Samstag, 11. Dezember 2004

Bode Miller schlägt zurück! Klarer Sieg im Riesentorlauf in Val d'Isere, Maier Dritter

  • Österreicher vergeben Halbzeit-Dreifachführung
  • Christoph Gruber & Benni Raich scheiden im 2. DG aus

Nichts wurde es für Hermann Maier mit der Revanche nach der Abfahrtspleite. Nach der Führung im ersten RTL-Durchgang in Val d'Isere fiel der Herminator auf den dritten Rang (+0,33) zurück, den Sieg holte sich erneut Weltcup-Dominator Bode Miller (im ersten Durchgang noch Vierter) vor Lasse Kjus (+0,29). Damit liegt der US-Star in der Weltcup-Gesamtwertung schon 291 Punkte vor Maier in Front. Christoph Gruber und Benni Raich, Zweiter und Dritter im ersten Durchgang, schieden im zweiten Heat aus.

Auch wenn insgesamt die Zeichen in dieser einstigen "Problemdisziplin" eindeutig aufwärts zeigen, zeugten heftige Diskussionen im Ziel davon, dass die ÖSV-Fahrer mit dem Auftrag, im zweiten Lauf "rund" zu fahren, nicht wirklich einverstanden waren. Gruber und Raich rutschten praktisch an der selben Stelle auf dem Innenski aus und landeten auf den Plätzen 27 bzw. 28, nur Maier war einen Tag nach seiner Abfahrts-Pleite (26.) trotz des Rückfalls auf Platz drei nicht unzufrieden.

Maier selbstkritisch: "Sieg verschenkt"
"Ich habe den Sieg verschenkt, bin viel zu rund gefahren. Mir ist noch nie passiert, dass ich eine Halbzeit-Führung hergeschenkt habe, insgesamt bin ich aber nicht unzufrieden. Noch vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, dass ich überhaupt noch einmal einen Riesentorlauf gewinnen kann", stellte der Salzburger fest.

Maier will Gesamtweltcup nicht!
Und überraschte dann mit der Aussage, dass für ihn der Gesamt-Weltcup kein Thema mehr sei. "Das ist für mich eine Saison zum Probieren, ich muss erst die richtige Abstimmung finden." Nicht dass Miller so überragend stark sei, "ich bin aber in den schnellen Disziplinen zu weit weg, auch vom Kopf her", sagte der Weltcup-Titelverteidiger, der bekanntlich immer noch mit den Schuhen experimentiert.

Während Raich im Ziel heftig über die Trainer-Vorgaben diskutierte und Gruber mit sich selbst hart ins Gericht ging ("Ich bin einfach zu blöd"), relativierte Maier: "Die Funksprüche, rund zu fahren, waren zwar falsch, aber den Trainern ist keine Schuld zu geben. Jeder muss selbst wissen, wie er fährt." Und weil ein Unglück selten allein kommt, löste auch der nach Lauf eins auf Platz sechs liegende Stephan Görgl die Zeitnehmung am Start zu früh aus. Ohne dieses Missgeschick wäre der Steirer Vierter statt Zehnter geworden.

"Das waren Weihnachtsgeschenke", war auch ÖSV-Herrenchef Toni Giger klar. In Summe sei es aber ein extrem gutes Zeichen, dass die Österreicher so dominierend seien. "Diese Geschenke kommen sicher irgendwann zurück." Auf diverse Fahrer-Kritik bezüglich der Linien-Vorschläge meinte auch Giger: "Jeder muss selbst entscheiden, wie er fährt."

Großer Profiteur der ÖSV-Patzer war Miller, der am Schauplatz seines ersten Weltcup-Sieges vor zwei Jahren mit dem fünften Erfolg im neunten Saisonrennen seine Weltcupführung ausbaute. Miller hat heuer bereits zwei Abfahrten (Lake Louise, Beaver Creek), zwei Riesentorläufe (Sölden, Val d'Isere) und einen Super G (Lake Louise) gewonnen und stand in neun Rennen sechs Mal auf dem Podest. "Heute waren perfekte Bedingungen. Ich habe im zweiten Lauf volles Risiko genommen und einen wirklich guten Job gemacht", stellte der 27-Jährige zufrieden fest.

