FORMAT: Köstliche neue Steuerreform -
Die Gewinner der heimischen Wirtschaft!
- Körperschaftssteuer lässt Unternehmen wieder feiern
- Klicken: Vom Flughafen Wien bis zur Telekom Austria
Am 1. Jänner tritt die Steuerreform in Kraft. Für die Chefs der heimischen Unternehmen bedeutet dies: Weniger Steuern, mehr Gewinn. Ein guter Grund, zu Jahresbeginn die Korken kräftig knallen zu lassen. Denn mit der "größten Steuerreform der Zweiten Republik" (Grasser) sinkt die Körperschaftsteuer mit einem Schlag von 34 auf 25 Prozent!
Spitzenreiter unter den KöSt(Körperschaftsteuer)-Gewinnern im kommenden Jahr ist der Flughafen Wien, knapp gefolgt von den Austrian Airlines und Palfinger. Alle drei werden den Gewinn je Aktie allein durch die KöSt-Senkung um rund zehn Prozent steigern können.
Ebenfalls im Spitzenfeld: voestalpine, Böhler-Uddeholm, Verbund und EVN.
Je internationaler, desto schlechter
Grund für den hohen Gewinnzuwachs, so Günther Artner, Börsenexperte der Erste Bank, ist die Konzernstruktur dieser Unternehmen: "Sie alle müssen ihren Gewinn zur Gänze oder zu großen Teilen in Österreich versteuern, deshalb haben sie auch den größten Vorteil aus der Reform."
Dazu kommt: Diese Unternehmen schreiben seit mehreren Jahren kontinuierlich Gewinne und haben deshalb auch keine steuermindernden Verlustvorträge, die sie geltend machen können. Artner: "Für diese Unternehmen gilt: Der Steuervorteil ist auch direkt ein Cash-Vorteil."
TelekomAustria gewinnt - auf lange Sicht gesehen
Einer der größten Gewinner der Reform ist die Telekom Austria - allerdings erst auf längere Sicht. Der Konzern hat noch satte Verlustvorträge, die er aufgrund des niedrigeren KöSt-Satzes neu bewerten muss - ein bilanztechnischer Vorgang, der in der Praxis aber den zusätzlichen Gewinn durch die Senkung des Steuersatzes schmälert.
Die Folge: Die niedrigeren Steuersätze werden erst in den Jahren 2007 und 2008 voll auf das Betriebsergebnis durchschlagen - und die Telekom Austria wird dann ins absolute Spitzenfeld der KöSt-Gewinner vorstoßen.
Je internationaler, desto weniger Erfolg
Doch nicht alle Unternehmen, die in Wien notieren, werden von der KöSt-Senkung profitieren. Prinzipiell gilt: Je internationaler ein Konzern, desto geringer der Effekt - schließlich müssen im Ausland erzielte Gewinne auch dort versteuert werden. Die KöSt-Senkung wird daher auf Konzerne wie Wienerberger und RHI nur geringe Auswirkungen haben. Aber auch die heimischen Großbanken wie die Bank Austria Creditanstalt oder die Erste machen einen Großteil des Geschäfts im Osten und werden daher nur zu geringen Teilen von der österreichischen Steuerreform profitieren.
OMV-Chef Claus Raidl fasst die Effekte so zusammen: "Die Senkung der KöSt erhöht den Spielraum für Investitionen und auch für eine höhere Gewinnausschüttung." Böhler-Uddeholm denke derzeit aufgrund der Steuerreform über ein konkretes Projekt in der Größenordnung von 25 Millionen Euro nach. Ohne Steuerreform wäre das Geld im Ausland investiert worden.
Wo das Geld hinfließt. Prinzipiell, so der Chefökonom der Industriellenvereinigung, Christian Helmenstein, haben Unternehmen wie Böhler mehrere Möglichkeiten, die zusätzlichen Einnahmen zu verwenden, sofern sie das Steuerzuckerl nicht zur Gänze an ihre Aktionäre ausschütten:
Vorausgesetzt natürlich, die Unternehmen erwirtschaften Gewinne. Wer nichts verdient, zahlt ohnehin keine Steuern und wird auch von der KöSt-Senkung nicht profitieren.
Unterm Strich, so Helmenstein, werde sich die Reform daher positiv auf den Wirtschaftsstandort auswirken: "Ohne die Reform könnten wir wohl kaum ein Wirtschaftswachstum über zwei Prozent erreichen." Zum Vergleich: Die Deutschen rechnen mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent.
Und der Finanzminister braucht unbedingt ein Wachstum über der magischen Zwei-Prozent-Marke, um das angestrebte Defizit für nächstes Jahr halten zu können.
Grasser hofft jedenfalls auf einen kräftigen Impuls aus der Steuer und der KöSt-Reform. Das Kalkül dahinter: Die fehlenden Einnahmen durch die Senkung der Körperschaftsteuer, so der Finanzminister, würde zu erheblichen Teilen durch das stärkere Wirtschaftswachstum kompensiert - und das werde eben durch die Investitionen der Unternehmen forciert. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. Mögliche Folge: Je niedriger die Steuern, desto geringer die Bereitschaft zu investieren.
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