aus Kreisen des italienischen Unternehmens war bereits verlautet, Marchionne könne vor Gericht ziehen, um GM zu beweisen, dass die Verkaufsoption noch gültig sei. Allerdings könne auch GM rechtlich gegen Fiat vorgehen.
(apa)
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