12.12.2004 18:31

Schwimmen: Grande Dame Judith Draxler nimmt ihren unspektakulären Abschied

  • Draxlers "Erfolgswelle" hält auch nach Kurzbahn-EM an
  • Erste Medaille beim 32. Großereignis wird angestrebt

Als Judith Draxler am 15. August 1989 erstmals in der Ergebnisliste eines Schwimm-Großereignisses Aufnahme gefunden hat, waren die beiden jetzigen Schwimm-Hoffnungen Marilies Demal und Julia Lewandowski noch gar nicht geboren. Bei der Wiener Kurzbahn-EM in der Wiener Stadthalle sind die beiden heute 15-jährigen Mädchen erstmals bei einem Großereignis dabei, Draxler das letzte Mal. Nichts verdeutlicht die Stehkraft der Feldbacherin besser, nicht zufällig ist die 34-Jährige bei der EM wie schon bei Olympia älteste Schwimmerin.

Seit den Europameisterschaften 1989 in Bonn hat die 68-fache Staatsmeisterin bereits einige österreichische Schwimm-Generationen (üb)erlebt. Kennt man die seit fast amateurhaften Trainingsbedingungen der Magistra in Psychologie, ist ihre Konstanz auf Weltklasse-Niveau noch mehr zu bewundern. Die Kurzbahn-WM-Fünfte 2002 hat in ihrem Heimatort nur eine 25-m-Bahn zur Verfügung, an ihrem Studienort Graz ist es nicht anders. Fünf nationale Rekorde hält sie derzeit, die meisten von ihnen wohl noch länger.

Mit Judith dankt auch Bruder Alfons ab
Nicht nur für Judith bedeuten die Wien-Titelkämpfe Abschied, sondern auch für ihren Bruder Alfons. Der Tischler übernahm vor rund acht Jahren die sportliche Betreuung seiner Schwester, nachdem der bis dahin als Coach fungierende Gerd Schauschütz nicht mehr die Zeit für das Training aufbringen konnte. Der Bruder eignete sich all sein Wissen aus Fachliteratur an, fortan ging es in den Ergebnislisten aufwärts. Fast seinen gesamten Urlaub opferte der Idealist für den Schwimmsport, zahlte nicht wenig aus der eigenen Tasche.

Für Draxler ist der letzte Auftritt "nichts Besonderes
Draxler ist die Grande Dame des österreichischen Schwimmsports. Mit 32 Teilnahmen an Großereignissen (Olympia, WM, EM, Europacup, Universiade) hält sie einen in Österreich einmaligen Rekord, den zu verbessern nicht leicht sein wird. Sentimentalität verspürt die Steirerin aber nicht: "Ich nehm's diesmal so wie immer, mache daraus nichts Besonderes." Am Mittwoch Vormittag absolvierte sie die letzte Trainingseinheit ihrer Laufbahn in Feldbach, dann ging es nach Wien. Mit der leisen Hoffnung, dass es zum Abschluss doch noch zu einer Medaille reicht.

Nach der aktiven Karriere folgt die zweite als Sport-Psychologin
Falls nicht, wird die dreifache Olympia-Teilnehmerin nicht viele Gedanken daran verschwenden. Denn ihr Leben danach ist organisiert, seit ihrer Sponsion 1997 gibt sie sportpsychologische Beratungen, hält Seminare in Stress-Management und Motivationstraining. Das unter "Erfolgswelle" in Selbstständigkeit aufgebaute Angebot wird auch nach dem Karriere-Ende und der für Sonntag geplanten feierlichen Verabschiedung durch den OSV wie gewohnt weiter laufen. "Nur intensiver wird's, ich hab' ja dann mehr Zeit dafür."

12.12.2004 18:31
Seite bookmarken bei: ? Hilfe
Olympia 2010 - Alle Bilder & Videos
zurück zur Startseite