12.12.2004 18:31

Vom Silberfisch zum Goldfisch! Rogan holt sich EM-Gold über 200m Lagen und Rücken

  • Pech: Mirna Jukic verpasst Bronzemedaille um nur 4/100
  • "Podo" & Zahrl enttäuschten. PLUS BILDER von Rogan!

Der zweifache Olympia-Zweite Markus Rogan hat sich am Donnerstag selbst die Krone aufgesetzt. Der 22-Jährige eroberte zum Auftakt der 8. Kurzbahn-Europameisterschaften in der Wiener Stadthalle binnen rund 50 Minuten zwei Mal Gold, triumphierte über 200 m Rücken und 200 m Lagen. Auf seiner favorisierten Rücken-Strecke schlug der Wiener in 1:51,24 Minuten an und markierte damit neuen Europa- und natürlich OSV-Rekord. Über die mittlere Lagen-Distanz besiegte das OSV-Ass in einem spannenden Zweikampf den Ungarn Laszlo Cseh mit OSV-Rekord in 1:55,15.

Das war der Paukenschlag, den diese EM brauchte. Rogan hatte seinen Rücken-Sieg angekündigt, von einem derartigen Bravourstück aber wohl selbst nur geträumt. Der Wiener gab von Beginn an das Tempo an und lag bei Halbzeit sogar unter der Weltrekordmarke des US-Amerikaners Aaron Peirsol. Die Marke des Olympiasiegers verpasste Rogan dann zwar um 72/100 Sekunden, distanzierte den zweitplatzierten slowenischen Titelverteidiger Blaz Medvesek aber sicher um 1,15 Sekunden. "Das ist das Gold von allen", sprach er die tolle Stimmung in der Halle an.

Locker zum neuen Europarekord
Tatsächlich war der Ex-Vize-Weltmeister vom Einmarsch an frenetisch angefeuert worden, obwohl die Ränge nicht so wie erhofft gefüllt waren. Dennoch meinte der Held des Nachmittags: "Bei dieser Stimmung wird man einfach nicht müde." Seinen Europarekord nahm er locker hin: "Eine EM ist ja da, um Europarekorde zu schwimmen." Seine eigene europäische Bestzeit von Ende März in East Meadow bei New York drückte er um 13/100. Da damals unmittelbar nach seinem Rekord aber keine Dopingkontrolle stattfand, blieben die 1:51,62 des Kroaten Gordan Kozulj offiziell (21.1.01).

Publikum trieb Rogan auch über Lagen-Strecke zum Sieg
Noch spannender verlief das Lagen-Finale. 50 Minuten, eine Siegerehrung und einige Interviews nach dem Titelgewinn hielt Rogan den Zweikampf mit Cseh vorerst offen und zog dem Ungarn schließlich um 21/100 davon. Atypisch, dass das OSV-Ass auf der Brust-Lage mithielt und auf der Kraul-Strecke die entscheidende Distanz zwischen sich und seinen Konkurrenten legte. "Als ich nach dem Rückenteil hinten war, hab' ich mir schon ein bisschen Sorgen gemacht. Aber dann hab' ich mir gedacht, ich lass' mich vom Publikum treiben und vergess' die Müdigkeit."

Noch mehr Medaillen-Chancen
Die Siegerzeit von 1:55,15 Minuten bedeuten ebenfalls österreichischen Rekord, im März in New York war er um 36/100 langsamer. Auf den fast elf Jahre alten Europarekord des Finnen Jani Sievinen fehlen Rogan nur noch 51/100 Sekunden. Rogan ist damit zweifacher Doppel-Europameister, mit Siegen jeweils über 200 m Rücken und 200 m Lagen. Auch in Madrid schaffte er ja dieses Doppel, dazu kam Silber über 100 m Rücken.