Karriereende oder Nationenwechsel für Mayer?
Christian Mayer, der die Qualifikation für den zweiten Durchgang nur um 1/100 Sekunde verpasst hat, denkt trotz der Nichterbringung des vom ÖSV geforderten Platzes nicht ans Aufhören. Der 32-jährige Kärntner hätte, so der ÖSV, nur mit einem Platz unter den ersten 15 seinen Verbleib im Weltcup gesichert: "Ich werde jetzt nach Hause fahren und dort in Ruhe überlegen, was ich machen werde", meinte Mayer.

Der Gewinner von sieben Weltcup-Rennen, der Ende September bei einem Super-G-Trainingssturz in Sölden einen Schienbeinkopf-Bruch und einen Knorpel-Einriss erlitten hatte, hat nach eigener Aussage nun zwei Alternativen bezüglich der Fortsetzung seiner Karriere: Entweder er fährt in dieser Saison keine Rennen mehr und heilt seine Knieverletzung voll aus, oder er versucht sich über den Europacup für den Weltcup-Winter 2005/06 zu qualifizieren.

Sollte Mayer auf seinen Verletztenstatus pochen, dann müsste er die ÖSV-Führung beim Training im Sommer von seinen Qualitäten überzeugen, um den Sprung ins Weltcup-Team zu schaffen.

Dass ihm der ÖSV noch in der aktuellen Weltcup-Saison eine weitere Chance gibt, kann sich der Kärntner nicht mehr vorstellen. Ausländischen Journalisten gegenüber soll er auch angedeutet haben, dass er sich einen Nationenwechsel - angeblich steht Großbritannien zur Diskussion - vorstellen könnte, sollte ihn der ÖSV endgültig fallen lassen.

1.Bode MillerUSA2:20,66Min.1:09,231:11,43
2.Lasse KjusNOR2:20,95+0,291:09,361:11,59
3.Hermann MaierAUT2:20,99+0,331:08,931:12,06
4.Davide SimoncelliITA2:21,51+0,851:09,701:11,81
5.Mirko DeflorianITA2:21,52+0,861:10,631:10,89
6.Kalle PalanderFIN2:21,54+0,881:10,051:11,49
7.Didier DefagoSUI2:21,78+1,121:09,721:12,06
8.Joel ChenalFRA2:21,84+1,181:09,941:11,90
9.Didier CucheSUI2:22,01+1,351:10,101:11,91
10.Stephan GörglAUT2:22,05+1,391:09,701:12,35
11.Niklas RainerSWE2:22,06+1,401:10,741:11,32
.Thomas GrandiCAN2:22,06+1,401:09,751:12,31
13.Massimiliano BlardoneITA2:22,10+1,441:09,721:12,38
14.Fredrik NybergSWE2:22,11+1,451:10,061:12,05
15.Daron RahlvesUSA2:22,13+1,471:10,451:11,68
16.Kjetil-Andre AamodtNOR2:22,27+1,611:10,701:11,57
weiter:
18.Rainer SchönfelderAUT2:22,35+1,691:10,041:12,31
20.Frederic CoviliFRA2:22,49+1,831:10,311:12,18
23.Bjarne SolbakkenNOR2:23,07+2,411:10,301:12,77
24.Bruno KernenSUI2:23,09+2,431:10,211:12,88
25.Marco BüchelLIE2:23,16+2,501:10,761:12,40
26.Andreas SchiffererAUT2:24,46+3,801:10,431:14,03
27.Christoph GruberAUT2:26,66+6,001:08,941:17,72
28.Benjamin RaichAUT2:27,27+6,611:08,961:18,31

(apa/red)

11.12.2004 16:43