"Das hier ist Spaß"
Zwei Mal Silber bei Olympia, zwei Mal Gold in Wien! Für Rogan schwierig zu sagen, was schöner ist: "Das kann man nicht vergleichen. Es ist ganz etwas Anderes, zu Hause zu gewinnen. Athen war Pflicht, das hier ist Spaß", bezog er sich wieder auf die hervorragende Unterstützung des Publikums. "Wenn die Kurzbahn-EM irgendwo anders gewesen wäre, hätte ich es nie geschafft, zwei Mal Gold zu holen." Und noch eines war Österreichs "Sportler des Jahres" wichtig: "Ich wollte beweisen, dass man es als Österreicher mit rein österreichischer Unterstützung schaffen kann."

Pech für Jukic
"Wenn ich morgen nur halb so gut abschneide, dann ist das schon schwer in Ordnung", freute sich Mirna Jukic am Donnerstagabend nach ihrem vierten Platz über 50 m Brust mit ihrem Landsmann Markus Rogan, der sich binnen weniger als einer Stunde zum Doppeleuropameister gekürt hatte. Dabei machte Jukic selbst bereits an ihrem ersten Wettkampftag eine äußerst gute Figur. Die 18-Jährige versäumte im Brust-Sprint in 31,56 Sekunden um nur vier Hundertstel eine Medaille. Petra Zahrl brachte laut ihrem Trainer Kurt Dittrich über 200 m Delfin eine "gute, aber noch nicht sehr gute Leistung", belegte im Finale Rang sechs.

"Ich bin wegen der 4/100 überhaupt nicht enttäuscht. Alles, was nach dem Finale gekommen ist, war nur noch Draufgabe. Ich bin froh, dass es so gut geklappt hat", trauerte Jukic dem knapp verpassten Edelmetall überhaupt nicht nach. "Über die 50 Meter ist das auch oft eine Glückssache. Die 200 Meter sind schon wieder eine ganz andere Sache", freute sich die Studentin auf das Rennen am Freitag, in das sie als Titelverteidigerin geht. "Ich bin sehr zufrieden und gut drauf", so das Auftakt-Resümee. Auf Gold, das sich ihre deutsche Konkurrentin Sarah Poewe in 31,09 Sekunden sicherte, fehlten der Wienerin 47 Hundertstel.

Zahrl mit Leistung zufrieden
Petra Zahrl hatte als Vorlauf-Achte am Vormittag in 2:11,22 Minuten gerade noch den Einzug in das Finale über 200 m Delfin geschafft, zeigte sich am Nachmittag aber stark verbessert. Die Wienerin schlug in 2:09,52 als gute Sechste an, den Traum von der Medaille konnte sie sich aber nicht ganz erfüllen. "Im Vergleich zur schwachen Vorlaufzeit war das eine enorme Verbesserung. Die Zeit ist daher in Ordnung", meinte Dittrich.

Podoprigora enttäuscht
Nicht so gut lief es hingegen für Maxim Podoprigora. Der Ex-Europarekordler verbremste nach eigenen Angaben seinen 100-m-Brust-Semifinallauf, konnte auch im Finish nicht mehr zulegen und wurde 14. Letztlich fehlten 64/100 für die Finalteilnahme. "Mein Anfangstempo war leider so, wie es auf den 200 Metern sein sollte. Danach bin ich einfach nicht mehr herangekommen", so Podoprigora, der im Finish noch einmal aufholte, enttäuscht. "Ich habe zu langsam begonnen."

Nichts zu holen gab es auch für Birgit Koschischek im Semifinale über 100 m Kraul. Die 17-Jährige Wienerin landete wie Podoprigora auf Rang 14, unterbot jedoch in 55,72 Sekunden ihre persönliche Bestzeit um 16 Hundertstel und lieferte damit eine weitere Talentprobe ab. Über 100 m Lagen und Delfin bekommt sie an diesem verlängerten Schwimm-Wochenende in Wien eine weitere Chance dazu.
(apa/red)

12.12.2004 18:31
Seite bookmarken bei: ? Hilfe
Olympia 2010 - Alle Bilder & Videos
zurück zur Startseite